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„Digitale Agenda“ der Stadt

Abschied von der Papierakte

Sendenhorst

In der Pandemie ist deutlich geworden, welch große Bedeutung das Thema „Digitalisierung“ in der heutigen Zeit hat. Diese Entwicklung macht auch vor der kommunalen Infrastruktur nicht Halt. Die Stadt Sendenhorst hat im Ausschuss nun ihre „Digitale Agenda“ präsentiert.

Nicole Evering

Ein schnelles Netz ist für vieles Voraussetzung, zumal die Digitalisierung immer weiter voranschreitet. Foto: Dietmar Jeschke

Homeoffice, Distanzunterricht, Kontaktnachverfolgung: Gerade durch die Pandemie ist deutlich geworden, welch große Bedeutung das Thema „Digitalisierung“ in der heutigen Zeit hat. „Corona hat dem Ganzen noch einmal einen Schub gegeben“, sagte Wirtschaftsförderin Annette Görlich, die zusammen mit ihrem Team im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss einen Überblick über die „Digitale Agenda“ der Stadt Sendenhorst gab.

Die Transformation betreffe nicht bloß die Arbeitsabläufe innerhalb der Verwaltung, sondern alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Es gehe vielmehr darum, Prozesse und Angebote anzupassen und damit zu einer intelligenten, nachhaltigen Stadtentwicklung beizutragen, durch die auch die Lebensqualität in der Kommune gesteigert werde. Dafür hat die Stadt die Handlungsfelder Mobilität, Klimaschutz, Tourismus, Bildung, Gesundheit, Bürgerbeteiligung und Wirtschaft ausgemacht.

Schaffung der technischen Infrastruktur

Auf dem Weg zu einer solchen „Smart City“ – dazu will Sendenhorst auch an kommunenübergreifenden Workshops im Kreis Warendorf teilnehmen – müsse zunächst die nötige technische Infrastruktur geschaffen werden, erläuterte Görlich. In Albersloh gebe es das „schnelle Netz“ schon seit gut fünf Jahren, in Sendenhorst sei mit dem Ausbau 2020 begonnen worden – wobei die Innenstadt weiterhin davon ausgenommen sei. Dort war die notwendige Abschlussquote nicht erzielt worden. Aber: „Die Tür ist noch nicht ganz zu“, machte die Wirtschaftsförderin Hoffnung. Man stehe in engem Kontakt mit der „Deutschen Glasfaser“, um auch die letzten Meter noch zu schaffen. Für den Anschluss der Außenbereiche soll schon bald der erste Spatenstich erfolgen. Zahlreiche städtische Gebäude, wie etwa die Schulen, das Hallenbad oder die Feuerwehr-Gerätehäuser, verfügten mittlerweile über einen Glasfaser-Anschluss. Das Rathaus werde bald entsprechend verkabelt, für das Haus Siekmann bestehe der gleiche Wunsch.

Wirtschaftsförderin Annette Görlich über den Glasfaserausbau in der Sendenhorster Innenstadt

Auch in Sachen „E-Government“ tut sich etwas. In den internen Arbeitsabläufen der Verwaltung geht der Weg weg vom Papier hin zur digitalen Akte. Das gesamte Dokumentenmanagementsystem sei aktuell in der Umstellung. Online-Bewerbungen beispielsweise seien schon jetzt möglich, in wenigen Monaten soll auch die Bestellung von Geburts- und Sterbeurkunden beim Standesamt auf elektronischem Weg erfolgen können. Im Zuge dessen sei zudem ein Relaunch der städtischen Homepage noch für dieses Jahr vorgesehen. Dies sei eine Frage der Nutzerfreundlichkeit und des barrierefreien Zugangs. Die digitale Bürgerbeteiligung, zum Beispiel über Video-Sprechstunden, soll weiter ausgebaut werden.

Beim Instrument des Mach-Mit-Managements, das es seit 2013 gibt, soll der Service weiter verbessert werden. In diesem Bereich seien beinahe jährliche Steigerungen der Nutzerzahlen zu verzeichnen. „Die Bürger sind aufmerksamer geworden für ihr Umfeld“, berichtete Sabine Nienkemper, die das Projekt in der Verwaltung betreut. Allein in diesem Jahr habe es bereits 111 Eingänge gegeben – nach jeweils 52 in den Jahren 2019 und 2020. Hauptanliegen seien die Bereiche Verkehr, Abfallbeseitigung, Straßenbeleuchtung – und neuerdings auch Fragen rund um das Thema Corona. Die Möglichkeit der mobilen Kontaktaufnahme soll im Zuge der neuen Website-Gestaltung optimiert, die Interaktivität gesteigert werden.

Tablets für alle Ratsmitglieder

Auch die Arbeit der politischen Gremien sei verstärkt ins Netz verlagert worden. Das digitale Ratsinformationssystem ist über die Homepage der Stadt zugänglich, öffentliche Vorlagen sind dort von jedermann einzusehen. Dazu seien alle Ratsmitglieder und Dienstbereichsleiter mit Tablets ausgestattet worden, was einen deutlichen Rückgang der gedruckten Sitzungsunterlagen zur Folge gehabt habe, erläuterte Nienkemper. Den sachkundigen Bürgern soll in Kürze ein Zugang zum geschützten Bereich des Ratsinformationssystems eingerichtet werden.

Mobile Endgeräte habe es auch für alle Zweitklässler in der Stadt gegeben. 190 iPads seien aktuell im Umlauf, weitere sollen folgen. W-Lan gebe es mittlerweile an allen Schulen, auch der Breitbandausbau sei angestoßen – wobei Sendenhorst wieder mit dem sprichwörtlichen Flaschenhals zu kämpfen habe, weil es dort eben kein flächendeckend schnelles Netz im Stadtkern gibt.

„Das Thema Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, fasste Bürgermeisterin Katrin Reuscher zusammen. Man könne schon auf einiges zurückgreifen, verfüge über ein gutes Fundament. „Aber es bleiben noch viele große Aufgaben, die sowohl Hardware, als auch Menpower verlangen. Da müssen wir dranbleiben.“ Michael Thale (BfA) merkte an, dass es bei allen Chancen auch Risiken gebe und man den Datenschutz nicht aus den Augen verlieren dürfe. Und Josef Lammerding (FDP) betonte, dass auch das Personal entsprechend geschult werden müsse, um die neue Technik auch anwenden zu können.

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