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Vorstand Ansgar Heilker über Online-Kredite, Nullzinspolitik und rekordverdächtige Baupreise

Volksbank fischt in neuen Teichen

Saerbeck

Eigentlich sollte es ein Jubiläumsjahr werden. Ansgar Heilker, Chef der Volksbank Saerbeck - Westerkappeln im Interview über die Aussichten der Bank.

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Plant eine Online-Plattform für private Baufinanzierungen: Volksbankchef Ansgar Heilker. Das Geldinstitut, sagt er, sei auf Wachstumskurs. Wenn das Geschäft weiterhin so gut laufe wie aktuell, müsse über mehr Personal nachgedacht werden. Foto: Katja Niemeyer

Trotz Nullzinsen, rekordverdächtiger Baupreise und Coronakrise – Ansgar Heilker, Chef der Volksbank Westerkappeln-Saerbeck, setzt auf Wachstum. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Katja Niemeyer erläutert er, warum das Geldinstitut hierfür besonders auf das Kreditgeschäft mit gewerblichen Kunden setzt und private Baufinanzierungen künftig per Mausklick im Internet abgeschlossen werden können.

Vor fast auf den Tag genau einem Jahr haben Sie anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Bank das „Jubiläumsjahr“ eingeleitet. Viele Aktionen und Veranstaltungen waren geplant, von denen ein Großteil pandemiebedingt ausfallen musste. So hatten Sie sich das Festjahr wohl nicht vorgestellt.

Heilker: Das ist in der Tat ein bisschen bitter gewesen. Da hat man schon einmal ein großes Jubiläum – und dann haben wir eine Pandemie. . . Im Bioenergiepark hatten wir ein Freiluftevent geplant. Bei der Generalversammlung sollten Künstler auftreten. Wir wollten zum sogenannten Waldbaden und zum Baumwipfelpfad nach Bad Iburg einladen. Es sollte ein Grillfest geben und noch vieles mehr. Eine Verlosungsaktion haben wir hinbekommen. Wie auch besondere Aktionen im Anlage- und im Kreditbereich. Im Herbst soll nun aber im Bioenergiepark auf jeden Fall noch eine große Baum-Pflanzaktion gestartet werden.

Regionalität

Sie haben sich die Themen Regionalität und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. Was steckt hinter dieser Marketingoffensive?

Heilker: Ganz konkret beteiligen wir uns – übrigens als derzeit einzige Bank – an dem Ökoprofit-Projekt des Kreises Steinfurt, bei dem es unter anderem darum geht, Betriebskosten zu senken, einen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz zu leisten und ein Umweltmanagementsystem aufzubauen. Start war im April dieses Jahres. Im Kundengeschäft wird das Thema nachhaltige Geldanlage in den Fokus rücken.

Stichwort Wertpapiere: Steigen Ihre Kunden angesichts niedriger Zinsen und explodierender Baupreise vermehrt auf Aktien um, wenn sie ihr Geld anlegen wollen?

Heilker: Das beobachten wir tatsächlich. Schon im vergangenen Jahr haben wir eine Steigerung beim Wertpapier-Geschäft verzeichnet. In diesem Jahr hat es noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Wir sehen zudem, dass vermehrt junge Menschen einsteigen.

Mehr Inflation

Die Europäische Zentralbank geht davon aus, wie sie kürzlich vermeldet hat, dass die Inflation steigt und wohl die Marke von drei Prozent überschritten wird. Könnte dies ein Ende der Nullzinsen bedeuten?

Heilker: Der Anstieg der Inflationsrate ist nicht überraschend. Die CO2-Steuer, der steigende Ölpreis, die anziehende Nachfrage aufgrund von Nachholeffekten und die boomende Baubranche wirken preistreibend. Ich gehe aber davon aus, dass es sich nur um einen vorübergehenden Effekt handelt. An der Nullzinspolitik der EZB dürfte er zudem nichts ändern.

