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Gastronomen bereiten sich auf Start der Außengastronomie vor

Sie dürfen öffnen, aber . . .

Ladbergen/Lienen

Im Biergarten sitzen und genüsslich ein Getränk zu sich nehmen: Das ist ab Samstag im Kreis Steinfurt wieder erlaubt. Nun allerdings treibt der Blick auf die Wettervorhersagen den Gastwirten die Sorgenfalten ins Gesicht. Lohnt es sich, bei der angekündigten Kälte verbunden mit Wind und Regen die Gastronomie wieder hochzufahren? Und kommen die Gäste auch, wenn sie einen negativen Corona-Test vorhalten müssen? Die WN haben sich umgehört.

Mareike Stratmann

Unter freiem Himmel sitzen und anstoßen: Ab Samstag ist das möglich. Das Wetter allerdings Foto: dpa

Lange war es ein Hoffen auf endlich sinkende Inzidenzzahlen. Nun kommt der bange Blick auf das Wetter hinzu. Denn kraft Gesetzes dürfen Kneipen und Restaurants ab dem morgigen Samstag nach fast sieben Monaten Zwangsruhe den Betrieb ihrer Außengastronomie wieder hochfahren – wenn es denn Sinn macht. So sagt Harald Dierkschneider vom Alten Farmhaus in Lienen: „Wir öffnen, wenn es nicht stürmt und regnet. Alles andere wäre Quatsch.“ Und Elisabeth Dütsch vom „Lilli‘s“ in Ladbergen überlegt angesichts kühler, windiger und teilweise nasser Vorhersagen fürs Wochenende augenzwinkernd, „ob sich die Gäste wohl im Schneeanzug in den Biergarten setzen?“ Öffnen wird sie dennoch. „Wir sind so dankbar, dass es jetzt endlich wieder losgeht.“

Der gestrige Donnerstag war im Kreis Steinfurt der fünfte Tag in Folge mit einer Inzidenz unter 100. Damit tritt die Bundesnotbremse am übernächsten Tag außer Kraft. Passend zum langen Pfingstwochenende. Möchte man meinen. Aber angesichts des Wetters werden längst nicht alle ihren Biergarten öffnen. „Das macht so noch keinen Sinn“, sagt beispielsweise Helmut Gravemeier. Dessen gleichnamige Gaststätte in Kattenvenne will erst am kommenden Donnerstag wieder loslegen. Vorfreude? Erleichterung? „Das ist eine gemischte Gefühlslage“, sagt der Wirt. „Ich weiß nicht, ob es klappt. Normalerweise ist das eine Mischkalkulation aus Biergarten und Gaststätte. Oder so? Wir werden sehen.“ Nichtsdestotrotz ist Helmut Gravemeier froh, dass nach sieben Monaten in der Gaststätte endlich wieder das Licht angeht. „Das war eine sehr ruhige, langweilige, komische Zeit“, sagt er. „Außer der Absagen von Feierlichkeiten war ja nichts.“

Rund neun Kilometer entfernt, bei Harald Dierkschneider in Lienen, war die Situation eine etwas andere. Dort wurde das Essen in der Zwischenzeit außer Haus verkauft. Aber auch der Wirt des Alten Farmhauses sagt: „Wir machen seit 40 Jahren Gastronomie. Zuletzt hatte das damit aber nichts mehr zu tun.“ Er freut sich darauf, jetzt bald wieder am Zapfhahn zu stehen und mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Anfragen hat es in den vergangenen Tagen schon einige gegeben, „aber Reservierungen nehme ich erst am Samstagmittag an. Wenn ich weiß, dass es auch wirklich Sinn macht zu öffnen“, sagt Dierkschneider.

Zuletzt, erzählt der Gastronom, sei er in Schleswig-Holstein gewesen und habe sich angeschaut, wie die Kollegen, die eben schon weiter seien, mit der neuen Situation und den Hygiene-Regeln umgehen. „Das hat super funktioniert“, hat er festgestellt und glaubt, dass das auch in Lienen so ist.

Denn in den Genuss eines frisch Gezapften im Biergarten kommt ab Samstag nur, wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, geimpft oder genesen ist. Zudem müssen Kontaktdaten hinterlassen und die gängigen Hygiene-Standards eingehalten werden. Außerdem gibt es für die Wirte etliches zu beachten: „Wir haben beispielsweise unsere Speisekarten einlaminiert, damit sie nach jedem Gast entsprechend desinfiziert werden können“, gewährt er einen kleinen Einblick.

Auch im „Lilli‘s“ im Ladberger Ortskern bereiten sich Elisabeth Dütsch und ihr Team schon seit Längerem auf den Tag X vor. „Wir haben unseren Biergarten schon vor sechs Wochen wieder aufgebaut. Wir wollten endlich aus dem Winterschlaf kommen und ein Zeichen setzen“, sagt die Restaurant-Inhaberin. Das spielt ihr nun natürlich in die Karten. Das „Lilli‘s“ wird am Samstag ab 15 Uhr zu Kaffee und Kuchen öffnen.

„Wir sind so dankbar, dass es wieder losgeht. Endlich wieder unserer Passion, am Gast zu arbeiten, nachgehen zu können, das ist toll“, sagt sie. Die ersten Reservierungen hat sie bereits entgegengenommen, die Getränke sind geliefert, die Speisekarte ist aufgearbeitet worden. Aktuell werden sämtliche Gläser poliert. Dann kann‘s losgehen. „Und wir hoffen sehr, dass es bald richtig losgeht und wir unsere Gäste auch wieder im Restaurant bewirten dürfen.“ Denn das sagt sie auch: „Es wird Zeit, dass es losgeht. Ein zweites Mal hätten wir das nicht noch mal so lange durchgehalten.“

Wer es dem „Lilli‘s“ in Ladbergen gleichtut, ist die Gaststätte „Up de Birke“ an der Tecklenburger Straße. Euphorie will bei Natalie Schulte-Kötter zwar noch nicht aufkommen, aber auch sie freut sich auf den Start in die Biergarten-Saison am Samstag um 16 Uhr. „Ich freue mich darauf, viele Stammgäste wiederzusehen“, sagt die Gastronomin, fragt sich aber auch: „Ob viele wirklich gewillt sind, für den Besuch im Biergarten extra einen Corona-Test zu machen.“ Sie hat da so ihre Zweifel. In Kombination mit dem prognostizierten kühlen Wetter „will ich mal nicht zu hohe Erwartungen haben“. Froh, dass der Gaststätten-Betrieb wieder hochgefahren wird, ist sie trotzdem. Und der ein oder andere habe bereits angekündigt, beim Neustart nach sieben Monaten dabei sein zu wollen.

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