Energieversorgung der Ortsmitte

Viertel ohne fossile Brennstoffe?

Reckenfeld

Im künftigen Baugebiet Ortsmitte wird es keine Nahwärme-Lösung geben. Auch Blockheizkraftwerke sind vom Tisch. Stattdessen sollen Wärmepumpen die Heizenergie liefern.

Oliver Hengst

Das künftige Baugebiet in der Ortsmitte Foto: Oliver Hengst

Wie werden die Häuser im künftigen Baugebiet Ortsmitte (ehemaliges SCR-Gelände) mit Energie versorgt? Das ist trotz langer und intensiver Debatte Im Bezirksausschuss Reckenfeld noch unklar. FDP und SPD meldeten Beratungsbedarf an, was – wie in solchen Fällen üblich – dazu führte, dass es zunächst keine Abstimmung gab. Deutlich wurde in der Debatte, dass etliche Ausschussmitglieder das von Stadtverwaltung und Stadtwerken erarbeitete Energiekonzept (noch) nicht überzeugend finden.

Dieses Konzept sieht vor, dass auf eine zentrale Wärmeerzeugung verzichtet wird. Heizzentralen, die auf Gas- oder Pellettechnik setzen, sind laut Verwaltungsvorschlag vom Tisch, ebenso eine zentrale Erdwärmelösung. Stattdessen will man den Bauherren vorschreiben, die Häuser gemäß dem KfW55-Standard zu bauen und eine Photovoltaikanlage mit mindestens 1 KwP zu installieren. Der planerische Vorteil des Gebietes sei, so Angela Markowka vom städtischen Fachdienst Stadtentwicklung und Umwelt, dass es sich um städtische Grundstücke handele und man entsprechende Vorgaben in die Kaufverträge aufnehmen könne. Mit den Umwelt-Standards folge man den Empfehlungen der Stadtregion Münster. „Pellet ist für das Gebiet nicht geeignet“, sagte Markowka. Und ein Wärmeverbundsystem mit zwei Blockheizkraftwerken nebst Gas-Brennwertkessel sei „für einen Betreiber nicht sehr attraktiv“. Und deshalb werden die Stadtwerke auch gar keine Gasleitungen ins neue Vierteil verlegen, weil es voraussichtlich keine ausreichende Nachfrage geben wird.

Bliebe theoretisch noch eine zentrale Versorgung mit Erdwärme. Doch dafür, so erläuterte Stadtwerke-Geschäftsführerin Andrea Lüke, seien im Viertel 35 Bohrungen notwendig. „Für diese Bohrungen gibt es im Quartier nicht die Flächen.“ Und stellenweise auf Bebauung zu verzichten, um den Platz zu schaffen, sei „auch nicht der richtige Ansatz.“

Also schlägt die Stadt vor, von einer zentralen Lösung zur Wärmegewinnung abzusehen, so dass Bauherren individuell entscheiden sollen und müssen, welche Technik in ihren Häusern zum Einsatz kommt. Da Gas nicht verfügbar, Öl-Kessel veraltet und Pellet-Lager zu raumgreifend sind, läuft es auf Wärmepumpenlösungen hinaus. Die elektrische Energie, die für diese Technik eingesetzt werden muss, sollen Photovoltaik-Anlagen auf den Hausdächern liefern. Vorgesehen ist eine Mindestleistung von 1 KwP (Kilowatt-Peak). „Das reicht gerade mal für eine Person“, bemängelte Gaby Heinrich vom Reckenfelder Bürgerverein. Auf den Dächern solle „alles installiert werden, was geht“, forderte sie. Eine Kritik, die auch die Politik aufgriff.

Stadtplaner Hinnerk Willenbrink erläuterte, dass man sich bewusst für eine Untergrenze entschieden habe, um Bauherren keine finanzielle Überforderung zuzumuten. „Natürlich könnte man mehr fordern. Wir gehen auch fest davon aus, dass mehr gemacht wird“, sagte Willenbrink. Mit der Untergrenze zwinge man Bauherren im Grunde nur, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Eine flankierende Energieberatung soll Bauwilligen helfen, die für sie beste Lösung zu finden. Auch Angela Markowka geht davon aus, dass kaum jemand nur eine 1-KwP-Anlage installiert. Bis zu 5 KwP seien pro Gebäude möglich.

Für Wilfried Roth (FDP) ist diese Vorgabe deshalb „inkonsequent. Damit erreichen Sie letztlich gar nichts. 1 KwP ist so gut wie nichts.“ Zudem forderte er einen städtischen Zuschuss für Wärmepumpen. „Ich habe den Eindruck, dass das Ganze nicht ganz ausgegoren ist.“ Es seien noch viele Fragen offen.

Für Klaus Schwenken (CDU) kommt Erdwärme als zentrale Wärmequelle im Viertel in Frage. „Warum soll das nicht funktionieren? Ich habe Bedenken, dass nicht alles bedacht worden ist.“ Einige Zahlen sind nach seiner Einschätzung zudem „nicht transparent“. Auch mögliche Konsequenzen künftiger CO-Bepreisung sieht er zu wenig berücksichtigt.

Wolfgang Klaus (SPD) forderte: „Da muss noch ein bisschen was kommen.“ Für die just als bundesweites Ziel ausgegebene Klimaneutralität sei „das vielleicht zu wenig.“ Manfred Zilske (Grüne) forderte, auf jeden Fall „weg von fossilen Brennstoffen“ zu kommen. Genau darauf laufe es hinaus, betonte Willenbrink. Er geht von einer „Wärmepumpen-Siedlung“ aus. Das Viertel werde „all electric“ – also Strom vom Dach, der dann mittels Wärmepumpen (in der Regel Faktor 1:4) in Wärmeenergie umgewandelt wird. Angela Markowka räumte auf Nachfrage ein, dass mit dieser Lösung jedoch keine Klimaneutralität hergestellt werde.

Das Thema soll nun in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Planungsausschuss besprochen werden. Bürgermeister Dietrich Aden mochte auch einen Workshop mit der Politik (so von Roth gefordert) nicht ausschließen.

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