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Vor 25 Jahren regierten Markus und Lydia Schlüter die Georgsschützen

Vanillelikör war der Renner

Mersch/Ameke

Eigentlich ginge am Pfingstwochenende in Mersch und Ameke wieder ordentlich die Post ab. Doch Corona macht den Georgsschützen auch 2021 einen Strich durch die Rechnung. Markus und Lydia Schlüter werfen die Blick zurück. Vor 25 Jahren waren sie Königspaar.

Luis Pollmüller

Zum 25-jährigen Königsjubiläum hängt eine neue Georgsfahne im Vorgarten von Lydia und Markus Schlüter. Foto: Luis Pollmüller/Archiv

Es gibt gewisse Situationen im Leben, auf die man sich nicht wirklich vorbereiten kann. Auf den ersten Kuss zum Beispiel, oder auf einen plötzlichen Gewinn im Lotto. Oder man kommt ohne jegliche Vorahnung zum Schützenfest in Ameke – und wird innerhalb von wenigen Minuten zur neuen Königin der Georgsschützen ernannt. So ist es am 24. Mai 1996, also vor fast genau 25 Jahren, Lydia Schlüter passiert.

Während auf dem Hof Wiegel zwischen Ameke und Mersch der neue König an der Vogelstange ausgeschossen wurde, war Lydia Schlüter auf der Autobahn unterwegs. „Ich arbeitete damals im Schwarzwald und war auf dem Heimweg. Auf der Höhe von Lüdenscheid stand ich im Stau und rief schon mal meine Mutter an, dass ich später auch an der Stange bin. Ich hatte damals schon ein Handy durch die Arbeit“, erzählt sie. Unterdessen holte sich Markus Schlüter die Erlaubnis von den Eltern der vermeintlichen Königin, Theo und Hedwig Kemmerling, ein. „Theo war sofort begeistert. Ab dem Zeitpunkt stand für mich dann fest, dass ich den Vogel abschieße“, erklärt Markus Schlüter rückblickend. „Ich bin dann um kurz nach 22 Uhr an der Stange gewesen. Keine fünf Minuten später kam Markus auch schon auf mich zu gerannt und fragte mich, ob ich dieses Jahr seine Königin sein möchte“, erzählt Lydia Schlüter mit einem Lachen im Gesicht.

Zwei „Mantaplatten“ und zwei Glas Bier

Dennoch war sie nicht direkt von der Idee begeistert. Mit zwei „Mantaplatten“ und zwei Glas Bier im Gepäck, versuchte sie, dem Königsanwärter vernünftig zuzureden und ihn von seinem Vorhaben abzubringen. „Doch es half alles nichts. Markus nahm die zwei Bier und sagte mir, dass er jetzt den Vogel abschießt. Ein paar Minuten später jubelte der halbe Hof – und ich stand mit zwei halben ,Mantaplatten‘ am Bierwagen und war Königin“, erzählt Lydia Schlüter lachend. Im Regen von Ameke hatte Markus Schlüter das Federvieh mit dem Namen „Edel Heini“ des vorherigen Königspaares, Werner Heinrichs und seiner Frau Edeltraud, bezwungen.

Ein Paar waren die neuen Regenten zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht. „Unsere beiden Elternhäuser liegen fünf Häuser auseinander. Wir kannten uns schon seit Kindertagen“, erzählt Markus Schlüter. Aus dem Königspaar des Jahres 1996 wurde dann aber doch ein richtiges Ehepaar. Seit 1997 sind Markus und Lydia verheiratet. Zur Familien gehören auch zwei Söhne.

Zillertaler Hochzeitsmarsch zum Ballauftakt

Nach dem Vogelschießen starteten die beiden anderen Festtage jeweils mit dem Antreten bei der Familie Wiehoff in der Bernhardstraße in Ameke. „Wir wurden damals super in Ameke aufgenommen. Deshalb haben wir uns später auch dazu entschieden, dass das Antreten auch bei uns stattfinden kann“, erklärt Lydia Schlüter. Die beiden Königsbälle eröffnete das Königspaar damals mit dem „Zillertaler Hochzeitsmarsch“. Und das Tanzfieber sollte lange anhalten. So legte das Königspaar für eine Verlängerung des Auftritts der Band damals 600 Mark auf den Tisch. „Den Betrag haben wir später beim Abrechnen mit dem damaligen Festwirt Benno Volking und dem Hofstaat verrechnet“, erklärt Markus Schlüter.

Doch neben guter Musik gab es natürlich auch viele Getränke. Vor allem Vanillelikör war damals ziemlich beliebt beim Hofstaat, der mit insgesamt 69 Personen gut bestückt war. „Die ganzen kleinen Flaschen sammelte Königsoffizier Hermann-Josef Beermann zusammen mit seiner Frau Hildegard ein. Später bekam ich die Flaschen dann als Girlande zum 30. Geburtstag geschenkt“, erinnert sich Lydia Schlüter lachend.

Das Schützenfest endete nach dem Frühschoppen am Montag mit einem „Abgrillen“ im Garten des Königs. Im nächsten Jahr ging es mit „Theo vom Öhmis-Kamp“ dem Holzvogel von Markus und Lydia Schlüter an den Kragen. Erfolgreicher Schütze war 1997 Heinrich Eckhoff, der dann zusammen mit seiner Frau Maria Georgsschützen regierte.

Markus und Lydia Schlüter würden heute auf jeden Fall noch einmal den Königsthron besteigen. „1996 war einfach eine schöne Erfahrung. Falls es sich so ergeben sollte, wären wir beide sofort dabei. Auch wenn irgendwann vielleicht unsere Söhne den Vogel abschießen sollten, werden wir sie voll unterstützen“, erklären beide. Und obwohl in diesem Jahr nicht gefeiert wird, tut sich etwas im Garten der Schlüters. Denn passend zum 25-jährigen Königsjubiläum weht die Georgsfahne an einem neuen Fahnenmast im Vorgarten.

Der Hofstaat von 1996

Zum Hofstaat von Markus und Lydia Schlüter gehörten damals folgende Paare: Werner und Edeltraud Heinrichs, Reinhard und Elke Strukamp, Theo und Magdalene Schlüter, Detlef und Ulla Schlüter, Jürgen und Petra Bröker, Ferdinand und Waltraud Reckmann, Fritz und Hanni Sipply, Heinz und Bettina Ontrop, Karl-Josef und Margret Middendorf, Willi und Inge Eckhoff, Ludger und Bernhardine Wiewelhove, Hans und Rita Drüppel, Manfred und Bianca Eckhoff, Willi und Helene Pues, Otto und Hilde Schabram, Hermann und Waltraud Havers, Franz-Josef und Anja Dahmen, Lars und Kerstin Naujocks, Karsten und Melle Sipply, Hermann-Josef und Hildegard Beermann, Theo und Hedwig Kemmerling, Werner und Martina Kemmerling, Peter und Mechtild Dahlmann, Alfons und Regina Strukamp, Thomas und Jutta Sipply, Gunter und Anneliese Weiß, Willi und Annegret Eckhoff, Hubert und Hilde Bolmerg, Werner und Esther Dörenhoff, Willi und Ulrike Bolmerg, Berni und Birgit Reining, Andreas Reckmann, Gilbert Havers und Beate Schwallenberg sowie Frank und Sandra Leismann

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