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Naturfördergesellschaft Sendenhorst hat noch viele Ideen für den Hof Schmetkamp

Das Juwel braucht Kümmerer

Sendenhorst

Im September 1990 stellte der damalige Ratsherr Bernhard Daldrup den Antrag, einen Verein zu gründen, der sich dem Umweltschutz widmet. Ein Jahr später wurde die Naturfördergesellschaft gegründet. Nun feiert sie ihren 30. Geburtstag: ein Blick zurück und in die Zukunft.

Nicole Evering

Die Luftaufnahme zeigt den Hof Schmetkamp vor dessen Zerstörung durch einen Blitzeinschlag im Jahr 1979. Dank des Einsatzes der Naturfördergesellschaft und anderer Gruppen ist das Gelände zu einem Naherholungsgebiet am südöstlichen Stadtrand geworden. Foto: Nicole Evering

Der Monat September hat für die Naturfördergesellschaft (NFG) eine ganz besondere Bedeutung. War es doch im September 1990, als Bernhard Daldrup (SPD) den Antrag stellte, einen Verein zu gründen, der sich dem Umweltschutz widmet. Genau ein Jahr später, im September 1991, wurde die NFG mit damals 17 Mitgliedern gegründet. In diesem Herbst soll ihr 30. Geburtstag gefeiert werden. Wenn Corona es zulässt, wird es am 25. September ein großes Apfelfest geben.

Dreh- und Angelpunkt der meisten Vereinsaktivitäten ist das Gelände rund um den Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Hof Schmetkamp in der Bauerschaft Bracht. Die Fläche am südöstlichen Stadtrand ist seit Ende der 1960er Jahre im Besitz der Stadt, eigentlich war dort ein Gewerbegebiet vorgesehen. Doch aus dem Rat gab es großen Rückhalt, stattdessen Landschaftspflege zu betreiben und damit verbunden auch Klimaschutz und -bildung zu fördern.

Am Hof Schmetkamp hat sich seit 1992 viel getan

Am Hof Schmetkamp hat sich viel getan, seitdem 1992 damit begonnen worden war, das knapp 19 Hektar große Gelände zu einem Naherholungsgebiet umzugestalten. „Es gibt alte Fotos, auf denen sind bis zum Horizont nur Ackerflächen zu sehen“, weiß Kassiererin Edith Harig. Gerade in den vergangenen Jahren hätten sich immer mehr Aktive eingebracht, sagt Wolfgang Huth, einst Leiter des städtischen Umweltamtes und heute noch in verschiedene kommunale Projekte involviert. Die Verbindung zwischen Verwaltung und Verein ist seit jeher stark ausgeprägt. Es gibt sowohl finanzielle als auch personelle Unterstützung. Qua Amt ist der Bürgermeister auch Vereinsvorsitzender. Im vergangenen Jahr ist Katrin Reuscher also gleich doppelt in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. 1991 war Franz-Josef Reuscher erster NFG-Chef.

Von Bienenhaus bis Obstbaumallee

Viele Projekte sind in den vergangenen Jahren umgesetzt worden: Es gibt zum Beispiel den von der Montessori-Schule bewirtschafteten Bauerngarten, ein Bienenhaus, eine Obstbaumallee, den 2009 von Pfadfindern und Landjugendlichen mitgestalteten Natur-Erlebnispfad und das „Grüne Klassenzimmer“. Nicht zu vergessen den Schützen- und Bürgerwald, den die beiden örtlichen Schützenvereine schon einige Jahre zuvor angelegt hatten und seitdem pflegen. Die Kooperation mit anderen Vereinen und Institutionen hatten sich die NFGler von Beginn an auf die Fahnen geschrieben. „Das Ziel ist, möglichst alle Gruppen in der Stadt einzubeziehen“, sagt Geschäftsführer Rolf Löckmann. Und Wolfgang Huth ergänzt: „Es soll eine Verbundenheit zum Projekt entstehen, das ja eines von Bürgern für Bürger ist. Grundvoraussetzung dafür ist, viele an Bord zu kriegen.“ Dass es in Sendenhorst ohnehin viele ehrenamtlich Tätige gebe, sei dabei ein großer Vorteil, findet Edith Harig.

