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Naturcampingplatz Köninck vor der Saisoneröffnung

Der Trend: Urlaub vor der Haustür

Burgsteinfurt

Warum in die Ferne schweifen? Die Frage ist berechtigter denn je. Dirk Köninck jedenfalls spürt seit dem vergangenen Sommer ganz deutlich, dass es viele Urlauber gibt, die für ihre Erholung gar nicht mehr weit weg müssen. Und der Trend hält an.

Axel Roll

Dirk Köninck freut sich auf die neue Camping-Saison. Sie startet bei ihm in Veltrup am Fronleichnamswochenende. Das ist schon komplett ausgebucht. Foto: Axel Roll

Würde Dirk Köninck einen Preis für Urlauber mit der kürzesten Anfahrt ausloben, der Pokal wäre im vergangenen Jahr nach Borghorst gegangen. „Wir hatten eine Familie zu Gast, die für ein Wochenende aus Borghorst hier nach Veltrup gekommen ist“, schmunzelt der Betreiber des Naturcampingplatzes in Burgsteinfurt. Die Kurz-Urlauber – kurz in doppeltem Sinne: Zeit und Entfernung – waren voll im Trend. „Den Kindern ist es egal, wo sie Urlaub machen. Die brauchen eine grüne Wiese und viel frische Luft“, weiß Köninck aus Erfahrung. Darum ist die Sommerfrische im eigenen Land aktuell wie nie. Natürlich befeuert durch Corona. Im vergangenen Jahr noch eine Not, in in diesem eine Tugend, wie Köninck schon jetzt an den Anmeldezahlen für die diesjähriges Saison ablesen kann.

„Ich hätte schon an Pfingsten öffnen können. Im Vorfeld war aber vieles noch unklar. Darum geht es bei uns erst an Fronleichnam los“, erläutert der Hofbesitzer. Für das verlängerte Wochenende ist er lange hoffnungslos ausgebucht. 30 Mails und wenigstens so viele Anrufe muss er täglich beantworten. So wie gerade der Camper aus Dortmund: „Versuchen Sie es nach dem Feiertagswochenende, dann sieht es besser aus.“

„Chaotisch wild hochfahren“ wollte Dirk Köninck den Betrieb zu Pfingsten nicht. Reichlich zu tun bis Fronleichnam hat er trotzdem. „In erster Linie müssen wir die Wiesen freischneiden.“ Aber auch der Container mit den Duschen und Toiletten muss angeschlossen, die Stromversorgung gelegt, der Einkauf für das Kiosk erledigt werden. Den Corona-Auflagen sieht Köninck gelassen entgegen: „Wir haben hier ein weitläufiges Gelände. Außerdem achten wir darauf, dass wir nicht zu viele Camper auf den Platz lassen.“ Auf dem Hofgelände gelte Maskenpflicht, Möglichkeiten zum Desinfizieren seien reichlich vorhanden.

Die Buchungszahlen sind im vergangenen Sommer in die Höhe geschossen. „Auslandsurlaub war ja nicht möglich“, nennt der Hofbesitzer den Hauptgrund für das Plus. Er ist optimistisch, dass die pandemiebedingte Entwicklung Langzeitwirkung hat. „Viele Urlauber buchen direkt wieder für das nächste Jahr. Das war im vergangenen Sommer nicht möglich.“ Mit der Folge, dass nicht nur die klassischen Camper, sondern auch viele Radfahrer mit Zelt bei Dirk Köninck anklopften. „Und 60 bis 70 Prozent der Gäste kommen wieder“, freut sich der Campingplatzbetreiber.

Diese positive Geschäftsentwicklung hat den Veltruper dazu gebracht, die schon mehrfach im Rat diskutierten Ausbaupläne mit einem Investor, Stichwort Dauercampersiedlung, in der Schublade verschwinden zu lassen. „Ich beschränke mich rein auf das Naturcamping.“ Dazu sei mittelfristig noch eine Großinvestition notwendig: Der Bau der Druckleitung für Frisch- und Abwasser auf einer Länge von 900 Metern. Zurzeit muss Köninck das Abwasser für teures Geld zur Kläranlage transportierten lassen.

Der idyllisch gelegene Platz mitten im Grünen am See ist das eine, die Radwege und die Burgsteinfurter Altstadt das andere. „Jeder, wirklich jeder, der in Burgsteinfurt unterwegs war, der war auch begeistert“, weiß Dirk Köninck aus zahlreichen Gesprächen mit seinen Gästen. In Burgsteinfurt selbst sind es Altstadt, Schloss aber auch der Kreislehrgarten, die von den Urlaubern immer wieder aufs Neue gerne angesteuert werden.

Die meisten Nutzer des Campingplatzes sind für ein Wochenende in Veltrup. „Es gibt aber auch immer mehr Gäste, die für eine Woche nach Steinfurt kommen“, sieht Dirk Köninck auch in dieser Beziehung einen neuen Trend.

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