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Gespräch mit dem früheren Propst Heinrich Tietmeyer

Ein Seelsorger aus tiefer Überzeugung

Telgte

Nach seinem Abschied aus Telgte im Jahr 2004 zog es ihn zurück in seine Heimat, ins Westmünsterland. Heinrich Tietmeyer war 20 Jahre lang – von 1984 bis 2004 – Propst der Kirchengemeinde St. Clemens. Was macht er eigentlich heute? Die WN fragten nach.

Bernd Pohlkamp

Telgtes früherer Propst Heinrich Tietmeyer Foto: Andreas Große Hüttmann

In einer Serie unter dem Titel „Was macht eigentlich“ werden die Westfälischen Nachrichten in den kommenden Monaten immer mal wieder Personen vorstellen, die Telgte auf die eine oder andere Art und Weise jahrelang geprägt haben oder gebürtig Kinder der Emsstadt sind. Zum Auftakt geht es heute um Heinrich Tietmeyer.

Heinrich Tietmeyer war 20 Jahre lang – von 1984 bis 2004 – Propst der Kirchengemeinde St. Clemens. Immer an seiner Seite war seine Schwester Antonia, die ihn seit 56 Jahren begleitet und unterstützt. „Dafür bin ich ihr sehr dankbar,“ sagt Heinrich Tietmeyer.

2004 zurück in die Heimat

Nach seinem Abschied aus Telgte im Jahr 2004 zog es ihn zurück in seine Heimat, ins Westmünsterland. Weil er in Metelen 1935 das Licht der Welt erblickte, dort aufwuchs und seine Großmutter in Rheine lebte, hatte er zeitlebens eine enge Beziehung dorthin.

Zehn Kinder wuchsen im Hause der Familie Tietmeyer in Metelen auf. Der Vater war Amtsrentmeister der Gemeinde, die Mutter kümmerte sich um die sieben Jungen und drei Mädchen. „Priester zu werden war mein Wunsch, weil ich in meiner Kindheit mit Pfarrer Alfons Wevering einen Kaplan in Metelen erlebte, der mich über seine seelsorgerische Tätigkeit hinaus als Mensch begeisterte hat. Zudem stand für mich fest: So einer will ich auch werden“, erzählt der Geistliche.

Als Mensch begeistert

Besagter Kaplan gründete in Metelen am Fronleichnamstag des 2. Juni 1946 den Tischtennisverein TTV Metelen und wurde deren Gründungsvorsitzender. Tietmeyer erinnert sich: „Metelen ist eine Tischtennishochburg, wurde Deutscher Mannschaftsmeister und zweimal sogar Deutscher Pokalsieger. Der Verein spielte mehrere Jahre in der Bundesliga. Dieser Kaplan Wevering und das, was er für die Gemeinde geleistet und wie er das in den Nachkriegsjahren getan hat, bleibt für mich unvergessen und hat mich in meinem Glauben gestärkt, den Weg ins Priesteramt zu gehen.“

Um Priester zu werden besuchte Heinrich Tietmeyer das Gymnasium in Ibbenbüren. Von 1947 bis 1955 lernte er auf der Schule, lebte bei seiner Tante, die ihn als pensionierte Lehrerin bis zum Abitur betreute und begleitete.

Heinrich Tietmeyer: Der Dreh- und Angelpunkt seiner Telgter Zeit waren die Wallfahrten. Foto: Andreas Große Hüttmann

Als Heinrich Tietmeyer im Juni 1961 im Dom zu Münster von Bischof Michael Keller zum Priester geweiht wurde, dachte noch niemand an Großpfarreien und Kirchenschließungen. „Das waren später für uns alle schmerzhafte Einschnitte,“ sagt Heinrich Tietmeyer. 49 Priester wurden 1961 geweiht. Zu jener Zeit war es noch üblich, dass die Messe bis 1965, vor dem Ende des II. Vatikanischen Konzils, in lateinischer Sprache gehalten wurde.

