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Projekt Marien-Carrée: Knackpunkt geförderter Wohnraum

Wohnen in und neben der Kirche

Greven

Die Pläne für den Umbau der Marienkirche zum Wohnhaus und für die nebenan geplanten Neubauten mit begrüntem Dach fanden allgemeine Zustimmung – aber nicht der Umstand, dass auf eine Vorgabe, 35 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen, verzichtet werden soll.

Oliver Hengst

Die Neubauten erhalten begrünte Dächer und Foto: Peter Bastian Architekten

Die Marienkirche bleibt als Gebäude erhalten, wird aber zum Wohnhaus umgebaut, das zudem vier weitere Wohnhäuser als Nachbarn erhält. Die Kirche sei ein ortsteilprägendes Gebäude. Dass dieses erhalten bleibe, sei „lobenswert“, sagte Stadtplaner Hinnerk Willenbrink, als im Ausschuss für Stadtentwicklung die Pläne vorgestellt wurden. „Nachbarkommunen schauen neidisch auf dieses Projekt.“

Architekt Peter Bastian stellte Details des Projektes vor. Bei der Kirche habe man „entschieden, sie so zu behandeln, als wäre sie unter Denkmalschutz“. Neue Fenster und dezente Gauben sollen den baulichen Charakter kaum verändern. Man wolle die Identität des Gebäudes, auch so etwas wie ein Gedächtnis des Stadtteils, erhalten, erklärte Bastian.

Die größten Veränderungen finden innen statt: Hier entsteht Platz für zwei Wohngruppen (jeweils zwölf Plätze) für Menschen mit Behinderung oder Demenzerkrankung. Dazu sollen zwei neue Geschossdecken eingezogen werden. Im Erdgeschoss entstehen Wohnungen, die Wohngruppen werden in den Obergeschossen untergebracht.

Südlich der Kirche sind vier Neubauten vorgesehen, zwei von ihnen sollen so verbunden werden, dass darin Platz für ein neues Pfarrheim entsteht. Das bisherige Pfarrheim sowie die Bücherei müssen dafür weichen. Insgesamt entstehen so 25 (seniorengerechte) Wohnungen (56 bis 102 Quadratmeter). In der Kirche entstehen insgesamt 1620 Quadratmeter Wohnfläche, in den Neubauten 1675 Quadratmeter. Die Kirche soll laut Bastian verkauft werden, die Neubauten auf Erbpachtbasis erreichtet werden.

Als Knackpunkt erwies sich in der Diskussion im Ausschuss der Umstand, dass es eine Ausnahme von der eigentlich beschlossen Pflicht geben soll, bei Neubauten eine Quote von 35 Prozent gefördertem Wohnraum zu erfüllen. Architekt Peter Bastian betonte, dass man ja schon rund 50 Prozent „Sonder-Wohnform“ in Form von Wohngruppen-Plätzen schaffe. Diese seien im Grunde gefördertem Wohnraum gleichzustellen. Wenn nun auch noch in den Neubauten 35 Prozent geförderter Wohnraum entstehen müsse, sei man bei rund 80 Prozent subventioniertem Wohnraum. „Das geht dann nicht mehr aus.“ Man spreche immerhin über ein frei finanziertes Projekt. Der Umbau der Kirche sei sehr aufwendig. „Das kostet erheblich mehr als einen geförderten Kasten auf die Wiese zu stellen – etwa das doppelte“, sagte Bastian, der ergo dafür warb, bei der Quotierung „die Kirche im Dorf zu lassen“. Man müsse das Projekt als Einheit „Service-Wohnen“ verstehen. Senioren könnten erst in die Wohnungen ziehen, dort auch Serviceleistungen buchen, und bei einer eintretenden Pflegebedürftigkeit in die Kirche ziehen.

Nicht nur für Michael Vers­pohl (Grüne) handelt es sich hingegen um zwei unterschiedliche Projekte, also müsse auch bei den Neubauten die Quotierung gelten. Für Mechthild Hemmen ist schon der Umstand, dass die Kirche verkauft werden soll, der Rest der Fläche aber nicht, ein Beleg dafür, dass es sich um zwei Projekte handelt. Für Moritz Hauschild (Linke) steht außer Frage: „Die 35 Prozent müssen bleiben.“ Siegfried Babin (Reckenfeld direkt) fürchtet: „Wir schließen Leute mit kleinem Geldbeutel aus.“ Auch Dr. Christian Kriegeskotte (SPD) erkundigte sich nach der Möglichkeit, doch eine Quotierung zu realisieren.

Eine solche ist für Eike Brinkhaus (CDU) nicht nötig. Die Kirche und der Investor kämen „ihrer sozialen Verantwortung schon in hohem Maße nach“. Die Plätze in den Wohngruppen seinen „gleichzusetzen mit gefördertem Wohnraum“. Es handele sich um „ein Gesamtkonzept“, argumentierte auch Hinnerk Willenbrink. Die Ausnahme bei der Quotierung sei „gut zu begründen. Wenn wir sie hier nicht anwenden: Wo denn dann?“ Eine Quotierung in den Neubauten drohe die Wohngruppen-Idee, die aus demografischer Sicht hochwillkommen sei, zu torpedieren. Und Bastian ergänzte: „Das ist de facto ein Projekt, das man nicht filetieren kann.“ Man könne sich „alles mögliche wünschen und in das Projekt projizieren, aber es muss auch realisierbar sein.“

Der Ausschuss gab letztlich grünes Licht für den Bebauungsplan, über die Quotierung soll aber später abgestimmt werden. Als nächstes befasst sich der Gestaltungsbeirat mit dem Projekt.

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