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Brandstifter-Serie in den 1960er Jahren in Ochtrup

Im Rhythmus des Feuerteufels

Ochtrup

Vor mehr als 50 Jahren trieb ein Feuerteufel in Ochtrup sein Unwesen. Die Bevölkerung verdächtigte Josef L., der unter dem Spitznamen „Zwacki“ stadtbekannt war. Nach seiner Festnahme hörten die Brände auf. Vor Gericht wurde er allerdings freigesprochen. Betroffene von damals erzählen, wie es war, als „Zwacki“ in der Töpferstadt gefürchtet wurde.

Anne Steven

Die Freiwillige Feuerwehr – hier im Einsatz beim Brand Bröker – hatte vor allem 1967 jede Menge zu tun. Foto: Privatarchiv Familie Bröker

Die Brandserie des Jahres 1967 hielt auch die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Och­trup in Atem. „Das Feuer auf dem Hof Schmeing war mein erster Großbrand“, berichtet Ewald Wilpers. Der 72-jährige Stadtbrandinspektor war lange Jahre in der Führungsriege der Ochtruper Feuerwehr tätig. Vor über 50 Jahren gehörte er aber noch zu den Jungspunden, war gerade erst von der Jugendfeuerwehr in die aktive Abteilung gewechselt.

Mit Gummistiefeln zum Einsatz

Ewald Wilpers war bei den Großbränden in den 1960er Jahren als junger Feuerwehrmann im Einsatz. Foto: Anne Steven

So war es bei einer Alarmierung – damals bei kleineren Bränden noch per Telefon, ansonsten über die Sirenen in der Stadt – zumeist seine Mutter, die ihn des Nachts weckte. Mit dem Fahrrad ging es dann von der Sandkuhle zum Feuerwehrgerätehaus. Er sei damals froh gewesen, dass die anderen Kollegen so viel Erfahrung hatten und bei Großbränden beruhigend auf die Nachwuchskräfte einwirkten.

Zu Letzteren gehörten damals auch Ewald Kippelt und Heinz Tübing. Auch sie hechteten Nacht für Nacht, wenn der Feuerteufel zugeschlagen hatte, aus den Betten und machten sich auf den Weg zum Gerätehaus. „Da konnte man fast schon die Uhr nach stellen“, erzählt Ewald Kippelt kopfschüttelnd. Zumeist zwischen 2 und 4 Uhr nachts wurde die Feuerwehr alarmiert.

Moderne Einsatzkleidung wie heute gab es damals noch nicht. Vor allem nachts tauchte so mancher Kamerad im Schlafanzug am Gerätehaus auf, erinnern sich Wilpers, Tübing und Kippelt schmunzelnd. Schnell einen Overall darüber gezogen, den Helm auf den Kopf und die Gummistiefel an die Füße gezogen. Handschuhe gehörten 1967 noch nicht zur Grundausstattung.

Problem der Wasserversorgung im Außenbereich

Ein Problem für die Feuerwehr vor allem in den Außenbereichen von Och­trup war seinerzeit die Wasserversorgung. Und genau das habe der Feuerteufel vorab offenbar ausgekundschaftet. So wurde beim Brand auf dem Hof Wessendorf-Bredstege ein Pendelverkehr für das Löschwasser eingerichtet. „Da musste man sparsam löschen“, erzählt Ewald Wilpers. Doch als erstes galt es für die Feuerwehrleute herauszufinden, ob Menschenleben in Gefahr waren. „Mein Schwager lebte damals mit seiner Familie in dem Kötterhaus“, erinnert sich Heinz Tübing, dass ihm bei dem Großbrand der Schreck in die Glieder fuhr. Doch schnell habe sich herausgestellt, dass niemand in Gefahr war. Als nächstes mussten die Tiere gerettet werden.

Ewald Kippelt war bei vielen Feuerwehreinsätzen dabei. Als der Feuerteufel in Ochtrup sein Unwesen trieb, habe man „fast schon die Uhr stellen“ können, sagt er. Foto: Anne Steven

„Wenn im Stall eine Betondecke war, durften wir meistens nicht mehr hinein“, sagt Ewald Wilpers. Der Stahlanteil im Beton dehne sich bei Hitze aus. Die so wirkenden Kräfte könnten eine Decke leicht sprengen. Auf so manchen Bauernhof waren die Feuerwehrleute noch stundenlang damit beschäftigt, „Heu abzustechen“, um besagte Betondecken im Stall zu sichern. „Bei Wessendorf-Bredstege war das allerdings nicht mehr notwendig“, weiß Ewald Kippelt noch ganz genau. Das Haus sei nicht mehr zu retten gewesen.

Viele Brände des Feuerteufels waren damals in der Weiner-Bauerschaft. „Der hatte einen richtigen Rhythmus“, erzählt Heinz Tübing. Erst brannte es alle vier Wochen, dann wurden die Abstände kürzer. Wobei damals hinter vorgehaltener Hand gemunkelt worden sei, dass nicht alle Brände, die in der Statistik auftauchten, dem Feuerteufel zur Last gelegt werden konnten. Möglicherweise habe auch der eine oder andere Landwirt die Chance gesehen, sich zu „sanieren“.

Ermittlungen der Kriminalpolizei

Die Polizei habe damals in alle Richtungen ermittelt. Einmal musste sogar Heinz Tübing zum Verhör der Kriminalpolizei nach Steinfurt. Es stand die Frage im Raum, ob der Feuerteufel möglicherweise in den Reihen der Feuerwehr zu finden war. „Ich war immer recht schnell vor Ort“, weiß Heinz Tübing, dass er damit für die Beamten zwischenzeitlich verdächtig war.

Heinz Tübing wurde im Rahmen der Ermittlungen gegen den Feuerteufel vor über 50 Jahren von der Kriminalpolizei vernommen. Der Verdacht gegen den Feuerwehrmann wurde aber schnell wieder fallen gelassen. „Es musste damals eben in alle Richtungen ermittelt werden“, nimmt Tübing die Sache nicht krumm. Foto: Anne Steven

Irgendwann kam die Polizei dann auf die Spur eines anderen Ochtrupers. Josef L., in der Stadt bekannt als „Zwacki“, sollte die Feuer gelegt haben. Er wurde auch festgenommen, die Brände hörten danach auf. Doch nachgewiesen werden konnten ihm die Brandstiftungen nicht. Er wurde freigesprochen. Aus Ochtrup zog er 1971 weg und ist mittlerweile verstorben.

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