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Immobilien und Grundstücke

Enorme Nachfrage, kaum Angebote: „Gewaltige Immobilienblase“ in Greven

Greven

Die Preise für Immobilien und Baugrundstücke ziehen in Greven immer weiter an. Derzeit werden die letzten Baugrundstücke in der Wöste ab 400 Euro für den Quadratmeter angeboten.

Peter Beckmann

Die ersten Baustraßen sind angelegt, die ersten Claims abgesteckt. Die Preise für die Baugrundstücke im vierten Abschnitt in der Wöste werden sicherlich über 400 Euro pro Quadratmeter liegen. Foto: Peter Beckmann

Man darf doch mal träumen. Über ein Haus an den Ausläufern der Cote d‘Azur zum Beispiel? Eine Wohnung im sonnenverwöhnten südfranzösischen Paradies – das hätte doch was. Aber: Der Träumer wird da ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Wohnung, 125 Quadratmeter, weit weg vom Mittelmeer, 1,25 Millionen Euro – quasi ein Schnapper. Und was das mit Greven zu tun hat? Eine ganze Menge, denn auch hier werden für Immobilien und Grundstücke Preise aufgerufen, die denen an der Cote d‘Azur recht nahe kommen.

Ein Thema, das von Investoren und Immobilien-Unternehmen nicht so gerne öffentlich diskutiert wird. Deswegen an dieser Stelle keine Namen. Nur so viel: „Da baut sich eine gewaltige Immobilienblase auf.“

Warum die Immobilienpreise steigen

Ursächlich sind da wohl mehrere Faktoren. Da ist zum einen die Nähe zu Münster. Dort ist der Wohnraum noch teurer als in Greven. Und deswegen ziehen die Münsteraner Familien in den Speckgürtel der Stadt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Häusern, Wohnungen und Baugrundstücken enorm ist. „In Greven ist fast nichts mehr zu bekommen“, so ein Unternehmer. „Einzig in Reckenfeld geht noch was.“

Und nicht zuletzt seien es die Menschen mit viel, viel Geld auf den Konten. „Erben zum Beispiel, die müssen inzwischen Strafzinsen für ihr Geld zahlen, die investieren deshalb liebend gerne in Immobilien, zu welchem Preis auch immer.“ Ergebnis: Die Preise für Häuser und Grundstücke steigen gewaltig. „Und die Banken spielen inzwischen auch verrückt, da werden Immobilien sogar im Bieterverfahren verkauft“, so der Insider. Selbst Bau-Grundstückspreise von 450 bis 500 Euro seien inzwischen fast normal. „Normale Familien können sich das gar nicht mehr leisten, trotz der geringen Zinssätze.“

Mieten in Greven enorm angezogen

Auch die Mieten für Wohnungen seien inzwischen enorm angestiegen. „Neun bis zehn Euro für den Quadratmeter sind inzwischen bei Neubauwohnungen normal.“ Und auch das können sich natürlich bei weitem nicht alle leisten. Geringverdiener müssen da auf den sozialen Wohnungsbau setzen. Doch auch für diesen Bereich sieht der Insider klare Tendenzen. „Bei den aktuellen Zinsen lohnt sich es für einen Unternehmer nicht, öffentlich geförderten Wohnraum zu schaffen.“

Kaum Baugründstücke auf dem Markt

So oder so, in Greven selbst sind kaum Baugrundstücke auf dem Markt. Die Wöste ist inzwischen fast voll gelaufen. Und auch im letzte Bauabschnitt gibt es nur noch wenige Baugrundstücke. Oder besser gesagt: Es ist eine Frage des Preises. Bei Ebay-Kleinanzeigen kann man sich zum Beispiel um ein 500 Quadratmeter großes Grundstück für eine Doppelhaushälfte bewerben. „Wir freuen uns insbesondere über ein privates Angebot“, heißt es da. Und dort, bei Ebay, sind auch die „solventen Paare“ oder die „jungen Familien“ vertreten, die dringend ein Grundstück suchen.

Aber nicht nur dort. Immobilienmakler Wilfried Roth hat eine lange, lange Liste mit Namen von Bewerbern. „Es kommen jetzt noch rund 30 Baugrundstücke in der Wöste auf den Markt, dafür gibt es bei uns 220 Bewerber“, erklärt er. Und: Er bestätigt die Preise. „Das wird pro Quadratmeter über die 400 Euro-Grenze hinaus gehen“, erklärt er. Er bestätigt: „Die Preise sind tatsächlich auch schon vorher erzielt worden. Und mehr.“

Die enorme Nachfrage habe auch seine Auswirkungen. „Da muss man nur bei Immo-Scout schauen. Da werden Häuser auch von Privat zu Preisen angeboten, die absolut nicht gerechtfertigt sind. Aber auch solche Immobilien werden trotzdem verkauft.“ Es seien eben nicht nur die Makler, die die Preise nach oben treiben. „Da sind auch ganz viele Privatleute, die die Situation nutzen.“

Neues Baugebiet in Greven Stadt nicht geplant

Mitte des Jahres dürften auch die letzten Grundstücke in der Wöste verkauft sein, ein neues Baugebiet ist in Greven Stadt allerdings nicht geplant. Einzig in Reckenfeld gibt es noch Platz für neuen Wohnraum.

Roth spricht aus, was viele immer schon angemahnt haben. „Wir als Stadt müssen entscheiden, ob die Stadt wachsen soll oder ob es das jetzt war.“ Letzteres würde zu wahrscheinlich noch höheren Preisen führen.

Wenn denn ein neues Baugebiet entstehen soll, fragt sich nur wo. Denn das angedachte Baugebiet von der Sportanlage Emsaue bis einschließlich Setex entlang der Umgehungsstraße ist nach der Entscheidung des Unternehmens, den Umzug nach Reckenfeld abzublasen und am Standort zu bleiben, Zukunftsmusik geworden.

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