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Verständigungstreffen ehemaliger Gegner: Bausteine für den Frieden

Bomber-Piloten treffen Flakhelfer

Ladbergen

Der Dortmund-Ems-Kanal war während des Zweiten Weltkriegs ein stark bombardiertes Ziel. So erinnert Willi Riegert in seinem Buch „Heimat unter Bomben“ daran, dass nachgewiesen wurde, „dass in Ladbergen die meisten Bomben pro Quadratmeter im damaligen Deutschen Reich fielen“. Umso bemerkenswerter ist ein Treffen zwischen deutschen Flakhelfern und englischen Bomben-Piloten, das am 23. Mai 1982 in Ladbergen stattgefunden hat. Der Tecklenburger Landbote berichtete.

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Mehrmals berichtete der Tecklenburger Landbote über das Treffen der englischen Piloten der Royal Air Force und der deutschen Flakhelfer, das Ende Mai vor 39 Jahren in Ladbergen stattgefunden hat. Foto: Mareike Stratmann

Der Dortmund-Ems-Kanal war während des Zweiten Weltkriegs ein stark bombardiertes Ziel. So erinnert Willi Riegert in seinem Buch „Heimat unter Bomben“ daran, dass nachgewiesen wurde, „dass in Ladbergen die meisten Bomben pro Quadratmeter im damaligen Deutschen Reich fielen“. Umso bemerkenswerter ist ein Treffen zwischen deutschen Flakhelfern und englischen Bomben-Piloten, das am 23. Mai 1982 in Ladbergen stattgefunden hat. Der Tecklenburger Landbote berichtete:

„Damals, als die 16-jährigen Jungen der vierten schweren 10,5-Zentimeter-Flak, Abteilung 524, auf die britischen Bomber über Ladbergen hielten, hätte wohl keiner von ihnen geglaubt, jemals mit einem Engländer Freundschaft schließen zu können. Gestern reichten sich eben diese ehemaligen Luftwaffenhelfer und die Flieger der Royal Air Force in Ladbergen die Hände. 37 Jahre nach dem Krieg besuchten 18 frühere Schüler der Bosse-Mittelschule aus Bielefeld, die in Ladbergen eingesetzt waren, und sieben englische Flieger der fünften RAF Bomber Group 227, S QDN, gemeinsam die Kampfgebiete. Zwei der Briten waren sogar von den Flakhelfern abgeschossen worden.

Good-will-Treffen, Verständigungstreffen heißt diese Zusammenkunft offiziell. Zum ersten Mal in Deutschland, so vermutete Wilhelm Oermann, der das Treffen organisierte, besuchen sich jetzt zwei Gruppen, die im Zweiten Weltkrieg gegenein­ander gekämpft haben. Sechs Tage sind die Briten Gäste in Bielefeld, von wo aus sie Ausflüge starten. Gestern war ein Besuch in Ladbergen angesetzt.

„Diese Treffen ehemaliger Gegner oder auch überhaupt möglicher Gegner sind nicht nur wünschenswert, sie sind notwendig“. Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Erwin König die Gäste aus England und Bielefeld, nachdem das Jagdhornbläserkorps und der Männergesangverein musikalisch eingeleitet hatten. Wie wichtig und ernst man das Good-will-Treffen nähme, sei daraus zu erkennen, dass er seine Ansprache vom „Affroupestein“ hielt. Von hier habe früher der Bürgermeister zu wichtigen Anlässen Reden gehalten.

Aus eigener Erinnerung sprach Erwin König die Gefühle der damaligen 16-Jährigen an, die „die Geschichte zunächst mehr oder weniger als eine sportliche Abwechselung im eintönigen Schulgeschehen betrachteten“. Dann sei daraus jedoch bitterer Ernst geworden. Als Luftwaffenhelfer in Köln habe er über einen Flaksender erfahren müssen, dass starke Bomberverbände im Anflug auf Heinrich Quelle Fünf – das Planquadrat für Ladbergen – seien. „Dann wusste ich, dass 200 Kilometer weiter bald der Teufel los sein würde“, erinnerte es sich. „Von daher muss man verstehen, und ich bitte besonders unsere britischen Gäste um Verständnis dafür, dass einige Ladberger, die damals Hab und Gut und Familienangehörige verloren haben, diesem Treffen zunächst etwas skeptisch gegenüberstanden.“

Nachdem sich auch Wilhelm Oermann für das Zustandekommen des Treffens bedankt hatte, trugen er und Donald Bennet einen Kranz zum Ehrenmal. „So wie die Nationalfarben auf diesem Kranz vereint sind, so wollen wir uns jetzt bei den Händen fassen, um das nachzuholen, was wir bei den Gefallenen nicht mehr tun können“, forderte Pastor Maurer die Anwesenden auf, der Toten des Krieges zu gedenken.

Anschließend brachen die Gäste zur Besichtigung der früheren Kampfgebiete auf. „Wenn dieses Miststück nicht gewesen wäre, hätten wir unser Leben nicht aufs Spiel setzen brauchen“, meinte ein ehemaliger Luftwaffenhelfer. Er stand genau auf dem Punkt, der vor 37 Jahre das Hauptangriffsziel der Engländer im Ladberger Raum war: der Glane-Durchlass. Hier überfließt der Dortmund-Ems-Kanal – nach der Zerstörung der Bahnlinien im Zweiten Weltkrieg einziger Weg vom Ruhrgebiet nach Mitteldeutschland – das Flüsschen Glane. Und diese Stelle wollten die Engländer treffen, damit der Kanal ausfließe.

„Immer wenn die Schäden vom letzten Angriff repariert worden waren, kamen schon neue Bomber“, erinnerten sich die 50-jährigen Flakhelfer. Sie erzählten es den Briten, die 1945 eben diese Bomben abgeworfen hatten. „Wir hatten damals unseren Job, keiner hat daran gedacht, ob es gut oder schlecht war“, sagt Arnold Maw aus England. Dass er jetzt dieses Gebiet besichtige, sei für ihn eine „große Erfahrung.“

Mit 13 Autos waren die Gäste nach dem Mittagsessen in Möllers Hof zu den ehemals umkämpften Gebieten gefahren. Zuvor hatte Heinz Stork, Geschäftsführer des Heimatvereins, einen geschichtlichen Rückblick auf Ladbergen gegeben und gemeinsam mit Jost Schneider Dias vom alten Dorf und den Ladberger Kriegsschauplätzen gezeigt.

Als Dank für die Gastfreundschaft überreichten die ehemaligen Flakhelfer und die britischen Flieger dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Otto Lagemann, eine selbst verfasste Erinnerung an das Treffen mit allen Unterschriften der Teilnehmer. „Ich bin froh, dass ihr gekommen seid. Nie wieder Krieg“, bedankte sich Otto Lagemann für das Geschenk.

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