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Jürgen Ribbers hat 200 Brieftauben – und kennt jede mit Namen

„Tucki“ darf die Rente genießen

Borghorst

Jürgen Ribbers ist Taubenfan durch und durch. Das Mitglied der Reisevereinigung Borghorst und Umgebung, das meistens weit vorne zu finden ist, wenn die Ergebnisliste des jüngsten Wettfluges veröffentlicht wird, kennt jedes seiner 200 Tiere mit Namen. Eine Taube aber hat es ihm besonders angetan: „Tucki“. Sie ist die erfolgreichste Rennerin der Lüfte in seinem Schlag.

Marion Fenner

Jürgen Ribbers kennt jede seiner 200 Tauben mit Namen. Seine Lieblingstaube ist die 18-jährige „Tucki“ (kl. Foto, r.) Foto: Marion Fenner

Die Brieftauben von Jürgen Ribbers haben es oft eilig, wieder nach Hause zu kommen. Und deshalb sind seine Tiere sehr oft auf den ersten Plätzen der Siegerlisten bei Wettflügen zu finden. Er liebt seine Tauben und sie scheinen ihn auch zu mögen. Er kennt jedes seiner 200 Tiere mit Namen – auch wenn die Namen eigentlich Nummern sind.

Ribbers weiß, dass Nummer 180 immer als erster bei den Erdnüssen ist, er kann sagen, wer vor der Heimkehr von einem Wettflug erst noch eine Ehrenrunde über dem Hausdach dreht und wer fast im Sturzflug in den Schlag zur elektronischen Zeitabnahme kommt. Der Taubenzüchter weiß, wer von seinen Vögeln eher schüchtern ist, wer am liebsten auf dem obersten Sitzbalken Platz nimmt, ob die Eltern und Großeltern gute Flieger waren und wessen Geschwister es leider nicht immer so eilig haben. Auch wenn Ribbers jede Taube auf ihre Weise mag, eine hat es ihm besonders angetan: „Tucki“ ist die einzige, die nicht mit Nummer genannt wird, sie hat einen richtigen Namen.

„Tucki“ ist mittlerweile 18 Jahre alt, fliegt schon lange keine Wettbewerbe mehr und ist auch nicht mehr in der Zucht. Die zutrauliche Seniorin, die früher für die Zuchtgemeinschaft Ribbers mehrere erste Preise geholt hat, genießt ihr Gnadenbrot.

Die Liebe zu den Tauben ist Ribbers in die Wiege gelegt worden. Nicht nur sein Vater Eugen, auch seine Mutter haben in ihrer Jugend Tauben gehalten. In seiner Kindheit gab es jedoch eine „taubenlose“ Zeit in der Familie. Tierverrückt war Ribbers immer schon, wie er erzählt. Ende der 1970er Jahre bekam der damals Zehnjährige von einem Freund sechs Tauben geschenkt. „Die hatte ich erst einmal in einem Waschmaschinenkarton untergebracht, bis mein Vater ihnen einen richtigen Taubenschlag baute“, erzählt der Züchter. Als er einmal eine erschöpfte Brieftaube gefunden hatte, brachte er diese zu Willy Göcke, der im Brieftaubenverein „Ohne Furcht Borghorst“ Jugendobmann war. „Mein Vater war immer Mitglied im Taubenverein und hat mein Hobby von Beginn an bis heute tatkräftig unterstützt.“ Durch Göcke kam der Schüler zum richtigen Brieftaubensport. „Wir hatten damals im Verein eine große, sehr aktive Jugendabteilung.“ So sei es zu begründen, dass viele Personen aus seinem Jahrgang der Taubenzucht treu geblieben sind. „Wir haben damals wirklich viel gemacht, von Fußballturnieren bis hin zu Jugendfahrten.“

Bei so einer Fahrt kam Jürgen Ribbers an seine erste „richtig gute Taube“. Er hat sie bei einer Auktion für die Jugendliche gewonnen. Die Zahl der Tauben im Schlag stieg weiter. „Später haben mein Vater und ich auch Zuchttiere in Belgien, dem Mutterland des Brieftaubensports, gekauft, um auf Leistung und Schönheit zu züchten.“ Mit der Zucht sei es nicht immer so einfach, berichtet der Experte. „Zwei schnelle Tauben haben nicht unbedingt schnelle Nachkommen.“ Wichtig sei, dass die Chemie zwischen dem Taubenpaar stimme.

Für die Wettflüge habe jeder Züchter sein eigenes Patentrezept. Einige trennten die Paare, damit der Partner schnell wieder nach Hause will. Jürgen Ribbers dagegen lässt Männchen und Weibchen gemeinsam fliegen – der Erfolg gibt ihm zurzeit Recht mit seinem System. Natürlich werden seine Tauben auch gut vorbereitet. Täglich dürfen seine Tiere draußen um das Haus Runden fliegen, dazu kommen Trainingsflüge aus einiger Entfernung und gutes an sportliche Höchstleistungen angepasstes Futter.

Die Sportler bekommen spezielle Kräuter in ihre Körner gemischt, damit sie saubere Atemwege haben. Nur mit starken Lungen ist der Wettbewerb für die Tiere zu bewältigen. Schließlich legen die schnellen Exemplare bis zu 1453 Meter pro Minute in der Luft zurück. Wenn die Tiere vom Wettflug zurückkommen, werden sie von Ribbers verwöhnt. Nummer 180 bekommt eine Erdnuss extra.

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