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Zusätzliche Flächen für Außengastronomie in der Marktstraße

Wirte lehnen dankend ab

Saerbeck

Gut gemeint, aber am Bedarf vorbei? Der Antrag der CDU-Fraktion, an der Marktstraße mehr Platz für Außengastronomie zu schaffen, scheint im Sande zu verlaufen. Die Verwaltung hatte zwar ein Konzept erarbeitet, aber den Wirten reicht der vorhandene Bürgersteig für eine Bewirtung unter freiem Himmel offenbar aus.

Katja Niemeyer

Pizzabäcker Antimo Prete (l.) und Eismacher Paolo Calzavara (r.) haben keinen Bedarf an zusätzlichen Flächen für Außengastronomie. Auch Markt-23-Betreiber Jürgen Steinberg glaubt, dass er mit dem vorhandenen Platz auskommt. Foto: Katja Niemeyer

Der Antrag der CDU-Fraktion war gut gemeint: Mit Blick auf die Corona-Öffnungsstrategie des Landes wollte sie in Saerbeck mehr Möglichkeiten für Außengastronomie schaffen (wir berichteten). Allein: Der Bedarf scheint gegen null zu gehen. Das hat eine kleine Umfrage unter den Wirten in der Marktstraße ergeben.

Der einzige Wirt, der im Ansatz Interesse an weiteren Stellmöglichkeiten für Tische und Stühle hat, ist derzeit Markt-23-Betreiber Jürgen Steinberg. Aber auch er sagt, dass er seine Außengastronomie nur in „absoluten Ausnahmefällen“ ausweiten wolle, nämlich dann, wenn er im Innenbereich seiner Kneipe weiterhin wegen der Pandemie Essen und Getränke nicht servieren darf.

Auch Paolo Calzavara, Inhaber des gleichnamigen Eiscafés, winkt ab. „Das lohnt sich nicht“, sagt er. Zum einen sei der Aufwand groß, zum anderen benötige er dann auch mehr Personal. Und das sei schwer zu bekommen. Das sieht Antimo Prete vom Ristorante Antimo genauso. „Die zusätzlichen Tische müssen schließlich bedient werden“, ergänzt der Pizzabäcker. Mit dem vorhandenen Personal sei das nicht zu bewerkstelligen. Und zusätzliche Leute fehlten schlichtweg.

Die Idee war gewesen, ein Teilstück der Markstraße (von der Emsdettener Straße bis zur Kreuzung Marienstraße/Am Kirchplatz) von freitags nach dem Wochenmarkt bis sonntags halbseitig zu sperren. Denn anders als an anderen Standorten im Dorf ist dort der Platz für Außengastronomie sehr klein. Trotz Teilsperrung sollten die Geschäfte und Dienstleister in der Straße aber weiterhin mit dem Auto erreichbar sein.

Um zu prüfen, inwieweit das zeitweise Aufstellen von Absperrbaken zum Zwecke einer Bewirtung mit den Straßenverkehrsregeln vereinbar ist, hatten sich Vertreter der Verwaltung und des Straßenverkehrsamtes des Kreises Steinfurt Ende April vor Ort getroffen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung von Mindestabständen, einer Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Stundenkilometern und einer ordnungsgemäßen Absicherung des Straßenabschnittes grundsätzlich nichts gegen das Vorhaben spricht.

Soweit so gut. Nur was, wenn am Ende kein Gastwirt das Angebot annimmt? Der Gemeinderat, der sich am Donnerstag in seiner Sitzung mit dem Thema befasste, wirkte streckenweise ratlos. „Wir wollen die Gastwirte ja unterstützen. Nur zum Jagen tragen müssen wir sie auch nicht“, stellte die UWG-Fraktionsvorsitzende Mechthild Lüggert ernüchtert fest. Jan Junge von den Grünen sprach sich derweil für eine Absperrung aus, „selbst wenn am Ende nur ein Gastwirt ein paar Tische und Stühle auf der Straße platziert“. Ähnlich sah das Henning Jaske (CDU): „Wir müssen maximale Möglichkeiten schaffen.“

Schließlich war es Lüggert, die die Frage in den Raum warf, ob nicht der Bürgersteig für ein außengastronomisches Angebot reichen würde, und damit bei Hölscher auf Zustimmung stieß. Tatsächlich nutzen die Wirte der Marktstraße bereits seit Langem bei schönem Wetter den Bürgersteig vor ihren Türen, um Pizza, Eis und Bier zu servieren. Daran, erklärt Steinberg von Markt 23 auf Nachfrage, solle sich auch in Zukunft nichts ändern.

Wie Hölscher in Gesprächen erfahren hat, sind die Wirte den Plänen gegenüber aus zwei Gründen zurückhaltend: Erstens wäre eine Ausweitung der Außengas­t- ronomie mit Investitionen verbunden, denn Tische und Stühle müssten gegebenenfalls neu gekauft werden. Zweitens haben sie die Sorge, dass sie ihre Gäste bei schlechtem Wetter buchstäblich im Regen sitzen lassen müssten.

Die von Felix Wannigmann in der Sitzung vorgebrachten Bedenken teilen sie indes nicht. Der SPD-Vorsitzende sprach sich dagegen aus, Außengastronomie auf der Marktstraße zu erlauben, weil er, wie er sagte, ein Sicherheitsrisiko sieht. „Wir erinnern uns alle an die Amokfahrt am Kiepenkerl-Denkmal in Münster“, warnte Wannigmann. Bei der Tat vor rund drei Jahren hatte ein Mann einen Kleinbus in eine Gruppe von Menschen gelenkt.

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