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Seniorenwohngemeinschaft St. Anna

Endlich ist wieder mehr Leben möglich

Sendenhorst

In der Seniorenwohngemeinschaft St. Anna sind Anfang Januar die ersten Corona-Schutzimpfungen in Sendenhorst verabreicht worden. Dort herrscht nun seit einigen Wochen schon fast so etwas wie Normalität. Treffen und sogar kleine Feste sind wieder möglich.

Nicole Evering

Seitdem Bewohner und Mitarbeiter in den Altenheimen mehr oder weniger durchgeimpft sind, ist in den Einrichtungen wieder deutlich mehr Alltag möglich. Foto: dpa

Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene: Die gibt es seit dem vergangenen Wochenende. Dort, wo das Coronavirus zu Beginn der Pandemie am heftigsten gewütet hat, nämlich in den Alten- und Pflegeheimen, hat sich die Lage ebenfalls deutlich entspannt. In der Seniorenwohngemeinschaft St. Anna etwa, in der Anfang Januar die ersten Schutzimpfungen in Sendenhorst verabreicht worden waren, herrscht schon seit einigen Wochen wieder fast so etwas wie Normalität. „Bei uns ist schon länger wieder mehr Leben möglich als vielleicht in anderen Bereichen der Gesellschaft“, berichtet Johannes Mersmann, Geschäftsführer der Trägergesellschaft St. Anna.

Ein Blick zurück: Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass in den Senioreneinrichtungen alle geselligen Angebote eingestellt wurden und auch Besucher nicht mehr willkommen waren. Die Angst, sich mit ihnen auch das Virus ins Haus zu holen, war in den Heimen besonders groß. „Rückblickend“, meint Mersmann, „ist dieser Schritt vielleicht überzogen gewesen. Aber ich verstehe, dass man seitens der Politik Maßnahmen ergreifen musste.“ Man habe, auch durch andere Erkrankungen wie etwa das Norovirus, in der Pflege ohnehin ein Gefühl dafür entwickelt, was verantwortbar sei. Mittlerweile sei zumindest für die von ihm geleiteten Einrichtungen klar: In erster Linie seien infizierte Mitarbeiter für Ansteckungen verantwortlich, an zweiter Stelle Bewohner, die Corona-positiv aus Krankenhäusern zurückkehrten. Erst dann folgten die Angehörigen als dritter Übertragungsweg.

Herdenimmunität im kleinen Stil

Mittlerweile gebe es eine Art Aufbruchstimmung, so Mersmann. Durch den vollständigen Schutz – zu Jahresbeginn hatten sich 70 Prozent der Mitarbeiter und sogar 100 Prozent der Bewohner zur Impfung entschlossen – herrscht in der WG an der Gartenstraße quasi Herdenimmunität im kleinen Stil. Den Bewohnern seien sogar schon Karnevalsfeiern ermöglicht worden, blickt Mersmann einige Wochen zurück. Und einen Kranz zum 1. Mai habe man vor Kurzem ebenfalls gebunden und aufgehängt.

Johannes Mersmann ist Geschäftsführer der Gesellschaft St. Anna, die Trägerin der Sendenhorster Senioren-WG ist. Foto: Foto: St. Anna GmbH

Dabei gelte zum einen die Devise, die Vermischung einzelner Wohngruppen im Haus nicht zu forcieren. Sprich: Wer sich gut versteht, sitzt immer zusammen. Und auch die Mitarbeiter seien in Teams ein- und immer denselben Senioren zugeteilt. „So lassen sich bei einer Infektion die Kontaktpersonen schnell eingrenzen.“ Zum anderen bleibe man eben möglichst unter sich. „Das große Sommerfest, zu dem auch alle Angehörigen eingeladen sind, feiern wir noch nicht.“ In den Einrichtungen aber wieder mehr Alltag zuzulassen, das gehe schlicht gar nicht anders, findet Johannes Mersmann. „Manche Bewohner haben vielleicht nur noch ein, zwei Jahre. Deren Leben dürfen wir auf Dauer nicht so stark einschränken.“ Sie würden beispielsweise auch nur noch bei Symptomen schnellgetestet und nicht mehr regelmäßig alle zwei Tage.

Geschäftsführer Johannes Mersmann

Was von der Wissenschaft über den Impfschutz kommuniziert wird, lässt sich bei den rund 400 Menschen, die zusammengerechnet in allen St.-Anna-Einrichtungen sowohl stationär als auch ambulant betreut werden, auch in der Praxis belegen: Wer doppelten Impfschutz hat, ist zwar nicht gänzlich vor einer Ansteckung gefeit, wohl aber vor einem schweren Krankheitsverlauf. „Wir haben aktuell ein älteres Ehepaar in der ambulanten Betreuung, beide mit vollem Impfschutz, beide mit Vorerkrankungen, beide Corona-positiv“, so Mersmann. Dem Paar gehe es soweit gut.

In der Wohngemeinschaft an der Gartenstraße wurden Bewohner und Mitarbeiter Anfang Januar gegen Corona geimpft. Foto: Foto: St. Anna

Ähnlich gut sei die Stimmung unter den Bewohnern. „Die sind am entspanntesten von allen, habe ich das Gefühl“, sagt Mersmann schmunzelnd. Nicht wenige Ältere dächten: „Was macht ihr da eigentlich fürn Theater drum? Wir haben schon ganz andere Sachen erlebt.“ Schwierig sei es bei den Senioren, die nicht mehr komplett orientiert seien. Diese hätten sich beispielsweise noch immer nicht daran gewöhnt, dass sie nur noch von Menschen mit Mund-Nase-Schutz gepflegt würden. Belastend sei die Situation auch für die Mitarbeiter, die den ganzen Tag FFP2-Maske tragen, regelmäßig getestet werden, aus ihren gewohnten Teams gerissen wurden und auch nur noch für einen bestimmten Personenkreis zuständig sind. „Zu Beginn haben wir sogar gemeinsame Raucherpausen untersagen müssen“, so der Geschäftsführer. Das trage nicht unbedingt zu mehr Spaß bei der Arbeit bei.

Personalausfall durch Quarantänefälle

Nicht zu unterschätzen gewesen sei zudem der Personalausfall, der sich in den zurückliegenden Monaten durch die hohe Zahl der Quarantänefälle angehäuft habe. Da mussten die Einrichtungsleitungen kurzfristig Ersatz besorgen und Dienstpläne anpassen. Ein enormer organisatorischer Aufwand, der durch die ständig geänderten Regeln und Verordnungen und das schnelle Reagieren darauf ohnehin zusätzlich gestiegen sei. „Das war zermürbend.“

Was er aber ebenfalls nicht vergessen habe, sei die Welle der Solidarität gewesen, betont Johannes Mersmann. „So viele Süßigkeiten wie im vergangenen Jahr haben wir noch nie geschenkt bekommen.“ Und – wohl ein Nebeneffekt der weiterhin desolaten Lage im Bereich Gastronomie – die Zahl der Bewerbungen von Menschen aus eben dieser Branche, die sich nun für einen Job in der Pflege interessieren, habe ebenfalls zugenommen. „Das ist eine schöne Entwicklung, denn gutes Personal wird immer gebraucht“, weiß Mersmann.

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