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Schriftsteller in Zeiten von Corona

„Vor allem ,kleine Szene‘ hat gelitten“

Steinfurt

Matthias Engels gehört zu den bekanntesten Steinfurter Buchautoren. Wie hat er die Pandemie-Zeit erlebt? Woran arbeitet er aktuell? Die Redaktion hat ihn besucht und ein gut beschäftigten Kulturschaffenden erlebt. 

Ralph Schippers

Erfolgreicher Buchautor, Blogger und seit neuestem auch Herausgeber einer Zeitschrift mit Bezug zu Westfalen: Matthias Engels hat der Corona-Zeit getrotzt und einige Projekte umgesetzt. Foto: nix

„Vor allem die ,kleine Szene‘ hat gelitten – und sie wird auch nach Corona nur schwer wieder auf die Beine kommen.“ Matthias Engels weiß ob seiner vielen Kontakte zu Literaturschaffenden, wie stark die Auswirkungen der Pandemie trotz staatlicher Hilfen nachwirken. Nachdem der erste Lockdown bekannt gegeben wurde, sei die Solidarität noch groß gewesen, berichtet der Steinfurter Autor, Herausgeber und Blogger. Die habe aber schnell nachgelassen ...

Er selbst sei relativ gut durch bisherige Pandemiezeit gekommen, bekennt der 46-Jährige – trotz eines merkbaren Einbruchs bei den Buchverkäufen und der Absage sämtlicher Lesungen in Präsenz. Engels führt das auf seine gute Vernetzung mit der Szene zurück, auf staatliche Förderung, aber auch auf die Unterstützung durch künstlerische Vereinigung – in seinem Fall der „LiteraturRaumDortmundRuhr“, ein Kreis von über 60 Autoren, der sich regelmäßig über das eigene Schaffen und Entwicklungen im beruflichen Umfeld austauscht.

Ein "langgehegtes Herzensprojekt"

Indes: Eigeninitiative ist gerade in Krisenzeiten mehr denn je gefragt. Genau die hat der Borghorster gezeigt – und unter anderem einen neuen Roman geschrieben sowie eine ganz besondere Zeitschrift herausgegeben. Besonders ist das literarische Blatt mit dem Titel „Die sentimentale Eiche“ gleich aus mehreren Gründen: „Es ist die einzige Literaturzeitschrift mit Autoren, die einen Bezug zu Westfalen haben“, sagt Engels über „sein langgehegtes Herzensprojekt“. Bekannte regionale Autoren, in der jetzt erschienenen Erstausgabe sind unter anderen preisgekrönte Kollegen wie Jürgen Brôcan, Jürgen Flenker oder J. Monika Walther vertreten, stellen Beiträge zur Verfügung, die durch die Bank noch unveröffentlicht sind. „Es sind ausgesuchte Texte, jeder mit Gewicht“, verspricht Engels der Zielgruppe, Lyrikaffine jeglichen Alters, anspruchsvolle Unterhaltung. Wer allerdings ein Hochglanzmagazin erwartet, liegt bei „Die sentimentale Eiche“ falsch. Wenn auch illustriert, kommt die Zeitschrift relativ schlicht im Retro-Stil daher.

Kurz vor der Veröffentlichung steht zudem der sechste Roman des Borghorster Autors: „Büllerbu brennt“ heißt das im Essener apebook-Verlag im Sommer erscheinende Werk, an dem Engels – mit zwischenzeitlichen Pausen – rund fünf Jahre gearbeitet hat. Aus dreifacher Perspektive wird die Lebensgeschichte des Paares Jan und Sonja erzählt, das sich einst „ewige Liebe“ geschworen hat und deren Ideal durch die Probleme des Alltags mehr und mehr verblasst. Dabei spielt durchaus auch das in den Büllerbü-Geschichten Astrid Lindgrens wiedergegebene Kindheitsparadies eine Rolle. Was bleibt davon in der Welt der Erwachsenen übrig? Bei der Antwort darauf räumt der Autor mit dem Schweden-Mythos auf – gerne auch auf ironische Art.

Hoffen auf die Nach-Corona-Zeit

„Büllerbü brennt“ ist Engels erstes Buch seit 2015. Damals erschien sein historischer Auswanderer-Roman „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun“, der zu den besten Büchern aus unabhängigen Verlagen gewählt worden war. Engels hofft auf einen ähnliches Erfolg bei „Büllerbü brennt“ und damit auf eine Brücke in die Nach-Corona-Zeit.

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