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Svetlana Kalugin führt als Maßschneiderin für Damen und Herrn ihr Atelier „Eleganzia“

Viel mehr als Reißverschlüsse

Greven

Schneidern – das liegt bei Svetlana Kalugin in der Familie. In Greven lässt sie ihrer Kreativität an der Nähmaschine freien Lauf.

Pia Weinekötter

Maßschneiderin Svetlana Kalugin entwirft und ändert gerne die Kleidung für ihre Kunden, um ein individuell angepasstes einzigartiges Stück zu erstellen. Foto: Pia Weinekötter

Abendkleider, Etuikleider, das kleine Schwarze, Cocktailkleider, Brautkleider – beim Erzählen bekommt Svetlana Kalugin glänzende Augen. Die Maßschneiderin betreibt an der Emsdettener Straße ihr Schneider-Atelier „Eleganzia“. V

or mehr als zehn Jahren, am 4. November 2010, nahm sie sich ein Herz, kündigte ihren Job als Näherin in Münster und eröffnete hier ihre Schneiderei mit dem prägnanten Logo, der Frau in dem aufwendigen grünen Kleid.

„Das Modell habe ich selbst entworfen und gezeichnet“, erklärt die gelernte Damen- und Herren-Schneiderin und verweist auf ihre grüne Wand, „und zum zehnjährigen Jubiläum habe ich mir das Logo als Holzschnitt anfertigen lassen.“

Aus dem Kaukasus

Auch ihren Firmennamen hat die aus dem Nordkaukasus stammende und seit dem Jahr 2000 in Deutschland lebende Unternehmerin mit Sorgfalt ausgewählt: „Ich hatte mir mehrere Namen überlegt, dann meine Familie und Freunde um ihre Meinung gefragt und die Mehrheit meinte, ‚Eleganzia“ passe am besten zu mir.“

Das Logo der Schneiderei Foto: Pia Weinekötter

„Das Nähen liegt mir im Blut“, erklärt die heute 41-Jährige, „schon meine Oma hat in Russland für unser ganzes Dorf genäht.“

Doch als Svetlana Kalugin ihr Hobby zum Beruf machen wollte, war ihre Mutter erst dagegen: „Ich hatte damals eine Brille und meine Mutter meinte, dass Nähen zu anstrengend für meine Augen wäre, doch ich habe ihr gesagt, dann lerne ich gar keinen Beruf!“

Svetlana Kalugin setzte sich durch und machte eine Ausbildung zur Maßschneiderin für Damen und Herren, die inzwischen auch durch die deutsche Handwerkskammer anerkannt wurde.

Aber was ist nun eigentlich der Unterschied zwischen Maß- und Änderungsschneiderei? „Wir Maßschneider kennen uns auch mit Zuschnitten aus und wissen daher genau, wie ein Kleidungsstück aufgebaut ist“, erläutert Kalugin.

Tränen der Braut

Und dieses Wissen hilft ihr nicht nur enorm beim Entwurf sondern auch beim Ändern eines Modells. So war einmal eine verzweifelt weinende Braut in ihrem Atelier, deren Kleid nicht optimal geändert wurde und einfach nicht saß – eine Woche vor der Hochzeit: „Zum Glück waren die Änderungen nur eingenäht und nicht weggeschnitten, so dass ich alles auftrennen, bügeln und neu nähen konnte – und als das Kleid ein paar Tage später fertig war, weinte die Braut wieder, aber dieses Mal vor Glück.“

Eine große Vielfalt an Garten gehört zur Schneiderei. Foto: Pia Weinekötter

So wurden über die Jahre viele zu Stammkunden der zweifachen Mutter und kommen mit der gesamten Familie von Oma bis Enkel zu ihr. Svetlana Kalugin freut sich immer sehr, wenn sie für ihre Kunden die möglichst perfekte Lösung finden kann: so wird aus einem großen Viskose-Tuch eine neue Lieblingsbluse, durch ein paar unterlegte seitliche Spitzeneinsätze aus einem zu klein gewordenen Kleid eine fast neue Robe und mit ein paar pfiffigen Accessoires aus einem klassischen blauen Blazer ein angesagtes It-Piece.

Und mit gekürzten Hosenbeinen, neuen Reißverschlüssen oder unsichtbar gemachten Löchern haucht sie vielen Stücken ein neues Leben ein.

Sticken als neues Angebot

Als neuen Service bietet sie auch die individuelle Bestickung von Kissenbezügen, Handtüchern oder Kuscheltieren an: „Zu besonderen Feiern oder auch zur Geburt besticke ich die Sachen mit Namen, Datum oder auch Sternzeichen – dafür habe ich extra eine 130 Kilo schwere professionelle Stickmaschine mit 15 Nadeln angeschafft.“

Doch Corona hat einiges verändert: Die Saison beginnt normalerweise im Frühjahr mit den Erstkommunion-, Firm- und Konfirmationskleidern, dann folgen die Schützenfest-Outfits und die Kleidung für die Entlassfeiern. Doch diese Events fallen in Pandemiezeiten aus. Daher arbeitet Svetlana Kalugin vormittags wieder in einem Nähereibetrieb in Münster und ist erst nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr für ihre Eleganzia-Kunden da.

Doch die Frau, die die schönen Kleider liebt und für ihre Kundinnen noch schöner machen möchte, hofft auf das kommende Jahr, wenn dann vielleicht wieder Schützenfestkleider, Entlassfeierkleider und viele Brautkleider von ihr geschneidert und geändert werden können.

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