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Vierjähriger verunglückt

Forderungen nach Verkehrsberuhigung blieben ungehört

Rheine

Jahrzehnte lang blieben Forderungen nach einem langsameren Verkehr auf der Salzbergener Straße in Rheine ungehört. Erst nachdem dort vor wenigen Tagen ein Auto den vierjährigen Hendrik angefahren und schwer verletzt hat, könnte sich doch noch etwas tun.

Von Paul Nienhaus

An dieser Stelle ist der Unfall passiert. Nachdem dort 30 Jahre nichts passiert ist, wollen die Verantwortlichen nun reagieren. Foto: Matthias Schrief

Das Schicksal des vierjährigen Hendrik bewegt in diesen Tagen viele Menschen in Rheine und Umgebung. Der Junge war an einem Freitagnachmittag vor knapp zwei Wochen schwer verunglückt, als er wenige hundert Meter vom Ortseingangsschild entfernt mit dem Fahrrad die Salzbergener Straße überqueren wollte. Einfach losgefahren, obwohl seine erwachsene Begleiterin, eine Freundin der Familie, noch nach ihm rief, ihn aber nicht mehr zu fassen bekam. Ein Kleinwagen erfasste den Jungen und schleuderte ihn etwa 20 Meter durch die Luft, bevor er auf dem Asphalt aufschlug.

„Seitdem kämpft er sich auf der Intensivstation des Uniklinikums Münster mühsam zurück ins Leben. Beide Arme und Beine sind mehrfach gebrochen und sein Kopf ist schwer verletzt“, schreibt die Rheinenserin Mareike Knue, die in enger Abstimmung mit Hendriks Familie am vergangenen Wochenende eine Online-Petition gestartet hat. Sie setzt sich bei der Stadt Rheine und dem für die Landstraße zuständigen Landesbetrieb Straßen.NRW für mehr Sicherheit rundum die Unfallstelle ein. Knapp 10 000 Unterstützer hatte die Petition Dienstagnachmittag bereits im Internet gefunden.

Aus dem Koma sei Hendrik mittlerweile erwacht, sagt Knue. Aber man dürfe sich das nicht so vorstellen, als schlüge er die Augen auf und flüstere lächelnd: „Mama …“ So weit sei er noch nicht. „Aber er lebt. Ein kleines Wunder“, heißt es weiter im Text der Online-Petition.

Rheines Baudezernentin Milena Schauer

Unterschriftensammlung im Stadtteil Bentlage

Auch in der Nachbarschaft rund um die Unfallstelle im Rheiner Stadtteil Bentlage werden Unterschriften gesammelt, die Anwohnerin Carina Tiekötter an Rheines Bürgermeister Peter Lüttmann übergeben will. „Es muss endlich etwas passieren an dieser Stelle, wo sich Bewohner des Stadtteils schon fast 30 Jahre für mehr Sicherheit für Kinder einsetzen“, sagt sie. Vor drei Jahrzehnten ist auf der damaligen Bundesstraße die Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 70 Stundenkilometer herabgesetzt worden. Dabei ist es geblieben.

Eine junge Frau unterschreibt die Petition, mit der die Menschen in Rheine sich für mehr Sicherheit auf jener Straße einsetzen, auf der der vierjährige Hendrik Opfer eines schweren Unfalls geworden war. Foto: Matthias Schrief

Und das, obwohl beiderseits der Salzbergener Straße ein Kindergarten und eine Grundschule liegen, für deren Kinder das Passieren der Straße zum täglichen Anfahrtsweg gehören. Eine Fußgängerampel lehnte die zuständige Landesbehörde in den Jahren 2012/13 ab. Selber wollte die Stadt Rheine auch nicht die 40 000 Euro in die Hand nehmen, um die Signaleinrichtung selber zu bezahlen. Im zuständigen Ausschuss stimmten zehn Mitglieder dagegen und nur sieben dafür.

Eindringlicher Appell

Die Botschaft von Hendriks Unfall und die Forderungen nach einer Verkehrsberuhigung sind im Rheiner Rathaus angekommen. „Wir werden gar nicht darum herumkommen, an dieser Stelle zu handeln“, sagte Baudezernentin Milena Schauer am Montag. Die Stadt Rheine sei schon auf Straßen.NRW zugegangen und habe das Thema auf die Tagesordnung der demnächst anstehenden Jahresbesprechung setzen lassen.

Von der Dramatik der Situation und des Gesundheitszustandes des Kindes hatten Schauer und Politiker erfahren, als in der Einwohnerfragestunde der Großvater des Jungen aufgestanden war und unter tränenerstickter Stimme einen eindringlichen Appell formuliert hatte: „Es muss sich an dieser Stelle sofort etwas ändern. Nie wieder soll dort einem Kind etwas passieren!“

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