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Erste Grevener Apotheke eröffnete vor 180 Jahren

Ein Hauen und Stechen um medizinische Pfründe

Greven

180 Jahre – so lange ist es her, als die erste Grevener Apotheke entstand. Eine Geschichte, die auch von Rivalitäten geprägt war.

Hans-Dieter Bez

Die erste Grevener Apotheke wurde an der Kirchstraße direkt gegenüber der Martinus-Kirche eröffnet. Aktuell befindet sich in dem Haus das Restaurant Foto: Heimatverein

Im September 1804, Greven war seit zwei Jahren preußisch, erhielten der Receptor Lohkamp und der Vorsteher des Dorfes Greven ein Schreiben von der Regierung in Münster, in dem sie aufgefordert wurden, ein „gründliches Gutachten“ abzugeben, ob in Greven eine selbstständige Apotheke notwendig sei und ob sie finanziell bestehen könne.

Das Gutachten war ablehnend, vor allem mit Rücksicht auf die ortsansässigen „Chyrurgen“ Simon Jacob Camp und Vater Johann Bernard und Sohn Bernard Anton Philip Otto: Eine Apotheke habe hier „nicht den bezielten Nutzen“. Der Ort sei zu klein, als dass der Apotheker ein „hinlängliches Auskommen“ haben werde. Und auf die Tätigkeit der „seit 40 Jahren hier ansässigen Chyrurgen Camp und Otto“ wurde lobend hingewiesen. Außerdem würden diese einen wichtigen Teil ihres Einkommens verlieren, wenn sie keine Arzneien mehr im Rahmen ihrer Handapotheke verkaufen könnten.

Acht Jahre später, im Juli 1812, Greven war inzwischen französische Mairie geworden, wurde der Grevener Maire (Bürgermeister) Franz Anton Schründer aufgefordert, sich zu dem Vorhaben des Georg Wilhelm Albers zu äußern, in Greven eine Apotheke zu eröffnen. Schründer übernahm das ablehnende Gutachten aus dem Jahre 1804.

Gutachten für den Landrat

Und als Greven ab 1813 wieder preußisch war, die Bevölkerungszahl Grevens stieg, wurden immer wieder Anträge gestellt, hier eine Apotheke eröffnen zu dürfen.

Der Grevener Bürgermeister Anton Joseph Arckenoe schrieb im November 1819 im geforderten Gutachten an den Landrat Lambert Hammer: Weil der Apotheker nur über geringe Einnahmen verfügen werde, werde er sich auch „mit quaksalbereien auf Gefahr und Kosten des Publicums seine Existenz suchen“. Und außerdem: „Hier in Greven wohnt bekanntlich ein geschulter Artzt namens Temmink mit einer Haus-Apotheke, der … sein Fach versteht und sich durch glückliche Curen das Vertrauen des Publicums erworben hat, außerdem noch zwey Chrirurgen Vater und Sohn Otto; käme noch eine Apotheke hinzu, so würden alle ihr Bestehen nicht mehr haben können.“ Der Bitte des Amtmanns Arckenoe, von einer Apotheke verschont zu werden, schloss sich auch der Gemeinderat an.

Eine wesentliche Wende in der Apotheken-Angelegenheit erfolgte im Jahre 1837. Der Apotheker Wilhelm Rave (Ramsdorf) stellte beim Landrat Clemens Graf von Korff gnt. Schmising den Antrag zur „Anlegung“ einer „vollständigen Apotheke in Greven“. Aber die beiden Ärzte im Dorf, Dr. Gerhard Temmink und Dr. Eberhard Johann Pröbsting, und andere Honoratioren wollten nun durch Petition und Unterschriftensammlung die Apotheke verhindern. Der Gemeinderat lehnte im August 1837 mehrheitlich die Einrichtung der Apotheke ab.

Hochlöbliche Königliche Regierung

Dann übersandten die Befürworter der Apotheke ein „Gehorsamstes Gesuch um Errichtung einer Apotheke im Dorfe Greven“ gleich an die „Hochlöbliche Königliche Regierung“ in Münster. Der Landrat erhielt eine Abschrift davon mit der Bitte um Unterstützung.

Zunächst wurde darin darauf verwiesen, die Apothekenkunde sei eine eigene Wissenschaft, deren Umfänglichkeit des Wissens dem Arzte fehle. Ein Arzt mit Hausapotheke sei deshalb nur ein „Notbehelf“. Ein wichtiges Argument war erneut, dass die Bevölkerungszahl Grevens seit 1802 „um etwa ein Drittel auf fast 1200 Seelen gestiegen“ sei mit weiter ansteigender Tendenz. Die Ablehnenden hatten die Mehrheit im Dorf, so blieb Raves Antrag erfolglos.

Apotheker Erster Klasse

Jetzt bereitete die Königliche Regierung in Münster dem Hin und Her in der Grevener Apothekenangelegenheit ein Ende. Sie ließ mit Schreiben vom 9. September 1837 den Landrat wissen: „Die Concession zur Eröffnung der Apotheke in Münster wird … dem Apotheker Clüsener in Höxter ertheilt werden, … weil er nicht allein Apotheker erster Klasse ist … sondern weil er auch bereits seit länger als 6 Jahren einer Apotheke mit Eifer, Fleiss und zur völligen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten vorgestanden hat.“

Der Grevener Arzt Dr. Eberhard Johann Pröbsting startete einen letzten Versuch, die Apotheke Clüseners zu verhindern, scheiterte aber. Ludwig Clüsener eröffnete die erste Apotheke in Greven am 1. Januar 1840 im Hause Kirchstraße 1, wo sie bis 1939 blieb. Bereits 1846 verstarb Ludwig Clüsener. Provisoren führten die Apotheke weiter. Im Januar 1856 wurde sie übernommen von dem Apotheker Theodor Simons.

Das Gebäude, in dem die erste Apotheke eröffnet wurde, inzwischen mehrfach renoviert, aber noch immer unverkennbar, ist heute das „Harveys Restaurant“ an der Kirchstraße.

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