Nach der Priesterweihe folgten Kaplanstellen in Hiltrup, Datteln und Stadtlohn. 1972 wurde Tietmeyer Pfarrer der Katholischen Herz-Jesu-Kirche im Weseler Ortsteil Feldmark. Zwölf Jahre lang war er dort tätig, bevor er im April 1984 zum Pfarrer und Propst der Kirchengemeinde St. Clemens (heute St. Marien) berufen wurde.

Der Höhepunkt und gleichzeitig der krönende Abschluss seines erfolgreichen Berufslebens war für ihn das 350-jährige Wallfahrtsjubiläum im Jahr 2004. Neben einem päpstlichen Gesandten nahmen mehrere Bischöfe an dieser Jubiläumsfeier teil.

Ruhestand in St. Dionysius

Seit seiner Verabschiedung im November 2004 lebt Heinrich Tietmeyer im Ruhestand in St. Dionysius in Rheine und arbeitet dort weiterhin in der Seelsorge mit. Mit seiner Schwester Antonia, die ihn seit 1964 begleitet, kehrte er in seine Heimat zurück. Inmitten der Stadt Rheine fanden beide ein neues Zuhause.

Das war vor bereits 17 Jahren. Gerne erinnert sich Tietmeyer an seine Zeit als Propst von St. Clemens zurück. „Das war ein Lebensabschnitt, der mich als Seelsorger geprägt hat. Sowohl die Kontakte zur Gemeinde als auch die Gestaltung der Jugendarbeit mit Messdienern, Kommunion- und Firmvorbereitung sowie deren Durchführung waren meine Herzensangelegenheiten.“ Immer wieder beschäftigte sich Heinrich Tietmeyer seinerzeit zudem mit der Frage: Wie kann es gelingen, den Glauben an junge Menschen weiterzugeben? Zudem bereitete er sich auf zahllose Predigten in den Gottesdiensten, zu Trauerfeiern und Hochzeiten oder Kindtaufen vor.

Zu seinen persönlichen Schwerpunkten gehörten auch Hausbesuche. Über 5000 waren es in seiner Zeit als Propst in Telgte. „Täglich habe ich wenigstens ein Mitglied der Gemeinde besucht“, erinnert sich der Geistliche. Der Dreh- und Angelpunkt seiner Telgter Zeit waren allerdings die Wallfahrten. „Wallfahrten haben mir immer viel Freude bereitet. Menschen auf dem Pilgerweg zu begleiten und in Telgte empfangen zu dürfen, das waren fast im Tagesrhythmus Höhepunkte“, blickt Heinrich Tietmeyer mit Dank auch an diesen Abschnitt zurück. Pilger zu sein, das ist für ihn das Symbol für das Unterwegssein der Christen.

In Rheine ist Heinrich Tietmeyer, wenn gewünscht, weiter in der Seelsorge tätig. Er hält Predigten, spendet Sakramente, feiert Gottesdienste und sucht weiterhin den Kontakt zu den Gläubigen. „Gespräche sind mir immer schon sehr wichtig gewesen“, sagt der 86-Jährige. Die Corona-Pandemie hat diese Tätigkeiten jedoch durchkreuzt. „Ich fahre immer noch viel mit meinem Fahrrad, halte mich so fit und bilde mich natürlich weiter. Theologische Bücher, Neuerscheinungen und Lehrbücher für Pfarrer interessieren mich.“

Außerdem ist da noch die Familie. Sechs Geschwister leben noch. Als geistlicher Beirat ist er bei den Senioren in der Kirchengemeinde St. Dionysius Rheine ebenso aktiv wie in der Dekanats-Altenkonferenz. Außerdem kümmerte er sich jahrelang um das Pfarrarchiv. Er hat dafür Protokolle aus 100 Jahren Kirchenvorstandsarbeit (1875 bis 1972) computertechnisch erfasst.

Noch eine Leidenschaft prägt das Leben von Heinrich Tietmeyer. „Zu normalen Zeiten spiele ich gerne jeden Donnerstag Doppelkopf. Das geht derzeit nicht.“

Sein Diamantenes Priesterjubiläum feiert Heinrich Tietmeyer am 24. Juni. Wegen der Pandemie findet dieses nur im kleinen Kreis statt.

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