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Wilmsberger trösten ihre Mitglieder mit Bier und Schinken

Frühschoppen in der Jutetasche

Borghorst

Natürlich. Zwei Flaschen Rolinck, Wurst, Schinken und Schwarzbrot machen noch kein Schützenfest. Aber eine liebevoll gepackte Tasche, bedruckt mit dem Vereinswappen und garniert mit dem grünen „Drüfken“, dem Mitgliederausweis fürs Revers, kann schon helfen, den Schützen-Mut nicht sinken zu lassen. Die Wilmsberger müssen in dieser Woche ganz besonders stark sein. Stände über Christi Himmelfahrt doch eigentlich ihr Jahres-Highlight an. Und darum hing an den Haustüren der 503 Mitglieder am Wochenende so eine Frühschoppen-Tasche, wie Präsident Frank Schünemann die wohlschmeckende Überraschung nennt.

Axel Roll

Claudia und Willi Schooß bekamen das Frühschoppen-Paket von Präsident Frank Schünemann (l.) und König Sven Rottwinkel vorbeigebracht. Der hatte zuvor die 503 Taschen eigenhändig kontrolliert. Foto: Axel Roll

„Irgendetwas mussten wir ja machen“, zuckt der Vereinsvorsitzende mit den Schultern. „Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass in 2021 das Schützenfest schon wieder ausfällt?“, fragt Schünemann. Sein tapferer König Sven Rottwinkel am allerwenigstens. Der würde auf die zweifelhafte Ehre, als Regent mit der wahrscheinlich längsten Amtszeit in die über 500-jährige Vereinsgeschichte einzugehen, liebend gerne verzichten. Er muss sich Gedanken darüber machen, wie er die drei Jahreszahlen 2019, 2020 und 2021 am besten auf seinem silbernen Königsschild unterbringt.

Am Samstagmorgen war für Vorstand und Majestäten erst einmal Handarbeit angesagt. Die 500 Jutetaschen mussten gepackt werden. Für die fleischlichen Genüsse hatte Gastronom Frank Schünemann seine Beziehungen spielen lassen. Die 0,66-Liter-Ration Gerstensaft für jedes Mitglied hatte die Hausbrauerei Rolinck gesponsert. Um 9 Uhr hatte sich das Wilmsberger-Führungsteam coronakonform unter freiem Himmel auf dem Hof Borgmann getroffen, eineinhalb Stunden später standen die Frühschoppen-Snack-Taschen abholbereit dicht an dicht im Schuppen.

Dann hatten die Vorstandsmitglieder ihren großen Auftritt. In Uniform traten sie an, um die kulinarischen Grüße unters Schützenvolk zu bringen. Allerdings nur für die ortsansässigen. Für die Wilmsberger, die es nach Köln, zum Starnberger See, Hamburg oder Trittenheim verschlagen hat, wurde natürlich ein vertrauenswürdiger Paketdienst eingeschaltet.

Claudia und Willi Schooß zählen zur Priorisierungsgruppe eins, was den Schützenfestkummer anbelangt. Beide wären in diesem Jahr als Jubelkönigspaar gefeiert worden, schoss Willi doch vor 25 Jahren den Vogel herunter. Darum brachten Präsident und amtierender König den Frühschoppen-Gruß am Samstagmorgen persönlich vorbei. Frank Schünemann konnte das Silberpaar einigermaßen trösten: „Macht Euch keine Sorgen, wir werden Euch im kommenden Jahr angemessen feiern.“

Die Wilmsberger sind nicht die einzigen, die für ihre Mitglieder eine Mutmach­-Aktion gestartet haben. Was die Borghorster Schützenfamilie verbindet, ist der Vereinsfahnen-Appell: Alle Mitglieder sind aufgefordert, bis zum Ende der Schützenfestsaison Flagge zu zeigen. So wie Jubelkönig Willi Schooß, der seinen Masten dekorativ vor der Haustür eingepflanzt hat.

Unter dem Corona-Diktat findet an Christi Himmelfahrt wenigstens eine Messe für die Schützen statt. „Beginn ist um 8.30 Uhr“, erläuterte Frank Schünemann. Teilnehmer müssen sich im Vorfeld über die Pfarrgemeinde für den Gottesdienst anmelden. Außerdem wird im Anschluss der Toten mit der Kranzniederlegung am Wilmsberger Ehrenmal gedacht. Der Verein hat jetzt die Fünfte Jahreszeit ins Visier genommen, wie der Präsident seinen Mitgliedern schreibt: „Wir hoffen, dass der Karneval 2021/22 möglich ist.“

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