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Kommentar: Wohnzeile „Am Haus Langen“

Was ist hier gerecht?

Kommentar zur Entscheidung des Planungsausschusses, den Bebauungsplan für die östliche Baureihe an der Straße „Am Haus Langen“ zu ändern.

Klaus Meyer

Was ist in diesem Fall gerecht? Ein Autofahrer, der mit überhöhtem Tempo in die Blitzerfalle rast oder ein dickes Knöllchen fürs Parken im Halteverbot kassiert, kann sich nicht damit herausreden, er habe von den Beschränkungen nichts gewusst. Sein Verhalten wird sanktioniert. Die Bewohner der östlichen Straßenseite „Am Haus Langen“ haben viele Jahre „falsch geparkt“ und Häuser bewohnt, die sie laut Bebauungsplan von 1975 gar nicht hätten bewohnen dürfen, weil die Grundstücke Betriebsleiterwohnungen der angrenzenden Gewerbeflächen vorbehalten waren. Ist es gerecht, wenn dieses „Falschparken“ nun – Jahre und Jahrzehnte später – legitimiert wird? Ist es gerecht, dass die Objekte, die wohl deutlich günstiger entstanden sind als Häuser in regulären Wohngebieten, nun eine exorbitante Wertsteigerung erfahren? Die Gerechtigkeitsfrage ist eine schwierige an dieser Stelle der Gemeinde. Eine Lösung musste indes zweifelsohne gefunden werden. Rechts- und Planungssicherheit sind die treibenden Faktoren. Wäre die Vertreibung aus diesem Grundstücks-Paradies gerecht gewesen? Oder ein nachträgliches „Bußgeld“? Verwaltung sowie CDU und FDP entschieden „im Zweifel für die Angeklagten“. Unwissenheit, Unbekümmertheit und vielleicht auch Beharrlichkeit werden nun belohnt. Da gibt‘s einige Gewinner. Der größte ist jener Käufer, der ein 280-Quadratmeter-Haus mit 1000-Quadratmeter-Grundstück im Januar 2018 sprichwörtlich „für‘n Appel und ein Ei“ ersteigert und erfolgreich darauf spekuliert hat, dass aus der illegalen Wohnstätte schon bald eine legitimierte wird. Und es gibt Verlierer. Vor allem den Vorbesitzer jenes zwangsversteigerten Hauses, dem noch 2016 Umbaupläne von gemeindlicher Seite mit Hinweis auf die Betriebsleiterwohnungen verweigert wurden, dem die Bank dann die Unterstützung entzog, und der letztendlich in den Ruin getrieben wurde. Zu den Verlierern muss auch die Gemeindeverwaltung gezählt werden, die dem rechtswidrigen Treiben „Am Haus Langen“ viele Jahre tatenlos zuschaute. Der Eindruck, der durch diese Geschichte nun entsteht: Unrecht lässt sich mitunter auch aussitzen.

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