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Nachfrage nach Hunden ist in Corona-Zeiten gestiegen

Probleme könnten später kommen

Nordwalde

Die Corona-Pandemie nutzen manche Menschen, um sich einen Hund anzuschaffen. Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Doch was passiert, wenn die Pandemie vorbei und weniger Zeit vorhanden ist? Im Tierheim blickt man mit einer gewissen Sorge auf die Nach-Corona-Zeit.

Sigrid Terstegge

Maggy hat sich schon in den Koffer gepackt, bereit für den Urlaub. Leider ist es nicht so einfach. Wer sich in der Pandemie einen Hund angeschafft hat, muss sich damit beschäftigen, wie es in Nach-Corona-Zeiten weitergeht, wenn Urlaub ansteht oder der Spaziergang zwischendurch nach der Rückkehr ins Büro nicht mal eben möglich ist. Foto: Sigrid Terstegge

Dem einen oder anderen dürfte es schon aufgefallen sein – in der Nachbarschaft hat es Zuwachs gegeben. Allerdings benötigt das neue Familienmitglied keinen Kinderwagen, sondern eher Quietschspielzeug und Kauknochen aus getrockneter Rinderhaut. Benny, Luna, Blacky oder Smilla heißen die Vierbeiner, die da durch den Garten toben und Spaß haben.

Unter altgedienten Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern, die jeden Tag bei Wind und Wetter mit den Tieren ihre Runden drehen, hat es sich schon herumgesprochen, dass viele „Neue“ unterwegs sind. Man kennt sich schließlich. Natürlich ist die erste Frage immer, wie alt denn der oder die „Neue“ ist. Oft sind es erst wenige Monate. Und für viele Menschen ist es auch der erste Hund.

Nachfrage ist enorm gestiegen

„Also in Nordwalde haben wir so etwa 800 Hunde angemeldet“, sagt Stefan Eggert von der Stelle Steuern und Abgaben der Gemeinde. Das sei eigentlich der normale Durchschnitt von etwa zehn Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner einer Gemeinde. Dass wegen Corona mehr Hunde als normal angemeldet würden, könne er nicht direkt bestätigen.

In den Hundesportvereinen, die zuletzt wegen Corona nicht öffnen durften, sieht man da schon einen Zusammenhang. „Wir haben Anfragen von frischgebackenen Hundebesitzern, die gerne kommen würden, da Kontakt mit anderen Hunden gerade für Welpen besonders wichtig ist“, schildert Birgit Laubrock von „Hund­Art“. Das erzählt auch Claudia Lüpkes vom „Hundesportverein Nordwalde“.

Als Züchterin weiß sie ebenfalls, dass die Nachfrage nach Hunden enorm gestiegen ist: „Auf einen Welpen sind bei einer Bekannten tatsächlich 200 Anfragen gekommen.“ Die größeren Probleme könnten sich allerdings ergeben, wenn nach Corona das Homeoffice beendet wird, Herrchen und Frauchen nicht mehr so viel Zeit haben und der Hund länger alleine zu Hause bleiben muss.

Ellen Stegemann

Es ist zwar schön, wenn einem so ein kuscheliger Hund zu Hause Gesellschaft leistet, aber nicht alles ist Gold, was glänzt. So ein Tier kann mal einen empfindlichen Magen oder als Senior eine schwache Blase haben. Da ist man entweder froh, wenn man mitten in der Nacht einen direkten Zugang zum Garten hinter dem Haus hat, oder man findet einen Spaziergang mit Vierbeiner im Bademantel auf der Straße angenehm.

Was ist, wenn dann doch wieder Urlaub möglich ist und gebucht werden kann? Längst nicht überall ist der beste Freund des Menschen erwünscht. Der Flug nach Mallorca im Gepäckraum des Fliegers ist für einen Hund auch nicht gerade stressfrei. Dann lieber ein Aufenthalt in einer Hundepension. Die Zusatzkosten von 15 bis 25 Euro pro Nacht sollten ebenfalls bedacht werden.

Betreuungsservice anbieten

In den Tierheimen herrscht daher schon eine gewisse Angst vor der Nach-Corona-Zeit. So auch im Tierheim „Rote Erde“ in Neuenkirchen. Betreiber ist der Tierschutzverein Rheine und Umgebung. „Unsere Befürchtungen werden ebenso vom Deutschen Tierschutzbund geteilt“, erläuterte Geschäftsführerin Ellen Stegemann. Zwar würden Tierheim und seriöse Züchterinnen und Züchter Hunde zurücknehmen, wenn die Haltung nicht funktioniere, aber es gebe eben auch Züchter, die die momentan dramatisch gestiegene Nachfrage einfach nur zum Geldverdienen nutzten. „Und solche Tiere landen dann im Tierheim, wenn wir Platz dafür haben“, so Stegemann.

Wenn also der Nachbar oder die Nachbarin vierbeinigen Familienzuwachs hat – vielleicht kann man ihnen einen Betreuungsservice anbieten, sollte das einmal wegen Krankheit oder Urlaub nötig sein.

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