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Kreative Anti-Corona-Reaktion im Schmedehausener Ortskern

„Straßenfutter“ hofft auf die Genehmigung

Schmedehausen

Kuchen aus dem Glas, Waffeln aus dem Waffeisen. Jörg Blankenstein und seine Lebensgefährtin Andrea Poleratzki überbrücken die Corona-Krise mit einem kleinen Stand vor der Pension am Dom in Schmedehausen. Was ihnen fehlt: Die dauerhafte Genehmigung von der Stadt.

Günter Benning

In ihrem Garten hat Pensionswirtin Andrea Poleratzki jede Menge weit verstreuter Sitzgelegenheiten. Foto: Günter Benning

Das Schild für seine Geschäftsidee hat Jörg Blankenstein gerade bestellt: „Straßenfutter“, soll darauf stehen, „das Schönwettercafé.“ Jetzt hofft der Koch, der mit seiner Lebensgefährtin Andrea Poleratzki die Pension am Dom im Ortskern von Schmedehausen betreibt, auf die Dauer-Genehmigung von der Stadt.

Seit acht Jahren betreibt das Paar die originelle Pension im Pilgerort Schmedehausen. Innen ein Kuriosum: Jedes Zimmer ist besonders eingerichtet. Bastler Blankenstein konnte seine Kreativität voll ausleben. Außen ist der Garten eine Sammlung von wundersamen kleinen Kunstwerken, Sitznischen und einem liebevoll eingerichteten Bauwagen.

Acht Gäste konnten dort täglich Platz finden. Vor Corona. „Im Augenblick“, sagt Andrea Poleratzki, „können wir nur Monteure unterbringen – und die haben ein kleines Budget.“

Ein Glück, dass sie noch eine halbe Stelle beim Land NRW hat – im Homeoffice. Jörg Blankenstein hat wegen Corona seinen Job als Chef-Caterer des Outdoor-Reiseunternehmens Rucksack-Reisen verloren. „Früher war ich manchmal ein halbes Jahr in Schweden“, sagt er. Derzeit hat er eine Küche in Greven gemietet, um Catering-Aufträge abzuwickeln.

Da kam dem 60-Jährigen die Idee, ein Freiluft-Café in der Einfahrt der Pension zu errichten. Erst wollte er dafür seinen kleinen Wohnwagen umbauen, dann lief ihm ein Nachbar über den Weg: „Jörg, brauchst du einen Weihnachtsmarktstand?“ Er hatte ein Haus gekauft, in dessen Garten sich der 2,50 mal 1,60 Meter große Verkaufsstand befand.

Blankenstein nahm dankend an und installierte ein kleinen Verkaufsstand. In Einmachgläsern verkauft er dort selbst gebackenen Kuchen, es gibt Waffeln und Kaffee. Demnächst, schwebt ihm vor, „gibt es freitags den Futtertach.“ Die Schmedehausener fänden die Idee gut, ist er sicher. Im Oktober hat er seinen Stand bereits ausprobiert – bis der Lockdown kam.

Gebrauchen könnte Schmedehausen die Belebung. Hier passieren zahlreiche Pilger und Radwanderer. Wenn der Radweg am Kanal nach Münster asphaltiert wird, ist sich Andrea Poleratzki sicher, wird es noch mehr werden. Das Café „Giersch & Co“ gegenüber am Domhof hat seit geraumer Zeit geschlossen.

Worauf die Straßenfutter-Macher hoffen: Dass die Stadt eine Dauer-Genehmigung erteilt.

Bisher gab es eine Duldung, berichtet Jörg Blankenstein. Immerhin sei der der Stand vom Gesundheitsamt abgenommen worden. Wolfgang Jung, Pressesprecher der Stadtverwaltung, erklärt am Donnerstag, die Bauordnung prüfe den Fall. Im Gespräch mit Blankenstein war es vorher um Brandschutz, Lärm und Parkplätze gegangen. Der Koch: „Wir haben schon einen Stellplatz von dem ehemaligen Café gegenüber angemietet.“ Ansonsten lebe „Straßenfutter“ von Radlern.

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