Seit Jahren steigen die Baupreise. Grundstücke kosten vielerorts so viel wie nie, in Greven werden Preise von weit mehr als 400 Euro aufgerufen. Auch die Baukosten haben ein neues Rekordhoch erreicht. Die niedrigen Zinsen für Baukredite scheinen das nicht zu kompensieren. Wer kann sich den Traum vom Eigenheim überhaupt noch leisten?

Heilker: Ein Eigenheim kostet mittlerweile Minimum 400 000 bis 500 000 Euro. Durchschnittsverdiener können das ohne Weiteres kaum noch aufbringen. Sie müssten entweder ihre Konsumausgaben dauerhaft deutlich senken oder aber sie haben Geld geerbt oder werden zum Beispiel von ihren Eltern finanziell unterstützt. Ein Kreditzins mit einer Null vor dem Komma kann das hohe Preisniveau auch nicht ausgleichen.

Die Kreditnachfrage, die Kerngeschäft Ihres Hauses ist, stagnierte zuletzt. Verleihen sie mittlerweile wieder mehr Geld?

Heilker: Seit Anfang des Jahres boomt die Kreditnachfrage wieder. Im ersten Quartal hatten wir einen Zuwachs von drei Prozent. Und der Trend setzt sich fort.

Mehrfamilienhäuser im Trend

Wofür benötigen die Kreditnehmer das Geld?

Heilker: Viele investieren in Beton, bauen Mehrfamilienhäuser. Erstmals in der Geschichte des Instituts übersteigt das Kreditvolumen gewerblicher Betriebe die Gesamtdarlehen der Privatkunden.

Das müssen Sie erklären.

Heilker: Das ist unsere Strategie. Wir wollen das Kreditgeschäft mit gewerblichen Kunden ausbauen.

Warum?

Heilker: Diese Kredite sind anspruchsvoller, bringen aber auch höhere Renditen. Privatkredite sind zwar solide, aber auch renditearm.

Seit mehr als einem Jahr treibt die Corona-Pandemie sowohl Privatleute als auch Firmenchefs um. Wie kommt nach Ihrer Beobachtung der Mittelstand durch die Krise?

Heilker: Unter unseren Kunden sind viele Landwirte, baunahe Handwerker und Logistiker. Sie sind in der Regel nicht betroffen. Friseure, Gastwirte und die Veranstaltungsbranche haben zwar starke Umsatzeinbußen, sind zugleich aber keine großen Kreditnehmer, so dass wir unterm Strich bislang keine Ausfälle haben.

Keine Überbrückungskredite

Haben Sie coronabedingte Überbrückungskredite vergeben?

Heilker: Nein, derzeit nicht.

Im Jahr 2019 erfolgte die Fusion zwischen den Volksbanken in Saerbeck und Westerkappeln. Durch Synergieeffekte konnte die Effizienz seither gesteigert werden. Die beiden Häuser machen jetzt mit zusammen weniger Mitarbeitern einen größeren Umsatz. Haben Sie vor, noch mehr Personal abzubauen?

Heilker: Nein, aber wir wollen weiter wachsen. Hierfür brauchen wir ohne Frage unsere Mitarbeiter. Und wenn das Geschäft weiterhin so gut läuft wie jetzt, müssen wir über eine Ausweitung des Personals nachdenken.

Wie wollen Sie für mehr Wachstum sorgen?

Heilker: Aktuell sind wir dabei, eine Online-Plattform für private Baufinanzierungen aufzubauen. Der Marktanteil solcher Online-Angebot beträgt bereits 30 Prozent. Das ist ein Teich, in dem wir bislang nicht gefischt haben. Prognosen zufolge wird bis zum Jahr 2025 bereits jeder zweite Kredit online abgewickelt. Von dem Kuchen wollen wir auch etwas abbekommen.

Ende März hat Ihre Vorstandskollegin Anita Kipp das Haus verlassen. Gibt es schon einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin?

Heilker: Derzeit kann ich nur so viel sagen: Die Nachfolgeregelung wurde kurzfristig gesichert. Und: Wir hatten eine große Anzahl von sehr qualifizierten Bewerbungen.

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