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300 Euro Schmerzensgeld

Beleidigung nach Überholmanöver

Lengerich/Ostbevern

Nach einem gefährlichen Überholmanöver, bei dem eine Ostbevernerin gefährdet worden war, sprach das Gericht jetzt ein Urteil.

Gernot Gierschner

ARCHIV - Eine Taube hat am 14.04.2009 auf der Justitia, die den Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg in Frankfurt am Main ziert, Platz genommen. Wer sich in einem Zivilprozess vor Gericht streitet, kann die Kosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München am Dienstag entschieden und damit seine bisherige Foto: dpa

Mit einer Vollbremsung auf der Ringeler Straße in Lengerich hat ein 38-Jähriger am 11. November vergangenen Jahres seinen Unmut über eine Pkw-Fahrerin aus Ostbevern zum Ausdruck bringen wollen. Weil ihm das offenbar noch nicht genug war in Sachen Frustabbau, stieg der Lienener aus und beleidigte die Frau sexistisch.

Die Staatsanwältin warf dem Mann aus Kattenvenne vor, gleich hinter der Kreuzung Niederlengericher Damm und Hohner Damm nach einem gewagten Überholmanöver die Vollbremsung vollzogen zu haben. „Er hat plötzlich ohne Grund gebremst – von 100 auf Null“, schilderte die Geschädigte aus Ostbevern. Bei ihrer Vernehmung wurde deutlich, dass die „Brems-Aktion“ des Angeklagten leicht zu einem schweren Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen hätte führen können. Die Frau aus der Bevergemeinde schilderte ihre Angst und ihr Entsetzen. Als der Fahrer nach dem abrupten Stopp auf sie zugestürmt sei, habe sie sich in ihrem Auto eingeschlossen.

Als weiterer Zeuge beschrieb ein Autofahrer aus Lienen, der den anderen Fahrzeugen gefolgt war, seine Eindrücke. Er habe die „Bedrohungslage“ erkannt und angehalten. Die Beleidigung habe er gehört, auch sei der Angeklagte aufgeregt gestikulierend hin- und hergerannt. Besonders hellhörig wurde der Richter, als der Zeuge schilderte, der Angeklagte habe allein im Auto gesessen. Dies war deshalb bemerkenswert, weil die Verteidigung einen Zeugen – den (angeblichen) Beifahrer des Angeklagten – hatte laden lassen. Dieser konnte aber wenig zur Aufklärung beitragen. Er gab an, die ganze Zeit über mit seinem Smartphone beschäftigt gewesen zu sein.

In seinen Einlassungen hatte sich der wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte zuvor zum Opfer stilisiert. Er habe lediglich die Zeugin, die viel zu langsam gefahren sei, überholt: „Da sind 100 Stundenkilometer erlaubt.“ Nach dem Überholvorgang sei er von der Frau mit dem Fernlicht geblendet worden, habe nichts mehr gesehen und deshalb bremsen müssen. Seine Äußerungen im Anschluss täten ihm heute leid.

Während der Verteidiger erklärte, dass sein Mandant freizusprechen sei, forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot.

Der Vorsitzende ging im Urteil deutlich über die Forderung hinaus und verurteilte den arbeitslosen Berufskraftfahrer zu einer Geldstrafe von 800 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot. Der Geschädigten sprach er ein Schmerzensgeld von 300 Euro zu. „Mit ihrer nicht verkehrsbedingten Abbremsung haben Sie Menschenleben gefährdet. Ich habe mich sogar gefragt, ob sie überhaupt geeignet sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen“, so der Richter.

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