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Verhandlung vor dem Landgericht Münster

Angeklagter fühlte sich von Unbekannten verfolgt

Ahlen/Münster

Unter einer wahnhaften Störung soll der 36-jährige Angeklagte gelitten haben, als er im November des vergangenen Jahres in einem Edeka-Markt einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hat. Vor dem Landgericht in Münster sagte nun der psychiatrische Sachverständige aus.

Eva-Maria Landmesser

Am 31. Mai soll das Urteil ergehen. Foto: dpa

Nach etwa 15 Zeugenvernehmungen kam am vierten Prozesstag im Verfahren gegen einen 36 Jahre alten Mann aus Ahlen, der im November des vergangenen Jahres in einem Edeka-Markt für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt hat, weil er mehrere Kunden mit einem Messer bedroht haben soll, am Freitag der psychiatrische Sachverständige zu Wort.

Dessen Gutachten ergab, dass sich der Ahlener bei Begehung sämtlicher ihm vorgeworfener Taten aufgrund einer wahnhaften Störung im Zustand der Schuldunfähigkeit befand. „Er war so wahnhaft verändert, dass er das Unrecht der Taten nicht einsehen konnte“, erklärte der Sachverständige.

Derzeit gute kognitive Verfassung

Die Exploration des 36-jährigen hatte des Weiteren ergeben, dass seine Wahnvorstellungen etwa im Jahr 2010 begonnen hatten. Der Gutachter grenzte diese deutlich von dem Krankheitsbild einer schizoiden Psychose ab.

So habe der Angeklagte keine Halluzinationen gehabt oder Stimmen gehört. Vielmehr fühlte er sich von Unbekannten verfolgt und meinte, dass man sich mit böser Absicht gegen ihn verschworen habe. Die Wahnvorstellungen und seine anhaltende Drogensucht hätten sich sodann wechselseitig beeinflusst.

Zu Beginn seiner Ausführungen hob der Sachverständige die derzeit gute kognitive Verfassung des Ahleners hervor. Diese sei nicht mehr mit dem beleidigenden, bedrohenden und nicht zugänglichen Bild aus der Anklageschrift vereinbar und auf die medikamentöse Behandlung seiner Wahnvorstellungen zurückzuführen. „Mir geht es wesentlich besser als noch vor einem halben Jahr“, bestätigte auch der Angeklagte.

Unterbringung in Entziehungsanstalt empfohlen

Der Sachverständige empfahl daher eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. „Die wahnhafte Störung kam man mit Medikamenten gut in den Griff kriegen. Die Suchtproblematik bedarf hingegen einer längerfristigen Psychotherapie“, erläuterte er.

Nach der Stellungnahme des Sachverständigen unterbrach der Vorsitzende Richter die Hauptverhandlung. Der vorliegende Sachverhalt sei insbesondere in Hinblick auf die psychiatrische Exploration kein Standardfall und bedürfe ausreichend Zeit zur juristischen Bewertung. Am Montag (31. Mai) wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil ergehen.

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