1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Greven
  6. >
  7. Ein bisschen wie Urlaub

  8. >

Neustart mit angezogener Bremse: Gastronomie öffnet Biergärten und Terrassen

Ein bisschen wie Urlaub

Greven

Mit wärmender Jacke und Sonnenstrahlen im Rücken: So ließ sich ein Besuch in den Außenbereichen der Gaststätten genießen. Nach langer coronabedingter Pause hatten die Wirte am Pfingstwochenende wieder auf Terrassen und in Biergärten Getränke und Essen serviert. Ein Neustart mit angezogener Bremse.

Jannis Beckermann

Die Tür des Gasthofs „Zum Vosskotten“ steht wieder offen – zumindest für den Biergarten: Wirt Guido Temme (links) und Küchenchef Helmut Gähr freut‘s. Foto: Jannis Beckermann

Über die Terrasse des Restaurants „Zum Vosskotten“ weht an diesem Pfingstsonntag um kurz nach drei eine frische Brise, die die Sonnenschirme im Wind flackern lässt. Dazu zeigt das Thermometer kühle 14 Grad. Keine Frage: Es gibt idealere Bedingungen für einen Kneipenbesuch unter freiem Himmel. Aber mit wärmender Jacke und Sonnenstrahlen im Rücken lässt es sich für Michael und Heike Walter auf den Stühlen ihres Stammlokals dann doch bestens aushalten. „Das hier ist unser erstes frisch Gezapftes seit Oktober“, zeigen die beiden Grevener auf die zwei Gläser Bier vor sich auf dem Tisch. Und ihr Urteil ist eindeutig: „Schmeckt gut und fühlt sich ein bisschen wie Urlaub an“, sagen beide mit einem Lächeln.

Das erste frisch gezapfte Bier im Stammlokal, das erste Schnitzel, die erste Erdbeertorte nach mehr als einem halben Jahr geschlossener Gastronomie – es ist ein Teil lange vermisster Lebensqualität, der an diesem Pfingstwochenende zumindest im Außenbereich, in den Biergärten und auf den Terrassen der Kneipen der Stadt zurückkehrt. Gesunkene Corona-Zahlen im Kreis Steinfurt machen’s möglich.

Entsprechend erfreut zeigt sich Vosskotten-Wirt Guido Temme: „Wir sind glücklich, dass wir wieder loslegen dürfen“, sagt der Inhaber der Traditionsgaststätte, der sich und seine 15-köpfige Mannschaft um Küchenchef Helmut Gähr zuletzt mit Außer-Haus-Verkauf samt Auto-Drive-In über Wasser hielt. Nun dürfen Wirte wie er im gesamten Kreis vorerst zwar nur Getestete, Genesene oder Geimpfte draußen bedienen. Diese Einschränkungen nehmen Temme und Gähr aber gelassen hin: „Unser Team ist gar nicht böse, dass es ein paar Tage lang mit angezogener Handbremse losgeht“, sagen beide. Denn so komme man nach langer Pause langsam wieder auf Trab, findet Temme.

Andere Grevener Wirte dagegen lassen ihre Gaststätten vorerst noch geschlossen. Spontan, Täglich, Mandala, Otto‘s, Wauligmann – nicht wenige bekannte Gasthäuser in Greven sperren erst in den kommenden Tagen wieder auf oder warten ab, bis wie in Münster auch Innengastronomie (voraussichtlich ab Anfang Juni) wieder zulässig ist.

Vasilis Toxavidis, der Geschäftsführer des „Mezzomar“ am Fritz-Pölking-Platz, ist in der Innenstadt am Pfingstsamstag so einer der Wenigen, die schon wieder Gäste vor Ort empfangen. Graue Wolken und Regenschauer trüben hier den ersten Öffnungstag zusätzlich. Drei bis vier besetzte Tische zählt der Wirt vor seinem Lokal über den gesamten Tag. „Optimistisch bleiben“, lautet trotzdem Toxavidis‘ Devise. „Wir haben schließlich auch die letzten, wirtschaftlich schwierigen Monate durchgehalten“, sagt er.

Die Vorgabe, einen Test- oder Impf-Nachweis sogar für den Terrassenbesuch an der frischen Luft vorlegen zu müssen, sieht Toxavidis allerdings sehr kritisch. Ein paar Gäste habe er deswegen schon wieder wegschickt, berichtet er und mahnt: „Da hätte ich mir etwas praxistauglichere Lösungen von der Politik gewünscht.“

Praxistauglich? So geben sich an diesem für die Gastronomie so besonderen Wochenende zumindest Rainer Sommer und Ilie Cosmin Ivan von der Nielandschänke. Erst kürzlich haben die beiden Wirte aus dem Osnabrücker Raum das Gasthaus an der Emsdettener Straße als neue Betreiber übernommen. Mitten im Lockdown. Nun lockten sie am frühen Pfingstsamstag um Mitternacht pünktlich zur Aufhebung des strikten Bewirtungsverbots mit einem Sonderangebot bis 1 Uhr: „Zwei frisch gezapfte Bier zum Preis von einem auf der Terrasse“, warben sie per Facebook-Posting. Am Tag danach fällt das Fazit positiv aus: Eine Handvoll Gäste, berichtet Sommer, hätten das nächtliche Angebot tatsächlich wahrgenommen, das freilich nur ein Auftakt sein soll für bessere Zeiten. Seine Hoffnung: „Jetzt geht’s bergauf.“ Dem Neustart in der Gastronomie sei Dank.

Startseite