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Nordwalder Logopädinnen behandeln seit mehr als 14 Monaten unter Corona-Bedingungen

Maske darf kurz abgesetzt werden

Nordwalde

Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen sowohl die Logopäden als auch ihre Patienten während der Therapiesitzungen in der Praxis, bei Hausbesuchen oder an anderen Einsatzorten die Hygieneregeln einhalten. Lena Dankau und Anke Bilstein, Logopädinnen aus Nordwalde, hoffen darauf, dass bald die Maskenpflicht für ältere Kinder und Erwachsene gelockert wird, um ihren emotionalen Zustand deuten zu können.

Matthias Lehmkuhl

Die Logopädinnen und ihre Patienten, wie hier im Therapieteam Nordwalde, haben während ihrer Therapiesitzungen immer Schutzmasken auf, die sie nur für kurze Zeit absetzen. Foto:

Sprache begleitet uns Menschen täglich. Gesprochen, gelesen, am Telefon oder in den Medien. Mit Sprache verständigen wir uns und treten in Kontakt. Sollten Einschränkungen oder Probleme im Bereich der Sprache, des Sprechens, der Stimmproduktion oder aber des Schluckaktes auftreten, kommen Logopäden ins Spiel. Die Aufgabe von Logopädinnen und Logopäden ist es, durch gezielte Behandlung die Kommunikationsfähigkeit von Patienten aller Altersstufen zu verbessern oder wiederherzustellen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen sowohl die Logopäden als auch ihre Patienten während der Therapiesitzungen in der Praxis, während der Hausbesuche oder an anderen Einsatzorten die rigiden Hygieneregeln einhalten. Therapiert werden in der Regel Kinder ab drei Jahren, aber auch Seniorinnen und Senioren, deren Sprache beispielsweise durch einen Schlaganfall oder einen Unfall beeinträchtigt ist.

„Zuerst haben wir überlegt, die durchsichtigen Plastikvisiere aufzusetzen. Doch weil viele Experten vor den darunter angesammelten Aerosolen warnen, haben wir uns für die FFP2-Maske und das Aufstellen einer durchsichtigen Spuckschutzwand entschieden“, schildert Lena Dankau, selbstständige Logopädin und Mitglied der Praxisgemeinschaft an der Kirche in Nordwalde.

Ein Plastikvisier hätte den Vorteil, dass Übungen zur Verbesserung der Artikulation, der Atmung und Stimmgebung sowie des Sprechflusses vom Patienten besser beobachtet werden könnten. „Aber es hat sich in den vergangenen 14 Monaten gezeigt, dass das periodische Absetzen der Schutzmaske für kurze Zeit bei der Therapie hilft“, beton die 33 Jahre alte Logopädin. Das ist für das Demonstrieren einer Artikulationsposition vonnöten.

Auch die Patienten dürfen für einen kurzen Blick auf das Mundbild die Maske abnehmen oder dann, wenn das Maske-Tragen während der Therapie nicht immer möglich ist wie etwa bei einer Schlucktherapie oder der Nahrungsaufnahme.

In der Regel gehören laut Deutschem Bundesverband für Logopädie Sprachentwicklungsstörungen von Kindern im Alter von drei bis vier Jahren zu den Diagnosen, die von Logopäden behandelt werden. Dabei werden erst einzelne Wörter, dann kurze Sätze angewendet. Sprechen und Sprachverständnis entwickeln sich bei Kindern nach einem bestimmten Schema.

Die einzelnen Schritte werden dabei innerhalb einer gewissen Zeitspanne vollzogen. Dieser Prozess läuft bei einer Sprachentwicklungsstörung verzögert ab. Außerdem besteht bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen ein erhöhtes Risiko einer Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Bekanntestes Beispiel für eine Artikulationsstörung ist das Lispeln. Dabei haben die Kinder Schwierigkeiten, das S auszusprechen. Die für die Störung charakteristischen Lautfehlbildungen können aber auch andere Laute betreffen. Lispeln geht häufig mit einer Schwäche der Muskulatur im Mundbereich einher.

Deshalb tritt es öfter gemeinsam mit einem abweichenden Schluckmuster bei den Kindern auf. Bei älteren Patienten treten häufig Symptome einer Stimmstörung auf, die sich über eine heisere, raue Stimme bis hin zum Stimmausfall zu erkennen ist.

„Zu Anfang der Corona-Pandemie hatten einige unserer Patienten Angst, zu uns zu kommen und sich anzustecken“, sagt Anke Bilstein, Logopädin im Therapieteam Nordwalde. Die 30 Jahre alte Therapeutin unterstreicht, dass jeden Tag ein Coronatest durchgeführt wird. „Die Patienten brauchen allerdings keinen“, so Anke Bilstein und ergänzt: „Während der Hausbesuche sorgen wir dafür, dass der Abstand eingehalten wird und der Raum gut durchlüftet wird.“

Kinder bis zum sechsten Lebensjahr müssen während der Therapie keine Schutzmaske tragen. Kinder von sechs bis 14 Jahren sind in Nordrhein-Westfalen von der Pflicht, medizinische Masken zu tragen, nur dann ausgenommen, wenn diese bei ihnen nicht gut sitzen. Sie dürfen dann ersatzweise eine Alltagsmaske tragen.

„Das Maskentragen von Patienten ist für uns Therapeuten keiner schöner Zustand. Wir haben Probleme mit ihnen zu kommunizieren und die Körpersprache zu identifizieren. Es ist sehr schwierig zu erkennen, ob der Patient zufrieden, glücklich, oder traurig ist oder einen schlechten Tag hat“, ist Logopädin Lena Dankau nicht glücklich über den aktuellen coronabedingten Zustand.

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