Verein für leichte Sprache

Sag es mir in kurzen Sätzen

Greven

Der „Verein für leichte Sprache“ der Lebenshilfe setzt sich für ein barrierefreies Verständnis von Texten ein.

Luca Pals

Setzen sich für den Gebrauch von leichter Sprache in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens ein: Insa Lichtenborg, Sylvia Nickel und Nora Linda (v.l.n.r.) Foto: Luca Pals

Die Bewohner von Haus Tobias bekamen Mitte Februar eine karnevalistische Überraschung: Der Verein „Karneval mit Herz“ schaute in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung vorbei – mit zahlreichen bunten Überraschungen und einem Text, der Karneval erklärt. In meist kurzen Sätzen, wenig passiven Verbformen und unter Vermeidung von zum Beispiel Abkürzungen und der Verwendung des Genitivs. Eben in „leichter Sprache“ – für ein barrierefreies Verständnis.

Und damit genau im Sinne des „Vereins für leichte Sprache“ der Lebenshilfe, die ihren Sitz für Greven am Ballenlager hat. Mit dabei ist die 57-Jährige Sylvia Nickel: „Mit der leichten Sprache verstehe ich viele Dinge viel einfacher. Das hilft mir im Alltag sehr.“ Nickel ist sowohl im Beirat der Lebenshilfe als auch als Tandem-Beraterin seit vielen Jahren aktiv.

Ob bei Rezepten, technischen Anleitungen, Hinweisen zu Veranstaltungen oder politischen Wahlprogramme – leichte Sprache könne überall eingesetzt werden, meint Nora Linden aus dem Vorstand der Lebenshilfe: „Bei dem Thema Barrierefreiheit denken viele nur daran, wie die Stadt und einzelne Eingänge für jeden zugänglich gemacht werden. Dabei gehört natürlich auch die Sprache dazu.“ Ihre Kollegin Insa Lichtenborg stimmt zu: „Wenn wir wirkliche Partizipation möchten, müssen alle Zugang zu Informationen bekommen, die sie brauchen.“

Das beste Beispiel sind die bereits angesprochenen politischen Wahlprogramme: „Wenn man die Ziele einzelner Parteien wirklich verständlich für jeden und jede aufschreibt, können sich viel mehr Menschen mit den Inhalten beschäftigen. Dann würden auch mehr Menschen wählen gehen.“

Anstöße für den öffentlichen Auftritt in leichter Sprache gibt es bereits einige: „Es wird immer mehr. Viele haben sich dem Thema schon geöffnet.“ So bastelt die Stadt Greven in ihrem Internetauftritt an einem Verständnis für alle, auch die Bürgermeisterkandidaten besuchten die Lebenshilfe im Wahlkampf 2020: „Politisch ist das Thema schon angekommen.“

Dennoch müssten die Verantwortlichen der Lebenshilfe des Öfteren erklären, was leichte Sprache sei: „Es ist schon vorgekommen, dass wir in den Texten zum Beispiel nach dem Stil korrigiert wurden.“ Deswegen kommt die zusätzliche Erklärung nun zu jedem Text hinzu.

Denn eines ist auch klar: „Es gibt sehr viele Regeln, die beim Verfassen von Texten mit leichten Sprachen berücksichtigt werden müssen. Durch einiges zieht sich der Text in die Länge und kann an der ein oder anderen Stelle ein bisschen holprig wirken“, erklärt Insa Lichtenborg.

Das Vermeiden von Ironie, rhetorischer Mittel, Fragen und Fremdwörtern gehört zum Grundkonzept. Darüber hinaus sollte ein Satz keine Komma besitzen, die einzelnen Wörter sollten nicht zu lang sein und die Nomenauswahl nicht zu sehr variieren. Nickel: „Dazu gehört aber natürlich auch ganz praktisch, die Lebenswelt der Menschen zu berücksichtigen und aus dieser Beispiele zu geben.“ Mit der Zeit würde man immer mehr Verbesserungen finden. Viele kommen auch von Sylvia Nickel. Sie liest die Texte gegen und markiert schwer verständliche Stellen. Es gilt: Man lernt nie aus.

Ein durchaus positives Beispiel sei die Impfkampagne im Zuge der Corona-Pandemie. Lichtenborg: „Da kamen sehr schnell Informationen in leichteren Texten heraus.“

Dass leichte Sprache sinnvoll ist, sind sich alle sicher. Dass sie weiter in die Öffentlichkeit geschoben werden müsse auch: „Es gibt neben Menschen mit Behinderung natürlich auch Menschen mit kulturellen Hintergründen, die davon profitieren und nicht mehr ausgegrenzt werden“, erklärt Nickel im Interview.

Außerdem sei es so, dass „niemandem etwas genommen wird“, aber „viele davon profitieren.“ Weg von einer zu komplexen Satzbaustellung, hin zur „wahren Gleichberechtigung und Teilhabe.“

Barrierefreiheit zu schaffen sei aktuell besonders durch die Corona-Pandemie notwendig. Linden erklärt: „Wir beraten und unterstützen aktuell sehr viel bei der digitalen Teilhabe unserer Nutzerinnen und Nutzer. Damit auch sie bei Zoom-Konferenzen dabei sein können.“

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