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Corona-Schutzmaßnahme

Ärzten fehlt der Corona-Impfstoff: Telefonieren und Termine absagen

Steinfurt

500 Impftermine hatte die Hausarztpraxis von Dr. Volker Leiß für diese Woche vereinbart und die Patienten zuvor informiert und eingeladen. 464 Termine musste er wieder absagen lassen, weil er den Impfstoff nicht bekommt. Die Lieferschwierigkeiten mit dem Vakzin Astrazeneca lassen die Telefonleitungen in den Praxen heißlaufen und sorgen für verärgerte Patienten.  [mit Video] 

Marion Fenner

Hausärzte dürfen Astrazeneca ohne Priorisierung verimpfen. Impfwillige gibt es genug, nur das Vakzin ist derzeit schwer zu bekommen. Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dp

Impfwillige anrufen, ihnen erst einmal Hoffnung auf einen Termin machen und dann wieder absagen zu müssen, weil der begehrte Corona-Impfstoff nicht kommt. Telefonieren gehört derzeit zu den häufigsten Tätigkeiten der Mitarbeiter in den Arztpraxen. Zusagen und dann wieder absagen, dabei freundlich bleiben, auch wenn die Patienten ihren Ärger loswerden wollen. „Rund 800 bis 1000 zusätzliche Telefonate müssen wir tätigen, weil der bestellte Impfstoff nicht kommt“, berichtet Hausarzt Dr. Volker Leiß.

Viel bestellt

500 Impfdosen hatte die Hausarztpraxis von Leiß für diese Woche bestellt und entsprechend vielen Patienten einen Impftermin gegeben. 36 Dosen seien geliefert worden. „Uns ist gesagt worden, dass wir aufgrund der Aufhebung der Priorisierung für das Vakzin Astrazeneca so viele Dosen bestellen dürfen, wie wir benötigen“, berichtet Leiß. Bestellen dürfen die Ärzte den Impfstoff über ihren Apotheker, aber wie viel in der nächsten Woche tatsächlich geliefert werden kann, dass erfahren sie in der Regel erst am Donnerstag zuvor. Sind es wie in diesem Fall nur 36 Dosen, heißt es erneut zum Telefonhörer zu greifen und die zuvor vereinbarten Termine wieder annullieren. Auf den Kosten für diese Telefonate, inklusive der Arbeitskosten bleibt der Arzt sitzen. „Das bezahlt uns niemand“, erklärt Leiß.

Dr. Volker Leiß

Woran es liegt, dass der Impfstoff nicht kommt, das kann der Mediziner nicht abschließend sagen. Er weiß nur, dass es seinen Kollegen in der Stadt nicht anders ergeht. Mal heißt es, weil Astrazeneca nicht gewollt war, seien Lieferverträge gekündigt worden. Ein anders Mal heißt es, die Nachfrage sei zu hoch.

Logistik

Apotheker Markus Gogrewe, Inhaber der Schwanen-Apotheke, der die Bestellungen der Praxen entgegennimmt, kann den Ärzten bei diesem Problem auch nicht helfen. „Wir geben die Bestellung an den Großhändler weiter und übernehmen in dieser Sache ausschließlich die Logistik für die Praxen. Die geforderten Mengen seien einfach nicht zu bekommen. Erst habe keiner Astrazeneca gewollt, und nun – ohne Priorisierung – sei die Nachfrage angestiegen, erklärt Gogrewe. Da sei es für ihm nur wenig verwunderlich, dass die großen Mengen nicht so kurzfristig erhältlich seien. Gogrewe geht aber davon aus, dass sich das in den kommenden Wochen ändern werde. Ein wenig Geduld müsse noch aufgebracht werden.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Hohe Nachfrage

Für Leiß und seine Kollegen bedeutet das weiterhin, dass viele Telefonate geführt werden müssen. Die Praxen seien telefonisch kaum noch zu erreichen. „Es ist ja schön, dass die Nachfrage nach einer Corona-Impfung so hoch ist.“ Nur so sei die Pandemie in den Griff zu bekommen, ist Leiß überzeugt. Aber wenn auch ernsthaft erkrankte Patienten ihren Hausarzt einfach nicht mehr erreichen, weil die Leitung ununterbrochen besetzt sei, könne das nicht gewollt sein. An einer App, die die Impfterminbuchung regele, werde gerade gearbeitet, berichtet der Hausarzt. Bis dahin bittet er, statt zum Hörer zu greifen auch einfach mal eine E-Mail zu schreiben.

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