Ochtrup auf dem Weg zur Autarkie

Anteil regenerativer Energie beträgt schon 85 Prozent

Ochtrup

Auf dem besten Weg hin zur Energieautarkie ist die Stadt Ochtrup. Wie die Stadtwerke bekanntgaben, stammt schon jetzt 85 Prozent des eingespeisten Stroms im Netz aus heimischer, regenerativ erzeugter Energie. In absehbarer Zeit könnte der Wert auf über 90 Prozent steigen.

Alex Piccin

Windkraft ist nur ein Teil, der zum regenerativen Energiemix in der Töpferstadt beiträgt. Auch Photovoltaikanlagen und Biogas-Reaktoren gehören dazu. Foto: Alex Piccin

Die Bundesregierung hat im Oktober 2019 als Ziel vorgegeben, bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 65 Prozent zu erreichen. Ochtrup liegt nach Angaben des Betriebsleiters der Stadtwerke, Robert Ohlemüller, bereits heute bei rund 85 Prozent. Eine Autarkie sei möglich.

Dabei müsse man aber im Hinterkopf behalten, dass das eher ländlich geprägte Münsterland mehr räumliche Möglichkeiten aufzeigt, um zum Beispiel Windkraftanlagen oder Freiflächenphotovoltaik-Anlagen zu bauen, als etwa eine Großstadt im Ruhrgebiet.

Doch gerade die Freiflächen-PV-Anlagen sorgen in der Bevölkerung für Unruhe. So fragte Ortslandwirt Thomas Ossendorf neulich im Umweltausschuss, wie man da vorgehen könne. Für den Netzausbau müssten die Stadtwerke mit ins Boot geholt werden. Robert Ohlemüller erläuterte den Sachstand: „Ab einer bestimmten Größe ist der Netzbetreiber, also die Stadtwerke, nicht für den Ausbau zuständig.“ Der Bauwillige fragt bei den Stadtwerken nach und diese weisen ihm einen Netzübergabepunkt zu. Wenn dieser ausgelastet ist, müsse ein anderer genommen und die entsprechende Leitung dorthin verlegt werden. Grob gerechnet kann diese im Schnitt 100 Euro pro Meter kosten. „Das System wird ansonsten gegenläufig. Wer zahlt die Netzentgelte, wenn jeder alles anschließt?“, so Ohlemüller.

Rund 1000 PV-, 23 Windkraft- und fünf Biogasanlagen stehen auf Ochtruper Gebiet. Sie produzieren in das Netz der Stadtwerke circa 70 Millionen kWh pro Jahr. „Das ist ein Anteil von etwa 62 Prozent an regenerativer Energien“, sagt Ohlemüller. Fünf weitere Anlagen stehen auf das Gebiet der Töpferstadt, speisen aber in Netze der Nachbarkommunen ein. Das liege daran, dass der Leitungsweg dorthin kürzer ist, als zu einem Netzübergabepunkt der Stadtwerke. Zählt man diese Anlagen mit der Leistung von geschätzt 26 Millionen kWh hinzu, ergeben sich der Gesamtanteil von 85 Prozent an erneuerbarer Energien. Eine zusätzliche Windkraftanlage im Bürgerwindpark Welbergen würde den Anteil auf 92 Prozent anheben. „Ochtrup ist in diesem Bereich Vorreiter“, fasst Ohlemüller zusammen.

Die Stadtwerke betreiben auch eigene Stromproduktionsstätten. Das sind sechs PV-Anlagen auf städtische Gebäude, ein Blockheizkraftwerk am Abwasserwerk und je eine Beteiligung an einer Windkraftanlage in der Weiner sowie einer in Saerbeck. Als Gesamtleistung gibt Ohlemüller circa 1,2 Millionen kWh an: „Das entspricht etwa 230 Haushalten, die wir versorgen können.“

Neue Anlagen sind am Klärwerk und auf dem Dach des Baubetriebshofes geplant. „Eine Autarkie des Klärwerks ist möglich und das Ziel“, so der Betriebsleiter. 2007 lag sein Verbrauch bei rund zwei Millionen kWh, im vergangenen Jahr war dieser Wert halbiert. Selbst produziert wurden davon rund 500 000 kWh.

Der Trend zur eigenen PV-Anlage sei ungebrochen. Um sich vor der Montage und Installation zu informieren, bereiten die Stadtwerke umfassende Kundeninformationen vor, was alles zu beachten ist. Damit verbunden sind immer mehr die E-Mobilität und Ladestationen im Privatbereich. Rund 70 Anträge zum Einbau einer sogenannten Wallbox seien bereits eingegangen und etwa 50 Kunden hätten den entsprechenden Stromtarif gewählt. „Das hat sich schon bewährt“, sagt Ohlemüller.

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