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Rückblick auf 70 bewegte Jahre Heimatmuseum

Viel Idealismus und Eigenleistung

Ladbergen

„Unser Heimatmuseum ist ein Anziehungspunkt auch für viele Besucher jenseits der Kreisgrenzen“, sagt Heinz Lagemann und verweist auf zehn volle Gästebücher. Tausende Besucher haben das Heimatmuseum in den vergangenen Jahrzehnten besucht – zunächst in der Lönsheide, seit 2002 auf dem Hof Jasper-Hildebrand. In diesen Tagen feiert das Museum, das einen mitnimmt auf eine Zeitreise vergangener Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, 70. Geburtstag.

Mareike Stratmann

Nicht nur auf diesen rund 250 Quadratmetern hat der Heimatverein aus der Vergangenheit Ladbergens eine ganze Menge zusammengetragen: Diethelm Jasper-Hildebrand, Eckhard Kipp und Heinz Lagemann (von links) sind zurecht stolz darauf. Eine Ecke widmet sich dem Handwerk. Foto: Mareike Stratmann

Der imposante Holztisch aus dem Jahr 1648, das alte Schrankbett von 1844, Alltagsgegenstände, Werkzeuge und Maschinen längst vergangener Zeiten: Wer das Heimatmuseum auf dem Hof Jasper-Hildebrand besucht, taucht ein in das Ladberger Leben vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. Und wer Hausherr Diethelm Jasper-Hildebrand, den Vorsitzenden des Heimatvereins, Heinz Lagemann, und dessen Stellvertreter Eckhard Kipp zuhört, merkt, wie Geschichte in diesem Moment lebendig wird. Denn, wie sagen die drei beim Besuch der WN Am Aabach 9: „Jedes Teil hier hat seine eigene Geschichte.“ Dabei hat das Heimatmuseum selbst eine interessante Vergangenheit – und dessen Eröffnung jährt sich dieser Tage zum 70. Mal.

Am 20. Mai 1951 wurde das Museum in der Lönsheide mit einem zweitägigen rauschenden Fest eingeweiht. In zwei kleinen Räumen einer Behelfsunterkunft, wie Heinz Lagemann erzählt. Im Jahr zuvor hatte Ladbergen sein 1000-jähriges Bestehen gefeiert, und aus diesem Anlass hatte der damals noch junge Heimatverein eine heimatkundliche Ausstellung in der Dorfschule auf die Beine gestellt. Doch wohin damit im Anschluss an die Feierlichkeiten? Nach einigem Hin und Her wurde man in der Lönsheide fündig – auch wenn der Platz schon bald knapp wurde.

So wurde bereits 1952 der Hühnerstall zum Kaminzimmer umfunktioniert, 1953 ein Speicher vom Hof Lagemann an das Fachwerkgebäude angesetzt. Eine Bleichhütte vom Hof Snetkamp-Ferlemann wurde ebenso in die Lönsheide gebracht wie das Spritzenhaus aus Hölter. „Das ist uns 1962 überlassen worden – mit der Handdruckspritze von 1889“, wie Lagemann mit Stolz sagt. Die Zahl der Exponate wuchs kontinuierlich. Das Heimatmuseum erfreute sich großer Beliebtheit. Viele Besucher kamen. „Auch für Gäste jenseits der Kreisgrenzen war es ein Anziehungspunkt“, wie der Vorsitzende des Heimatvereins sagt und auf „mindestens zehn volle Gästebücher“ verweist, die der Verein aufbewahrt.

Aber es gab auch ein Problem: Nachdem August Lagemann, Besitzer des Gebäudes, verstorben war, herrschte unter den Erben Uneinigkeit darüber, wie es mit dem Gebäude weitergehen sollte. Der Verein, der sich seither rührig um sein Museum kümmerte, wurde aktiv. Aber: Das 50-jährige Bestehen 2001 konnte noch an Ort und Stelle gefeiert werden. „Da war eine ganze Menge los“, blickt der Vorsitzende des Heimatvereins zurück.

Nach einigen Überlegungen saßen Heinz Lagemann, Ingo Kielmann und Gustav Kötterjohann im Herbst des Jubiläumsjahres schließlich bei Diethelm Jasper-Hildebrand im Wohnzimmer und machten Nägel mit Köpfen. Das Heimatmuseum sollte wenige hundert Meter entfernt im etwa 250 Quadratmeter großen Stallgebäude des Hofes eine neue Heimat finden. Die Umbaumaßnahmen starteten im März 2002.

Ein halbes Jahr später erfolgte der Umzug. An den, wie Heinz Lagemann und Eckhard Kipp heute sagen, „idealen Standort“. Und wieder wurde gefeiert: Am 3. Oktober, so blicken die drei zurück, seien 1800 Gäste zur Einweihung gekommen. Und die Ausstellung wurde größer und größer.

2005 wurde die Bleichhütte an den Aabach geholt. Außerdem überließ die evangelische Kirche dem Heimatverein eine der ausgedienten Stahlglocken. Ein Glockenstuhl wurde gezimmert – und neben die eine Glocke gesellten sich zwei weitere. „Und dann ging‘s im Drei-Jahres-Rhythmus weiter“, schmunzelt Lagemann, als er die weitere Entwicklung skizziert.

2008 wurde das Areal in der Lönsheide verkauft, das Spritzenhaus wurde mitsamt der alten Handdruckspritze zum Heimatmuseum versetzt. Fotos künden von der beeindruckenden Aktion, bei der das Ständerwerk in Gänze an seinen heutigen Standort bewegt wurde. Anschließend wurde neu aufgemauert – „und eine schöne Fete mit der Feuerwehr gefeiert“. Die Ehrenabteilung kümmert sich noch heute um das historische Gerät.

2011 wurde die Museumsscheune eröffnet, in der heute gut 50 historische Erntemaschinen und ein stattlicher landwirtschaftlicher Fuhrpark an das Leben und Arbeiten vergangener Tage erinnern. Seit 2014 komplette ein Göbel seitlich der Scheune die imposante Sammlung. „Das ist ein Stück Kultur, ein Stück Heimat – ein Stück Ladbergen“, sagt Heinz Lagemann beim Rundgang durch die Ausstellung.

Wie viele Exponate der Heimatverein heute beheimatet? Achselzucken bei allen Beteiligten. „Tausende“, sagt Eckhard Kipp. „Und etwa einmal in der Woche wird uns etwas angeboten“, fügt Diethelm Jasper-Hildebrand hinzu, sagt aber auch: „Es gibt nur ganz wenig, was wir nicht haben.“

Vor allem aber gibt es fleißige Heimatfreunde, die sich seither um ihr Museum kümmern. „Auf dass es noch lange, lange so weitergeht“, sagt Heinz Lagemann. Und: „Wir sind schon stolz, dass wir das mit ganz viel Idealismus und Eigenleistung gestemmt bekommen.“

Wer das Heimatmuseum besichtigen möchte, kann sich bei Familie Jasper,  05485/1408, melden. Weitere Informationen unter: www.jasper-hildebrand.de

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