Warum der Sinninger Landwirt Andreas Puckert jetzt zum ersten Mal fünf Schweine direkt vermarktet

Portionsweise ab Hof

Saerbeck

Der Sinninger Schweinemäster Andreas Puckert hat ein neues Projekt gestartet. Erstmals hat er das Fleisch von fünf Schweinen in küchenfertigen Portionen direkt vermarktet. Per Whats-App und Instagram. Und einiges ging auch über Mundpropaganda weg. Am Samstag fahren seine Kunden vor, um sich ihre Fleischpakete abzuholen. Nun ist der Landwirt gespannt auf ihr Feedback.

Katja Niemeyer

Andreas und Claudia Puckert Landwirt Saerbeck Sinningen Foto: Katja Niemeyer

Andreas Puckert, Schweinemäster aus Sinningen, lud gestern in aller Früh fünf seiner Tiere auf einen Anhänger, um sie zu einem Metzger in Hopsten zu transportieren. Wenige Stunden später kehrt er zurück. „Es ist ein Versuch“, sagt er, während er sich an den Küchentisch setzt. Seine Frau Claudia steht neben ihm. Die beiden haben zusammen mit ihren Kindern ein neues Projekt gestartet. Das Fleisch der fünf Schweine haben sie in küchenfertigen Portionen direkt vermarktet. Per Whats-App und Instagram. Und einiges ging auch über Mundpropaganda weg. Am Samstag fahren ihre Kunden vor, um sich ihre Fleischpakete abzuholen. Hierfür hat der Bauer wegen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen einen Zeitplan erstellt.

Mit dem Verkauf ab Hof hat die Familie absolutes Neuland betreten. Denn eigentlich gehen die Tiere, wenn sie schlachtreif sind, an einen Zwischenhändler, der sie regelmäßig mit Transportern abholt. Und das in großer Zahl. Rund 3500 Piétrain-Schweine mästet Andreas Puckert pro Jahr. Die aus Belgien stammende Rasse ist besonders gut für die Zucht geeignet, weil sie als stressresistent gilt und mageres Fleisch liefert, das von vielen Kunden nachgefragt wird.

Rein äußerlich ähneln die fünf Tiere, die Andreas Puckert jetzt zum Schlachten gebracht hat, den Piétrain-Schweinen, mit denen sie in den vergangenen vier Monaten den Stall geteilt haben. Nur stehen ihre Ohren nicht nach oben, sondern hängen herunter. Und ihr Fell aus Borsten ist nicht einheitlich rosa-weiß, sondern hat ein paar braune Flecken. Weitaus größer ist aber der Unterschied beim Fleisch. Der Vater der „Exoten“ auf dem Sinninger Bauernhof ist ein Duroc-Schwein. Die Rasse ist rund 250 Jahre alt und stammt aus den USA. Das Fleisch wird wegen seines hohen Anteils an intramuskulärem Fett geschätzt.

Der Landwirt, der auch Vorstandsmitglied des Landwirtschaftlichen Ortsvereins ist, hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, zum Test ein paar Tiere ab Hof zu verkaufen. Die Landwirtschaft, sagt er, „befindet sich im Umbruch“. So soll etwa bei der Haltung von Nutztieren künftig mehr Tierwohl berücksichtigt werden. Um seinen Betrieb zukunftsfähig zu machen, müsste er über kurz oder lang viel Geld in eine Modernisierung der Ställe investieren.

Ob die Direktvermarktung ein alternatives Modell sein kann, weiß Andreas Puckert noch nicht. Sein Sohn macht gerade eine Landwirtschaftslehre und würde den Hof wahrscheinlich eines Tages übernehmen. Da sei es zumindest eine Überlegung, den Betrieb umzustellen.

Vielleicht ist das kleine Experiment somit der Einstieg in eine professionelle Direktvermarktung, vielleicht wird auf dem Sinninger Hof auch eines Tages ein Hofladen eröffnet. Vielleicht aber auch nicht. „Das muss sich noch zeigen“, sagt Andreas Puckert. „Wir sind jetzt erst einmal gespannt auf das Feedback unserer Kunden“, ergänzt er.

Der Anfang war zumindest vielversprechend. Die Zehn-Kilo-Pakete mit Schnitzeln, Gehacktem, groben Bratwürsten, Gulasch, Rippe, Braten und Nackensteaks waren innerhalb einer Woche verkauft. Die Chancen, dass in dem Stall von Andreas Puckert demnächst wieder ein paar etwas anders aussehende Ferkel heranwachsen, stehen also gut.

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