Edith Harig

Und den Aktiven gehen die kreativen Ideen nicht aus, auch wenn sie durch Corona in ihrem Elan unfreiwillig ein wenig eingebremst worden sind. Das Gelände im Südosten der Stadt soll ein außerschulischer Lernort für Natur- und Klimaschutz werden, den alle Generationen nutzen können. Dafür soll die alte Scheune, die bislang eher als Lager dient, aufgewertet werden. Geplant sind etwa eine Photovoltaik- und eine Mini-Kläranlage, sodass das Gebäude völlig autark betrieben werden könnte, ohne Anbindung an Stromnetz oder Kanalisation. Gemeinsam mit dem Nabu wird an einem Konzept gearbeitet, ein Förderantrag ans Landesumweltministerium wurde gestellt. Nun warten die Naturschützer auf einen positiven Bescheid aus Düsseldorf. Sollten die Mittel fließen und die NFG externe Beratung für das Großprojekt in Anspruch nehmen können, soll es auch eine Fragebogenaktion geben, um von allen potenziellen Nutzern zu erfahren, wer sich was von diesem neuen Lernort wünscht und wer sich bei der Umsetzung einbringen möchte.

Rolf Löckmann ist Sprecher der Naturfördergesellschaft. Foto: Josef Thesing

Aus der Initiative „8 Plus Vital NRW im Kreis Warendorf“ hat der insgesamt 55 Mitglieder starke Verein unterdessen bereits Fördergelder akquiriert. Unter dem Motto „Nicht eilen, sondern verweilen“ sind damit jüngst zwei drehbare Liegen aufgestellt worden. Zeitnah soll noch der etwa 60 Meter lange Weg dorthin, der nach Regen teils recht matschig ist, gekiest oder geschottert werden. Angedacht ist zudem, eine Kartierung der Wegraine vornehmen zu lassen, um auf dieser Grundlage ein neues Mähkonzept zu erstellen. „Eine Idee aus der Bevölkerung“, wie Edith Harig weiß. Zudem gibt es den Wunsch, dauerhaft Schafe auf den Weiden grasen zu lassen, um die Artenvielfalt noch weiter zu fördern.

Kinder und Jugendliche für die Natur sensibilisieren

„Der Hof Schmetkamp ist ein Juwel, das genutzt werden muss“, findet Rolf Löckmann. Dafür brauche es aber Kümmerer. Deshalb ist das Bestreben groß, auch den Nachwuchs in die Arbeit einzubeziehen. Für Schüler und Studenten gilt beispielsweise ein reduzierter Jahresbeitrag von zehn statt 30 Euro. Geplant ist auch, in den Ferien wieder interessante Programmpunkte auf dem Gelände stattfinden zu lassen. „Wir möchten Kinder und Jugendliche sensibilisieren, sich für Natur- und Klimaschutz zu interessieren“, so der Vorstand.

Der Plan zeigt das Gelände am Hof Schmetkamp. Foto: Josef Thesing

Zum diesjährigen runden Geburtstag wären natürlich Jung und Alt gleichermaßen eingeladen – wenn er denn im Herbst gefeiert werden darf. Und was sollte auf einem Apfelfest dann keinesfalls fehlen? Apfelsaft natürlich. Gerne möchte die NFG neben ihrer kleinen handbetriebenen auch eine größere mobile Saftpresse aufstellen. In die Vermarktung des Sendenhorster Apfelsaftes hatte die NFG in ihren Anfangsjahren viel Zeit investiert. „Das hatte sich eigentlich gut etabliert, war vom Vorstand aber irgendwann nicht mehr zu stemmen und musste eingestellt werden“, weiß Wolfgang Huth. Vor sechs Jahren wurde die Aktion wiederbelebt, 2016 konnten dank einer Rekordernte sogar 6000 Flaschen abgefüllt werden. Diesen Aspekt noch weiter auszubauen, hat sich der 2017 neu gewählte Vorstand zum Ziel gesetzt. Das erste Apfelfest 2018 habe dann für eine regelrechte Euphorie gesorgt, erinnert Rolf Löckmann. Die Naturförderer hoffen, daran nach der Corona-Zwangspause in diesem September anknüpfen zu können.

Personalien

Den Vorsitz der Naturfördergesellschaft übernahm bei der Vereinsgründung 1991 Bürgermeister Franz-Josef Reuscher. Geschäftsführer war Dr. Herbert Fritsche, sein Stellvertreter Werner Wenning-Schulze Horstrup. Den Schriftführerposten bekleidete Anton Bohlen, Kassierer war Eberhard Bonse. Heute bilden folgende Personen den Vorstand: Bürgermeisterin Katrin Reuscher als Vorsitzende, Geschäftsführer Rolf Löckmann, seine Stellvertreterin Gudrun Kalthoff, Schriftführerin Maria Wiggers und Kassiererin Edith Harig.

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