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Lena Bröder über ihre Zeit als Miss Germany

„Das war eine Schule fürs Leben“

Nordwalde

Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Lena Bröder im Europapark Rust zur Miss Germany gekürt wurde. Es war ein Wendepunkt in ihrem Leben, sagt die 31-Jährige heute. Die Welt des Glitzers und Glamours hat sie weitgehend hinter sich gelassen. Ihr Alltag findet in einer Schule in Niedersachsen statt.

Vera Szybalski

Lena Bröder ist 2016 zur Miss Germany gekürt worden. In dem Jahr traf sie auch Papst Franziskus. Danach ist sie in ihren Beruf als Lehrerin zurückgekehrt Foto: Dustin Jobst/dpa (2)

Lena Bröders Bühne ist heute wieder das Klassenzimmer. Fünf Jahre, nachdem sie zur Miss Germany gekürt wurde, arbeitet die 31-Jährige als Lehrerin an einer Oberschule in Niedersachsen. Unterricht in Wirtschaft, Technik, Gestaltendes Werken und Hauswirtschaft, das ist der Alltag von Bröder.

Damit ist die ehemalige Nordwalderin zurück in dem Job, den sie anstrebte, bevor sich 2016 die Welt des Glitzers und Glamours für sie öffnete. Im Europapark Rust setzte sich Bröder damals bei der Wahl zur Miss Germany gegen 23 Konkurrentinnen durch. Die nächsten zwölf Monate standen Galas, Fernseh-Auftritte und Pressetermine in ihrem Terminkalender.

Durchweg positive Erfahrungen

Bröder traf Prominente wie Günther Jauch und Guido Maria Kretschmer, schrieb ihre Autobiografie „Das Schöne in mir – Mit Glaube zum Erfolg“ und schüttelte bei einem Besuch in Rom Papst Franziskus die Hand. Um die 200 Veranstaltungen seien es gewesen, schätzt Bröder. In ihrem Referendariat an der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck nahm sie sich für das Jahr eine Auszeit.

Wenn Lena Bröder heute auf ihre Zeit als Miss Germany zurückblickt, dann mit einem guten Gefühl: „Ich habe durchweg positive Erinnerungen.“ Die Wahl habe ihr Türen geöffnet, sie habe sich persönlich unheimlich entwickelt und viele Menschen kennengelernt, auch unter den Miss-Anwärterinnen hat sie neue Freundinnen gefunden. „Ich möchte die Zeit nicht missen“, sagt Bröder. „Das war eine Schule fürs Leben.“

Lena Bröder

Kurz vor ihrem Abitur begann sie, an Miss-Wahlen teilzunehmen. Sechs Jahre lang arbeitete die gebürtige Göttingerin auf den Titel hin. „Es war schon ein Riesentraum, überhaupt ins Finale zu kommen“, erinnert sich Bröder, die zu der Zeit in Nordwalde lebte. Sie hat in dem einen Jahr ihrer Amtszeit viele Sonnenseiten erlebt. Mit dem Glauben hat die katholische Religionslehrerin währenddessen auch ein eigenes Thema gesetzt. Die Schattenseiten blieben aber nicht aus. „Es gibt immer Neider“, sagt Lena Bröder. „Leute, die sich in den Sozialen Medien den Frust von der Seele reden und meinen mit zu stänkern.“ Es habe ein bisschen gedauert, bis sie damit klar gekommen sei.

Nach einem Jahr musste Lena Bröder die Krone an die nächste Miss Germany weiterreichen. „Alle haben mich gewarnt, dass man dann in ein Loch fällt“, erinnert sich die 31-Jährige. „Das ist tatsächlich so gekommen. Wenn auch nicht direkt danach.“ Zehn Tage, nachdem sie ihre Krone abgegeben hatte, kehrte Bröder ins Referendariat zurück. Das Jahr 2017 sei extrem gewesen. „Ich hatte das Gefühl, ich muss entscheiden. Ich wollte mein Referendariat zu Ende machen“, sagt Bröder. Auf der anderen Seite war die Glitzerwelt, in die sie gerade ein Jahr lang reingeschnuppert hatte. „Ich muss sagen, diese Welt ist auch sehr verlockend.“

Neben dem beruflichen Zwiespalt änderte sich einiges in ihrem Privatleben. „Ich wusste gar nicht mehr, wer ich sein und was ich tun will“, sagt Lena Bröder, die 2017 nach Laer zog. Es war eine schwierige Situation, in der sie schließlich Vernunft walten ließ. Sie beendete ihr Referendariat und bewarb sich auf Vertretungsstellen, um herauszufinden, ob der Lehrerjob ihre Zukunft ist. Der frische Wind durch die neue Schule und die neuen Kolleginnen und Kollgen, „der tat mir unglaublich gut“, sagt Bröder. „Der Druck war weg.“ Anders als im Referendariat stand sie nicht mehr ständig unter Beobachtung.

Wie verlockend ist die Welt des Glitzers und Glamours heute noch? „Die liegt hinter mir“, sagt Lena Bröder. Bis 2019 war sie ein Stück weit noch ein Teil dieser Welt, dann kam Corona. Was nach der Pandemie ist, weiß keiner. Ihren Lebensmittelpunkt verlegte sie im August vergangenen Jahres der Liebe und der Familie wegen vom Kreis Steinfurt in die Nähe von Nienburg.

Job als Moderatorin?

Bereut hat sie nie, an der Wahl zur Miss Germany teilgenommen zu haben: „Ich habe das Jahr gelebt und geliebt“, sagt Bröder. „Ich würde das jetzt gerne noch mal machen, mit der Lebenserfahrung, die ich habe.“ Was sie sich vorstellen könnte, wäre ein Job als Moderatorin, vielleicht auch mal bei einem kleineren Event. „Wenn sich durch Zufall etwas ergibt, wäre das schön. Aber das ist kein Muss“, sagt Bröder. Denn es bleibt ja noch die andere Bühne in einem Klassenzimmer in der Nähe von Nienburg.

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