1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Metelen
  6. >
  7. Auf der Spur der Kippen

  8. >

Private Sammelaktion

Auf der Spur der Kippen

Metelen

Bernhard Herdering liegt die Umwelt am Herzen. Deshalb sammelt er bei Spaziergängen auf dem Vechtepättchen weggeworfene Zigarettenkippen ein. Auf seiner 1,5 Kilometer langen Spazierstrecke waren das von Ostern bis Ende April etwa 800 Stück.

Dieter Huge sive Huwe

Diese Zigarettenkippen hat Bernhard Herdering innerhalb weniger Wochen auf dem Vechtepättchen gesammelt. Foto: Bernhard Herdering

Schon das Foto allein genügt, um als Appetitblocker zu dienen. Vergammelte Zigarettenkippen sammeln sich in einer Unterschale für Blumentöpfe. Sie sind das Resultat einer Sammelaktion des Meteleners Bernhard Herdering. Allein von Ostern bis Ende April hat er auf seinem täglichen Weg vom Eigenheim am Friedhof über das Mühlengelände hinweg und dann entlang der Vechte bis hin zur Walkenmühlenbrücke 800 Zigarettenstummel gesammelt, wie er berichtet: „Dabei umfasst die Wegstrecke lediglich 1500 Meter.“

Zigarettenkippen sind schädlich für die Umwelt

Herdering liebt das Vechtepättchen, das an den schönsten Aussichten Metelens vorbeiführt. Doch trüben die achtlos weggeworfenen Kippen täglich seine Freunde am Spaziergang. Gerade jetzt im Frühling und vor den anstehenden Sommermonaten ist der beliebte Weg auch der Ort, an dem Raucher immer wieder ihre Fluppen-Reste unbedacht entsorgen. „Dabei muss das doch nicht sein. Es ist doch ganz leicht, eine kleine Blechdose mitzunehmen. Die gibt es doch schon in so kleinen Größen, dass sie in jede Tasche passen. Außerdem gibt es am Weg Abfallbehälter“, wünscht sich der Metelener mehr Umsicht der Raucher.

Für Herdering sind die Zigarettenkippen aber nicht nur ein ästhetisches Problem. Der Metelener hat recherchiert, was die rauchenden Zeitgenossen da überhaupt in die Natur werfen. „Zigarettenkippen sind schädlich für die Umwelt“, berichtet er von tausenden Giftstoffen, die in den Stummeln stecken. „Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe“, listet er auf. Ein Chemiebaukasten mit Potenzial, die Umwelt zu belasten. „Und natürlich Nikotin. Das ist ein Nervengift. Aus den Filtern ausgewaschen landet es letztlich im Gewässer und irgendwann im Meer“, zeigt Herdering auf, dass die achtlos fortgeworfene Fluppen-Kippe eben alles andere als harmlos ist.

Auch die Filter sind ein Problem

Doch nicht nur die Inhalte, auch die Filter selber seien ein Problem. „Es dauert Jahrzehnte, bis diese sich zersetzen“, recherchierte Herdering. Fische und andere im Wasser lebende Tiere verwechseln die kleinen Partikel mit Nahrung und erkranken daran. Nicht zuletzt sei auch die Vogelwelt betroffen. Dass auch der Mensch potenziell gefährdet ist, zeigt der Metelener ebenfalls auf: Die Inhaltsstoffe der Kippen belasteten das Grundwasser und gelangten gesundheitsgefährdend letztlich in die Nahrungskette. Herdering fand heraus, dass jede einzelne Kippe das Potenzial hat, bis zu 40 Liter Trinkwasser zu verseuchen.

Herdering will deshalb weiter sammeln, rechnet hoch, dass bis zum Ende des Sommers bis zu 6000 Kippen zusammenkommen. Doch bei seinem privaten Engagement belässt er es nicht. Als Beauftragter der Senioren-Union will er darauf drängen, dass am Vechtepättchen plakative Hinweise aufgestellt werden, die auf die potenziellen Gefahren durch die Glimmstängel-Reste hinweisen.

„Das Kippenproblem ist für viele Bürger ein Ärgernis“, so Herdering, nicht nur am Vechtepättchen, sondern auch auf Gehwegen, in Rinnsteinen und Parkplätzen. Er wünscht sich, dass nach Corona auch die Veranstalter von Feiern auf die richtige Entsorgung der Kippen achten.

Startseite