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Impfaktion in der Praxis Schilling-Maßmann

300 Stiche an nur einem Tag

Tecklenburg-Leeden.

Dr. Birgit Schilling-Maßmann ist der Ansicht, dass jüngere Menschen bei den aktuellen Impfkampagnen tendenziell benachteiligt werden. Ihr geht es vor allem um die „Generationengerechtigkeit“. Daher hatte sie am Freitag zu einer ganztägigen Impfaktion eingeladen. Etwa 300 Stiche mit dem Impfstoff von Astrazeneca setzte die Praxis den ganzen Tag über. Die Impfaktion war bereits die dritte dieser Art.

Luca Pals

Bis zu 300 Menschen wurden am Freitag in der Gemeinschaftspraxis Leeden geimpft. Foto: Luca Pals

Sie und ihr Team werden sich angesichts der Nachfrage und der online eingegangenen Anmeldungen bestätigt fühlen. Etwa 300 Stiche mit dem Impfstoff von Astrazeneca setzte die Praxis den ganzen Tag über. Dafür lagen dem Personal 25 Flaschen vor. Angesichts der Pandemie ist sich Schilling-Maßmann sicher: „Wir müssen einfach impfen, impfen, impfen, um aus dieser Situation herauszukommen.“ Besonders von politischer Seite seien in den vergangenen Monaten nicht notwendige Barrieren und Verunsicherungen entstanden. Für die Impfaktion am vergangenen Freitag waren vor allem Patienten aus der eigenen Praxis und im Besonderen Frauen angesprochen worden. Schnell erkannte das Team um Leiterin Michaela Stöhler, dass „junge Mädchen durch die verwirrenden Meldungen um den Impfstoff von Astrazeneca das Angebot nur zögerlich angenommen haben“. Die logische Schlussfolgerung: „Deswegen haben wir vielfach den Männern den Vorrang gelassen.“ Am Ende gilt das Motto: Jede Impfdosis im Arm hilft, dem Ende der Pandemie näher zu kommen.

Den Hintergrund der Aktion für junge Menschen erklärte Schilling-Maßmann im Interview: „Wir muten den jungen Menschen so viel zu und lassen sie jetzt oftmals bei den Impfungen hinten runterfallen.“ Sie kritisiert, dass die m-RNA-Impfstoffe (wie der des Unternehmens Biontech) für die ältere Generation verimpft wird: „Dabei wurde genau dieser für die jüngeren Generationen empfohlen.“

Trotz leichten Regens kamen die Impfwilligen gruppenweise im halbstündigen Takt, gaben ihre Daten an und wurden vom Personal eingewiesen. Alle 30 Minuten griff Schilling-Maßmann zum Mikrofon und klärte die bis zu 15 Personen starken Gruppen über Risiken, Nebenwirkungen und die Besonderheiten des Astrazeneca-Impfstoffes auf: „Ich möchte jedem und jeder in die Augen schauen und die Möglichkeit der Entscheidungsfestigung geben“, so Schilling-Maßmann. Zahlreiche Einzelgespräche hätten so eingespart werden können. Das Angebot für zusätzlichen Beratungsbedarf bestand zwar weiterhin, wurde laut Schilling-Maßmann aber kaum angenommen.

Vor allem wegen den bisherigen Impfaktionen in der Arztpraxis Anfang des Monats habe sich das Angebot gut herumgesprochen. Annika Gretenkord aus Lengerich und Daniela Ossege aus Osnabrück haben zum Beispiel von der Aktion durch Freunde und Bekannte erfahren. Für Gretenkord bedeutet die Impfung vor allem „die Hoffnung auf Freiheit und Normalität“: „Ich habe einen wissenschaftlichen Hintergrund und weiß daher, dass es höchste Standards für die Testung von Impfstoffen gibt. Darauf kann man vertrauen, das denkt sich ja keiner einfach so aus.“ Ossegge war sich des „sehr kleinen Risikos“ bewusst: „Ich habe zwar kurz nachgedacht aber sehr schnell für mich den Entschluss gefasst, dass der Nutzen die Risiken weit übersteigen.“

Über das geringe Risiko bei Astrazeneca klärte Schilling-Maßmann auf: „Das Risiko einer Hirnvenenthrombose liegt bei eins zu hunderttausend. Frauen sind stärker betroffen.“ In diesen Fällen gäbe es typische Krankheitssymptome, auf die die Geimpften in den kommenden zwei Wochen genau achten und beim Eintreten sofort einen Arzt kontaktieren sollten: „Unklare und anhaltende Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, eintretende Sehschwierigkeiten und noch einiges mehr.“

Das Angebot, sich bei der Praxis in Leeden zu melden, richtet sich auch an Menschen, die sonst nicht Patienten vor Ort sind.

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