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Shivan Ahmad besetzt mit Lava Market eine Nische

„Eigener Markt in eigener Stadt“

Ochtrup

Lange ist er her, dass es in Ochtrup einen Lebensmittelmarkt gegeben hat, der Spezialitäten aus dem Orient anbietet. Die Idee, diese Lücke zu schließen, ist in Shivan Ahmad vor einigen Jahren gereift. Der gebürtige Syrer hat als Geflüchteter und in Coronazeiten den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Alex Piccin

Shivan Ahmad (r.) hat sich mit einem orientalischen Lebensmittelmarkt selbstständig gemacht. Darin betreibt Osama Shelbayeh eine Metzgerei. Foto: Alex Piccin

Seit etwas mehr als fünf Jahren lebt Shivan Ahmad in Ochtrup und fühlt sich mittlerweile heimisch. Der Syrer ist 2015 aus seiner Heimat nach Deutschland geflüchtet. Fünf Wochen war er in Geldern untergebracht und kam anschließend in die Töpferstadt. Vor gut einem Monat hat er sich mit einem Lebensmittelmarkt in der Weinerstraße selbstständig gemacht – und damit eine Nische besetzt.

Die Nachfrage nach orientalischen Spezialitäten ist da, hat der 29-Jährige erfreut festgestellt: „Ich verkaufe türkische, syrische, arabische Lebensmittel, dazu frisches Obst und Gemüse.“ Hinzu kommen Metzgereiprodukte, die Osama Shelbayeh frisch zubereitet. Besonders die Grillspezialitäten sind bei den Och­trupern beliebt. Der 42-jährige gebürtige Jordanier hatte in Steinfurt eine Fleischerei und lebt in der Kreisstadt.

Deutsch lesen und schreiben noch zu schwer

Sein Kompagnon aus Syrien hat in seinem Heimatland den Beruf des Malers erlernt. In Ochtrup arbeitete er zweieinhalb Jahre bei Reschos Döner und war bei Stefan Althoff vier Monate im Malerbereich tätig. Von der Idee der Meisterschule hat Ahmad allerdings Abstand genommen. Zu schwer falle ihm, der einen A 1-Sprachkurs absolviert hat, noch das Lesen und Schreiben in deutscher Sprache. Zudem reichte das Geld nicht für die bald sechsköpfige Familie. Einen sechsjährigen Sohn und zwei Töchter (fünf und zwei Jahre alt) haben Ahmad und seine Frau. „Der zweite Junge ist unterwegs“, sagt er mit einem Lächeln in den Augen, das trotz Maske erkennbar ist.

Viel Unterstützung erfahren

„Ich habe immer gern selbstständig gearbeitet. Mit meiner Frau habe ich also überlegt, was wir machen können.“ Ihre Familie hatte in Syrien bereits Erfahrung in der Lebensmittelbranche gesammelt. Schnell wurde die Idee eines „eigenen Marktes in der eigenen Stadt“ konkretisiert. Freunde und Familie halfen beim Umbau. Sich in Coronazeiten ein eigenes Standbein aufzubauen kann risikobehaftet sein: „Aber Lebensmittel braucht man immer. Wir haben die Chance gesehen und nutzen sie hoffentlich.“

Shivan Ahmad hat in Ochtrup eine tolle Gemeinschaft erfahren. Er wurde von vielen Seiten unterstützt, als er mit seiner Familie 2015 in die Töpferstadt gekommen ist: „Es waren auch viele Deutsche, die geholfen haben. Dafür danke ich den Ochtrupern sehr.“

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