Kritiker der Pläne für den Gesundheitscampus legen nach

„Städtebaulicher Fremdkörper“

Borghorst

Es geht hin und her. Die Wogen in der Diskussion um die Verträglichkeit der Gesundheitscampus-Pläne schlagen immer höher. Nachdem Architekt Bernard Hillebrand und der ehemalige Technische Beigeordnete Reinhard Niewerth ihre Kritik öffentlich gemacht und Hans Schröder als amtierender Stadtbaurat am Montag in dieser Zeitung geantwortet hatte, ist das Team Niewerth/Hillebrand wieder am Zug. Es sieht sich zu Unrecht in die Ecke der Projektverhinderer gedrängt. Gleichwohl hält Hillebrand an seinem Einspruch gegen den Bebauungsplan fest, hat sogar in Teilen noch einmal nachgelegt.

Axel Roll

Der sogenannte Schwarzplan zeigt es nach Ansicht von Reinhard Niewerth und Bernard Hillebrand deutlich: Die großen Klötze sind im Umfeld überdimensionierte Fremdkörper. Rechts die Reha-Klinik, links oben die Pflegeeinrichtung, darunter die Wohnblocks. Foto:

Und Reinhard Niewerth hat das getan, war er in seiner aktiven Zeit oft gemacht hat: Er hat sich an den Schreibtisch gesetzt und gezeichnet.

„Der Gesundheitscampus ist wichtig für Steinfurt“, lässt Bernard Hillebrand keinen Zweifel an der Richtigkeit der politischen Entscheidung. „Allerdings muss der Campus in Steinfurter Maßstäben realisiert werden“, betont Reinhard Niewerth.

Dass die ihrer Ansicht nach bei weitem überschritten sind, machen Niewerth und Hillebrand anhand von Zahlen deutlich: Der erste Investor für das Areal wollte einmal 22 000 Quadratmeter Nutzfläche auf der Industriebrache unterbringen. Das sei vom Rat als zu eng abgelehnt worden. Jetzt sind es 36 000 Quadratmeter. „Diese Zahl ist städtischerseits im Auslobungstext für das städtebauliche Qualifizierungsverfahren vorgegeben“, weiß Hillebrand, der wie berichtet selbst an dem Wettbewerb teilgenommen hat. Allerdings habe man damals nach Eingang der Entwürfe schauen wollen, ob sich diese Größenordnung überhaupt auf dem Gelände unterbringen lasse. „Und diese Abwägung hat nie stattgefunden“, bemängelt Hillebrand.

Niewerth und Hillebrand sind überzeugt: Hätten sich damals Politik und Verwaltung genauer über die Architektenvorschläge gebeugt, sie wären zu dem Schluss gekommen, den Niewerth so formuliert: „In der jetzt geplanten Form ist der Gesundheitscampus ein städtebaulicher Fremdkörper für Borghorst.“

Der dickste Klotz ist die Reha-Klinik, die gleichzeitig das wirtschaftliche Herzstück des Projektes ist. Aufgrund dieser Wichtigkeit hält es Niewerth für vertretbar, „diese städtebauliche Kröte zu schlucken“. Auch wenn sie künftig das benachbarte Ärztehaus um mehrere Meter überragen wird. Der ehemalige Baudezernent wörtlich: „Man muss die Klinik möglich machen.“ Auch die Pflegeeinrichtung, die gegenüber der von Hillebrand geplanten Websaal-III-Bebauung entstehen soll, müsse den ihr zugedachten Raum bekommen. Wie Hillebrand vorschlägt, allerdings zwei Meter niedriger als jetzt geplant.

Was für die beiden Kritiker aber deutlich zu viel ist, das sind die über 100 Wohnungen auf rund 6000 Quadratmetern. Und das in vier Einheiten, die Niewerth als „Klötze“ bezeichnet. Die seien bis zu 25 Meter tief. „So etwas gibt es in ganz Steinfurt nicht“, betont Bernard Hillebrand.

Aus gutem Grund, wie der ehemalige Technische Beigeordnete sagt. Jeder Architekt wisse, dass es ab zwölf Metern schwierig sei, Wohnungen vernünftig zu belichten und zu belüften. Mit der Folge für den Gesundheitscampus, dass die Wohnungen nur jeweils an einer Seite – von bekanntlich dreien – Fenster hätten. „Wer will da auf Dauer wohnen?“, fragt Reinhard Niewerth.

Einig ist sich das Duo, dass es bei der Dimensionierung der Straßen und der Gebäudeabstände reichlich eng wird. Zu eng. Teilweise würden die vorgeschriebenen Maße deutlich unterschritten. Und gemogelt, ist Reinhard Niewerth überzeugt, haben die Planer auch bei den ausgehängten Plakaten, die den künftigen Campus computeranimiert zeigen: „Auf den Bildern sind überall Bäume zu sehen. Die können da aber gar nicht wachsen, weil sich darunter der Beton der beiden Tiefgaragen befindet.“

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