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Alltag in Seniorenheimen normalisiert sich nur behutsam

Zwischen Freiheit und Vorsicht

Greven

Langsam und noch vorsichtig, aber doch wahrnehmbar bahnt sich die Normalität wieder den Weg in den Alltag von Senioreneinrichtungen. Dabei gehen die Häuser sehr behutsam vor. Gemeinschaft möglich machen ohne zugleich die Gefahr zu erhöhen – für die Pflegenden ein schwieriger Spagat. Für Besucher gelten weiterhin strenge Sicherheitsmaßnahmen wie Test- und FFP2-Pflicht.

Oliver Hengst

Besucher von Senioreneinrichtungen müssen nach wie vor strikte Hygieneregeln beachten. Die meisten Bewohner sind inzwischen zwar geimpft, dennoch lässt man in den Häusern noch große Vorsicht walten. Foto: Sebastian Gollnow

Gottesdienste, gemeinsames Spielen – „das geht“, sagt Kerstin Kieseler-Apitz, Leiterin des Gertrudenstiftes. Langsam und noch vorsichtig, aber doch wahrnehmbar bahnt sich die Normalität wieder den Weg in den Alltag von Senioreneinrichtungen. „Auf den Wohnbereichen finden Veranstaltungen statt“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Was die Fürsorge und Zuwendung angeht, stünden die Bewohner von Senioreneinrichtungen eigentlich sogar besser da als viele, die allein leben. „Sie haben Kontakte und Austausch“, sagt Kiesler-Apitz über die Gertrudenstiftler. Was man von älteren Menschen, die nicht in einer Senioreneinrichtung leben, nicht immer sagen könne. Es gebe „draußen“ keine öffentlichen Veranstaltungen, Cafés hätten geschlossen, da säßen viele ältere Menschen viel zuhause und seien einsamer als ihre Altersgenossen in Heimen. Dort versucht man alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Pandemie in den Hintergrund treten zu lassen. „In der Betreuung wird alles mögliche gegeben, um dem Corona-Alltag zu entfliehen“, sagt Kieseler-Apitz.

Gleichwohl wolle und müsse man natürlich weiter Vorsicht walten lassen. Besuche von externen Kooperationspartnern – etwa Musikgruppen, Vereinen, Kitas und Schulen – sind zum Beispiel weiterhin komplett tabu. „Das darf laut Coronaschutzverordnung noch nicht wieder stattfinden.“ Hier ist also noch etwas Geduld gefragt.

Und nicht nur hier: Viele traditionelle Veranstaltungen mussten in den letzten Monate ausfallen – und es wird vorerst nur zaghafte Versuche geben, sie wieder aufleben zu lassen. „Veranstaltungen wie die Erdbeer-Woche finden draußen statt“, nennt Kieseler-Apitz ein Beispiel.

Besucher des Hauses müssen weiterhin Sicherheitsmaßnahmen (Händedesinfektion u.ä.) beachten und einen negativen Test vorlegen. Hier sind jedoch Erleichterungen greifbar. Geimpfte oder Covid-Genesene sollen bald jenen mit einem negativen Test gleichgestellt werden, so dass sich Besuche von Angehörigen leichter realisieren lassen.

Auch im CMS-Stift ist man von Normalität noch weit entfernt. Zwar seien die Bewohner inzwischen fast durchgeimpft, aber man habe die Pandemie eben noch nicht hinter sich, betont Hausleiter John Cyrannek. „Wir sind noch nicht durch.“ Zudem gebe es auch immer wieder Bewohner, die neu hinzukommen. „Wir sind insgesamt schon noch sehr vorsichtig“, sagt er. So gebe es mittlerweile zwar kleinere Veranstaltungen wie Waffelbacken und auch Gottesdienste in den Wohnbereichen („Die haben ohnehin Kontakt untereinander“), aber noch nicht wohnbereichsübergreifend. „Wir hatten glücklicherweise noch keinen Corona-Fall“, sagt Cyrannek. So soll es bleiben, daher tastet man sich sehr behutsam vor. Große Veranstaltungen wie Feiern, etwa Karneval oder das Sommerfest, fanden sonst immer im Bistro statt. Darauf wird man vorerst verzichten. Beim Sommerfest etwa, sagt Cyrannek, kämen immer viele Besucher ins Haus, beispielsweise ein Spielmannszug. Das Risiko will aktuell noch niemand eingehen. Dafür ist die Lage noch zu fragil.

Andererseits sei es natürlich auch ein Anliegen, Bewohner nicht zu isolieren. Hier sei jedoch sehr wertvoll, dass wieder Besuche von Angehörigen möglich seien – natürlich weiter unter Wahrung strenger Sicherheitsmaßnahmen wie Test- und FFP2-Pflicht.

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