Vereinsgründung und Brief an Erbprinzen

Schlosswiese: Kritiker begehren auf

steinfurt

„Steinfurt liebende Bürger“ heißt ein im Aufbau befindliche Verein, der sich breit aufstellen möchte, hinter dem aber ein ganz konkreter Anlass der Gründung steht: Das nach Meinung der Initiatoren durch Ignoranz und fehlende Sensibilität gegenüber der Nachbarschaft gekennzeichnete Verhalten des Fürstenhauses respektive seiner Vermögensverwaltung Domänenkammer in Bezug auf die jüngsten Maßnahmen auf der Burgsteinfurter Schlosswiese.

Ralph Schippers

Bild von der umstrittenen Pflanzaktion Ende April, die jetzt in einer Vereinsgründung der Ablehnenden mündet. Foto: Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer, H. Buss

Die Initiatoren des Vereins „WieWollenWirLeben“ um Uli Ahlke haben es vorgemacht, jetzt gründet sich in Steinfurt, wenn auch mit anderer Intention und anderem Hintergrund, ein weiterer Zusammenschluss, der mittels bürgerschaftlichem Engagement etwas bewegen will: „Steinfurt liebende Bürger“ heißt der im Aufbau befindliche Verein, der sich breit aufstellen möchte, hinter dem aber ein ganz konkreter Anlass der Gründung steht: Das nach Meinung der Initiatoren durch Ignoranz und fehlende Sensibilität gegenüber der Nachbarschaft gekennzeichnete Verhalten des Fürstenhauses respektive seiner Vermögensverwaltung Domänenkammer in Bezug auf die jüngsten Maßnahmen auf der Burgsteinfurter Schlosswiese.

„Die Zeit ist reif für eine solche Vereinsgründung. Dabei geht es uns aber nicht nur um das Thema Schlosswiesennutzung, sondern um die Stadt als Ganzes“, betonten die Initiatoren Udo Röllenblech, Rolf Cosse und Dirk Zumbansen im Gespräch mit dieser Zeitung. Grundsätzlich sei man offen für alle Dinge, die den Steinfurtern, egal ob aus Burgsteinfurt oder Borghorst kommend, auf den Nägeln brennen. Durch die Vereinsgründung solle ein Mehr an Verbindlichkeit und Transparenz im angestrebten bürgerschaftlichen Handeln erreicht werden. Zugleich könnten Synergieeffekte besser genutzt werden.

Losgelöst von den Formalitäten, die im Vorfeld einer Gründung abzuarbeiten sind, ist der „Verein i.G.“ in Sachen Schlosswiese bereits tätig geworden. Um Bewegung in die Sache zu bringen, appellieren die Vereinsvertreter an Erbprinz Carl Ferdinand zu Bentheim und Steinfurt persönlich in Form eines offenen Briefes, vom Vorhaben, dort künftig Miscanthus (Chinaschilf) als Energielieferanten für eine noch zu errichtende Hackschnitzel-Heizung für das Schloss und umliegende Gebäude anzubauen, Abstand zu nehmen. „Wir bitten Sie (...), die Schlosswiese in der bisherigen, seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten vorherrschenden offenen Obstwiese wieder herzustellen und zu erhalten“, heißt es dazu im Schreiben wörtlich.

Nachbarschaft werde getragen durch Dialog und gegenseitige Rücksichtnahme. Dieses bislang durchaus gegebene gute Verhältnis habe in jüngster Vergangenheit jedoch gelitten. Dabei heben die Verfasser konkret auf die Schlosswiese ab, nennen die von öffentlicher Ablehnung begleitete Rodung des Baumbestandes sowie die spätere Bekanntgabe der Anbauabsichten durch die Domänenkammer.

Die ablehnende öffentliche Stimmungslage untermauern die Verfasser mit dem Hinweis auf das Ergebnis einer kurzfristig durchgeführten Befragung von 500 Bürgern: 98 Prozent hätten sich gegen die Pläne der Domänenkammer ausgesprochen. Der Anbau von bis zu vier Meter hohem Chinaschilf auf der Schlosswiese stelle einen erheblichen Eingriff in das über Jahrhunderte gewachsene Altstadtbild dar. Auch im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber folgenden Generationen sei diese Entscheidung zu überdenken. Leider habe das Fürstenhaus, genannt wird explizit auch der Erbprinz, bislang nicht auf entsprechende Anfragen reagiert.

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