Lengericher Gastronomen in der Corona-Pandemie

Warten auf den Neustart

Lengerich

Die Gastronomie-Branche gehört zu jenen Bereichen der Wirtschaft, die von der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen besonders hart betroffen ist. Die WN haben sich in Lengerich beim Römer, beim Centralhof und beim Restaurant Hinterding umgehört, wie dort die Situation beurteilt wird und wie die Gefühlslage angesichts der nach wie vor ungewissen Zukunft ist.

Paul Meyer zu Brickwedde

Die Tische am Römer sind derzeit noch gestapelt. Wirtin Monika Geppert kündigt an, wieder öffnen zu wollen, sobald das erlaubt ist. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Monika Geppert bringt ihre Gefühlslage mit wenigen Worten auf den Punkt. „Ich vermisse die Gäste, und ich will was machen“, sagt die Wirtin vom Römer. Die Gastronomie-Branche gehört zu den Bereichen der Wirtschaft, die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen worden ist. Darüber gesprochen haben die WN mit Monika Geppert und zwei ihrer Berufskollegen aus Lengerich. Die gute Nachricht: Keiner von ihnen denkt ans Aufhören. Doch offenkundig ist auch, dass die Ungewissheit und das Warten darauf, dass endlich wieder etwas geht, an den Nerven zerrt.

Nachdem in den sogenannten Modellregionen in Schleswig-Holstein zumindest Außengastronomie wieder möglich ist, kündigen nach und nach weitere Bundesländer ebenfalls Lockerungen an. Ob ihm solche Schritte auch helfen würden, geht eine Frage an Josef Merschformann. Seit über 35 Jahren ist der Centralhof sein Arbeitsplatz. Dessen Lage direkt an der Lienener Straße biete sich nicht gerade an, um Gäste im Freien zu bewirten, räumt Merschformann offen ein. Und deshalb werde er darauf verzichten, auch wenn das möglich werden sollte. Auch das Außer-Haus-Geschäft und der Partyservice seien keine entscheidenden Standbeine, um die Krise zu überstehen. Viel wichtiger, so der Gastronom, sei der TV Hohne. Der hat im Centralhof Räume angemietet. „Gott sei Dank“, so Josef Merschformann.

Drei Dinge benennt Klaus Weingartz als Bausteine, die dem Restaurant Hinterding durch die langwierige Pandemie-Zeit helfen: die finanzielle Unterstützung des Staates, die Tatsache, dass man ein kleiner, „schlanker“ Betrieb sei, und das „finanzielle Speckpolster“, das man sich vor Corona habe erarbeiten können. Weingartz, der im Hinterding am Herd steht, erzählt, dass es zu Beginn der Corona-Zeit viel Solidarität gegeben habe. Doch das sei abgeflacht, was sich unter anderem bei den Außer-Haus-Bestellungen bemerkbar gemacht habe. „Die Zeit von Januar bis März war eine Katastrophe.“ Fest steht: Sollte Außengastronomie erlaubt werden, wird im Hinterding wieder aufgetischt. 2020 habe sich das „sehr gelohnt“, sagt der Koch.

Auch Monika Geppert kündigt an, mit ihrem Team sofort wieder an den Start gehen zu wollen, wenn für die Gastronomie irgendetwas möglich gemacht wird. Sie freut sich, dass die Mitarbeiter auf jeden Fall in der Mehrzahl und vielleicht sogar komplett an Bord geblieben sind. Das sei mancherorts anders, weil die finanzielle Not das Personal einfach in andere Branchen getrieben habe.

Aufräumen, eine neue Speisekarte erstellen, die Folgen eines Rohrbruchs beseitigen – es habe in der Zwischenzeit zwar einiges zu tun gegeben, berichtet die Wirtin. Dennoch sei es ihr mittlerweile „zu langweilig“. Sie glaube, sagt Monika Geppert, dass Ende Mai/Anfang Juni in der Küche und am Zapfhahn wieder etwas passiert. Dass die Gäste dann auch kommen, steht für sie außer Frage. Sie habe mit vielen telefoniert und manche Whatsapp-Nachricht erhalten; der Tenor sei gewesen: „Wir lassen dich nicht im Stich.“

Dass Corona die schlimmste Phase während seiner Berufslaufbahn gewesen, will Josef Merschformann nicht sagen. „Dafür habe ich schon zu viel erlebt“, verweist er beispielhaft auf eine Insolvenz. Aber es sei „ganz sicher die deprimierendste Zeit“. Er verstehe sich als Gastgeber, „das bin ich einfach gerne“, und als solcher sei es einfach traurig, wenn keine Geburtstage und Taufen gefeiert würden, wenn sich niemand über ein gutes Essen oder auch einen schön dekorierten Tisch freue. Doch wann er für Gesellschaften wieder Saalbetrieb bieten kann? Merschformann weiß es nicht. Eine Ungewissheit, mit der er wahrscheinlich noch einige Zeit wird leben müssen.

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