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Bebauungsplan-Verabschiedung am Donnerstag reine Formsache

Schulterschluss zum Campus

Borghorst

So kontrovers die Diskussion in den letzten Tagen und Wochen geführt wurde, so einvernehmlich steht die Politik jetzt hinter dem „Jahrhundertprojekt“ Gesundheitscampus. Alle sechs Ratsfraktionen signalisierten am Dienstagabend in der Online-Sitzung des Planungsausschusses, dass sie ohne Wenn und Aber die Bebauung des ehemaligen Kock-Geländes befürworten. Damit dürfte der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan, der am Donnerstag vom Rat gefasst wird, reine Formsache sein. Bei so viel Zustimmung war am Ende auch der zugeschaltete Investor Stefan Gräf von der Berliner IGP ganz aus dem Häuschen: „Ich bin überwältigt von Ihren Ausführungen.“

Axel Roll

Im westlichen Bereich des ehemaligen Kock-Geländes soll die umstrittene Wohnbebauung entstehen. Foto: Axel Roll

So lobte Frank Müller für die SPD die Konzentration von Wohnen, Pflege und Reha an einem Platz. „Wir können mit der Angelegenheit sehr gut leben.“ Arnold Schumacher von den Grünen betonte, dass die Politik entgegen anderer Stimmen zu jeder Zeit über die Planungen voll im Bilde gewesen sei. Und auch die Einwände der Bürger gegen das Vorhaben seien von der Verwaltung hinreichend beantwortet worden. Darum sein Appell: „Lassen Sie uns eine große Mehrheit im Rat für dieses Projekt hinbekommen.“ Einen Wunsch an den Investor haben die Grünen aber dennoch: „Bauen Sie auf dem Campus auch einen Anteil an Sozialwohnungen.“

Für Gebhard Niehues von der GAL ist der Gesundheitscampus „ein gewichtiges Projekt“, das überaus gelungen sei. Und Christdemokrat Daniel Breilmann ist froh, „dass wir heute so weit mit den Planungen sind“. Ähnliche Stimmen kamen aus der FDP und der FWS. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer betonte noch einmal die Wichtigkeit des Vorhabens für Steinfurt. Und sie lobte ihre Rathaus-Mannschaft und den Investor: „Hervorragend.“

Nicht ganz so zufrieden war natürlich Architekt Bernard Hillebrand, der eine umfangreiche Einwendung gegen den Bebauungsplan verfasst und dem sich weitere Bürger angeschlossen hatten (diese Zeitung berichtete ausführlich). Auch wenn einige seiner Kritikpunkte Berücksichtigung fanden, wie zum Beispiel das Verbot von Staffelgeschossen, wirke das Projekt auf dem Gelände „doch arg gestopft“. Alles sei sehr mächtig. „Und eine Reha-Klinik ohne Park, die habe ich auch noch nicht erlebt.“ Hillebrand bedauerte, dass seiner Ansicht nach Rat und Verwaltung zu sehr auf die Industriebrache geschaut hätten. Seine Idee: „Der große Wurf wäre es gewesen, wenn das Marienhospital an der Emsdettener Straße neu gebaut und die Caritas das alte Gebäude für die Pflege genutzt hätte.“

Technischer Beigeordneter Hans Schröder und Stefan Albers als zuständiger Fachdienstleiter betonten, dass der siegreiche Architekturentwurf, der dem Bebauungsplan zugrunde liegt, nur den Rahmen liefere, in dem sich jetzt die weiteren Planungen bewegten. Daran werde der Rat auf jeden Fall beteiligt, versprach der Baudezernent.

Auf Nachfrage der Grünen erläuterte Investor Gräf, dass sich die IGP beim Bau dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet fühle. Das Areal erhalte für die Energieversorgung ein Blockheizkraftwerk, erste Gespräche mit den örtlichen Stadtwerken hätten bereits stattgefunden. Außerdem finde ein CO2-Bilanzierung statt. Die IGP werde über den Baufortschritt auf einer eigens eingerichteten Homepage informieren: www.mauritius-campus.de.

Ausschussvorsitzender Norbert Kerkhoff nutzte die Gelegenheit, um zu einer besseren Kommunikation aufzurufen. Es sei wichtig, dass sich möglichst viele Bürger an solchen Projekten beteiligten. Und dabei sei es völlig in Ordnung, dass man sich aneinander reibe. „Für die beste Lösung.“

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