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Projekt: Digitalisierung zeigt Struktur und Entwicklung von Steinfurt auf

(Stadt-)Geschichte erlebbar machen

Steinfurt

Denkmale können Zeugen der Geschichte sein. Im großen und im kleinen. Egal, ob als Gebäude, als Bildstock, als Statue oder als Ensemble wie etwa der Bagno. Das ist spätestens in den 1970er Jahren erkannt worden. Seither gibt es die Denkmalpflege als Gesetz. Mit vielen Möglichkeiten: So kann die moderne Technik helfen, die Geschichte einer Stadt erlebbar zu machen.

Erhard Kurlemann

Auch die Bismarckschule in Burgsteinfurt wird in der Denkmalliste der Stadt geführt. Foto:

Denkmale in Steinfurt? Burg Ascheberg, das Schloss, das alte Rathaus oder die Parkanlage Bagno als Ensemble werden bestimmt sofort genannt. „Mehr als 200 Denkmäler gibt es in der Stadt“, berichtet Gerda Holstein. Die Diplom-Architektin ist seit gut 18 Monaten für den Denkmalschutz und die -pflege in der Kreisstadt zuständig. Sie hat ihr Steckenpferd im Laufe der Jahre immer mehr zum Beruf gemacht.

Zu den Denkmälern gehören neben Gebäuden, Figuren, Bildstöcke, Statuen und fünf Bodendenkmale wie die Burg Ascheberg, Burg und Stift Borghorst, der Burgmannshof Hewenshof, das Landwehrteilstück im Scheddebrock und die mittelalterliche Wüstung Steintorfeldmark. All diese Objekte sind in der Denkmalliste der Stadt Steinfurt aufgeführt.

Die meisten der dort verzeichneten Objekte sind im Privatbesitz. „Der Stadt gehören etwa 15. Der Rest ist privat, ein kleiner Teil befindet sich im kirchlichen Besitz oder ist dem Land NRW zugeordnet.

Eines der ältesten bekannten Baudenkmäler ist neben dem Schloss Steinfurt – der ältesten erhaltenen Wasserburg Westfalens (erstmalig erwähnt 1129) – wohl das Profangebäude in der Kirchstraße 14, dessen Baujahr 1465 (Vorderhaus) nachgewiesen ist.

Weitere öffentliche Baudenkmäler in der Kreisstadt sind zum Beispiel das Alte Rathaus, die Hohe Schule, das Weinhaus, die Bahnsteighalle, die Bismarkschule, Brückenbauwerke, das Transformatorenhaus oder der Jüdische Friedhof.

„Wer an seinem denkmalgeschützten Objekt etwas verändern oder sanieren will, benötigt die denkmalrechtliche Erlaubnis“, erläutert Gerda Holstein ein Verfahren, mit dem fast alle Besitzer von erhaltenswürdig eingestuften Objekten früher oder später zu tun haben werden.

Die Untere Denkmalbehörde der Stadtverwaltung regelt in dem Verfahren neben der fachlichen Beratung die bürokratischen Abläufe. „Die Unteren Denkmalbehörden treffen ihre Entscheidungen im Benehmen mit dem Landschaftsverband. Dort gebe es Experten, die die Denkmäler beurteilen. „Wir stehen im ständigen Austausch mit der LWL-Denkmalpflege“, ist Gerda Holstein froh über die fachliche Expertise der Münsteraner.

Was ist eigentlich ein Denkmal?

Wer ein Objekt besitzt, das dem Denkmalschutz unterliegt, hat die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für Sanierungs- oder auch Veränderungsmaßnahmen zu bekommen.

Für die stadteigenen Denkmale macht das Andreas Happe – in Zusammenarbeit mit einem Projektteam aus der Bauunterhaltung. Der Fördermittelmanager stellt Anträge und hält Kontakt zur Bezirksregierung, die die Gelder bewilligt. „Da werden Fragen gestellt, Unterlagen angefordert oder Konzepte geprüft.“

Aktuell ist etwa das Heimathaus an der Münsterstraße in Borghorst „seine“ Baustelle. Dort sind verschiedenen Sanierungen erforderlich, unter anderem am Dach und an der Fassade. „Anträge müssen immer bis zum 30. September eines Jahres gestellt sein. Rund um den April des Folgejahres gibt es dann Nachricht, ob die Förderung bewilligt ist“, erläutert Happe das Verfahren. Zum Erfolg gehöre letztlich auch ein „Quäntchen Glück“.

Die Stadt verfügt derzeit nicht über eigene Fördermöglichkeiten wie etwa Pauschalzuweisungen. „Das würde mitunter das Umsetzen von Projekten erleichtern“, sieht Gerda Holstein eine derartige Fördermöglichkeit offen positiv.

Mit den Denkmälern verbunden ist aktuell „ein hoch spannendes Projekt“, das in der Öffentlichkeit sicher auf großes Interesse stoßen werde. „Wir wollen die Stadt und die damit verbundene Geschichte erlebbar machen“, gibt die Denkmalschützerin gleichsam das Motto vor. „Wir haben begonnen, die Stadt und ihre Gebäudekubarturen – ein Verfahren zur Berechnung des Rauminhalts von Gebäuden – mittels dem Steuerungselement Stadtstrukturplanung zu digitalisieren“. Historische Stadtstrukturen – bis hin zur Gegenwart: Der Nutzer kann bekommt einen tieferen Einblick in die Geschichte der Stadt. „Ich habe die Möglichkeit zu erfahren, wie es beispielsweise rund um das Rathaus am Markt ausgesehen hat.“ Im Wege der Stadtstrukturplanung könne so etwa die Entwicklung der historischen Altstadt aufgezeigt werden.

„Ich habe mich schon immer für Altes wie Neues in der Architekturszene interessiert“, sagt Gerda Holstein. Ihre Aufgabe verstehe sie als Auftrag, das Gesamtkonzept erlebbar zu machen. „Und historische Gemäuer haben so viele Geschichten zu erzählen.“

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