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Pater Babu spricht über die Corona-Situation in Indien

„Ich mache mir große Sorgen“

Albersloh

In Indien wütet das Coronavirus besonders heftig. Jeden Tag sterben unfassbar viele Menschen. Pater Babu aus Albersloh steht mit seinem Heimatland in ständigem Austausch. Und er macht sich große Sorgen – auch um Freunde, Verwandte und Mitbrüder.

Christiane Husmann

In Indien sterben unfassbar viele Menschen an Corona. Sie werden verbrannt. Foto: dpa

Man kennt ihn in der Gemeinde als fröhlichen und zuversichtlichen Menschen: Pater Babu Kollamkudy. Doch derzeit macht er sich große Sorgen. In seinem Heimatland Indien wütet Corona auf unvorstellbar brutale Weise. „Es ist sehr, sehr schrecklich, was dort passiert“, sagt der Geistliche, der täglich mit Menschen dort telefoniert.

Die Medien berichten regelmäßig über die verheerenden Zustände in Indien: Pater Babu fasst die Situation zusammen: „Es fehlen Sauerstoff und Medikamente, die Krankenhäuser sind voll, viele Menschen sterben.“ Die Bevölkerungsdichte, ein mangelhaftes Gesundheitssystem, Armut und dann noch Massenveranstaltungen wie das große Kumbh-Mela-Fest der Hindus nennt der Geistliche als Gründe für den starken Ausbruch des Virus. „Es gibt ja noch nicht einmal genügend Masken“, so der Pater, der erst gerade mit dem sogenannten Provinzhaus in Kerala telefoniert hat. „Dort haben sich alle Priester mit Corona infiziert.“ Noch schlimmer sind die Nachrichten, die Pater Babu über das Heim hört, in dem emeritierte Priester wohnen: „Alleine an einem Tag sind dort sechs Brüder gestorben.“

Sechs Brüder an einem Tag gestorben

Oft und viel denkt Pater Babu an seine Mutter. „Sie ist 74 und geht überhaupt nicht mehr aus dem Haus.“ Auch in Indien gäbe es eine Priorisierung, nach der zuerst die Alten und Kranken geimpft würden – „aber womit?“, fragt sich der 50-Jährige, der davon berichtet, dass für die vielen in Indien lebenden Menschen noch längst nicht genug Impfstoff zur Verfügung stünde. „Gut ist, dass jetzt aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und Amerika Hilfe kommt“, findet er. Beatmungsgeräte, Medikamente, Sauerstoffaufbereitungsanlagen – Hilfslieferungen seien auf den Weg gebracht.

Die Sorgen stehen Pater Babu ins Gesicht geschrieben. Foto: Christiane Husmann

„Den indischen Priestern hat das Bistum Ausreiseverbot erteilt“, erzählt Pater Babu, der aber sowieso aktuell nicht nach Indien reisen würde. „Hier in Deutschland ist die Lage ja verhältnismäßig gut“, findet er und wundert sich: „Menschen gehen auf die Straße, um gegen Verordnungen oder das Impfen zu protestieren – das finde ich komisch.“ Merkwürdig findet er auch, dass sich aktuell viele wütend zeigten, anstatt sich zu freuen, gesund zu sein.

Viele haben Angst

Als Seelsorger kommt Pater Babu mit vielen Menschen ins Gespräch. „Einige Gemeindemitglieder haben Angst“, weiß er. Während sich die einen um die Gesundheit sorgten, fürchteten die anderen wirtschaftliche Auswirkungen. „Natürlich kann ich die Sorgen verstehen, möchte den Menschen aber auch Mut machen, zuversichtlich zu bleiben.“ Bei aller Angst, die weltweit herrsche, sei andererseits viel Solidarität sichtbar geworden.

Pater Babu

Auch in Indien. „Die Priester in unserem Provinzhaus sind alle in Quarantäne. Andere Brüder oder Nachbarn versorgen sie mit Lebensmitteln“, freut sich der Geistliche über die Hilfe. Und auch in Deutschland sei die Solidarität der Menschen untereinander groß.

Weit weg von der Familie hofft Pater Babu darauf, irgendwann wieder nach Indien reisen zu können. Verfolgt man die aktuelle Nachrichtenlage, dürfte das wohl noch dauern. „Wir wissen nicht, ob wir uns überhaupt noch wiedersehen“, äußert der Pater die Sorge um seine Mutter und seine beiden Brüder. Gedanken, die wohl nur schwer zu ertragen sein dürften.

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