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Sophie Herzig hat eine ungewöhnliche Leidenschaft

Fasziniert von den Räubern der Tiefe

Telgte

Sophie Herzig hat eine ungewöhnliche Leidenschaft. Die 16-jährige Telgterin ist fasziniert von Haien.

A. Große Hüttmann

Sophie Herzig ist von Haien fasziniert. Foto: Andreas Große Hüttmann

Sophie Herzig muss nicht lange überlegen. „Ich muss ziemlich genau drei Jahre alt gewesen sein, als mich bei einem Urlaub in Cuxhaven ein aufblasbarer Plastikhai an einem der vielen Verkaufsstände am Strand fasziniert hat“, sagt die 16-jährige Telgterin. Die Faszination für Haie ist geblieben, und seit Jahren beschäftigen die Meerestiere, vor denen viele ihrer Altersgenossen möglicherweise Angst haben, die Gymnasiastin ungemein.

Mehr Tote durch herabfallende Kokosnüsse

Schon in ihrer Kindheit drehte sich bei der Telgterin vieles um die ungewöhnlichen Knorpelfische, von denen weltweit rund 500 Arten bekannt sind. Während andere Altersgenossinnen etwa mit Pferden spielten, waren das bei Sophie Herzig diese Fische, die spätestens seit dem Film „Der weiße Hai“ vor allem eines verbreiten – Schrecken. Die 16-Jährige findet das fast schon amüsant. „Ich habe den Film bereits in jungen Jahren geschaut und finde es unverständlich, dass viele Menschen Angst vor Haien haben“, sagt sie. Und zur Bestätigung argumentiert die Gymnasiastin mit Zahlen. Jährlich gebe es weltweit rund 42 Tote beim Skifahren, etwa 150 durch herabfallende Kokosnüsse und lediglich zwischen fünf und zehn Tote durch Haiangriffe.

Später Haiforscherin werden

Für sie sind die Knorpelfische vor allem eines – faszinierende Geschöpfe der Weltmeere. Deshalb dreht sich in ihrer Freizeit und in ihrem Jugendzimmer vieles um die ungewöhnlichen Tiere. Ob die passende Literatur, Fotos verschiedener Haiarten und mehr: Die Telgterin hat seit Jahren nur noch ein Ziel. Sie möchte Meeresbiologie studieren und später Haiforscherin werden.

Sophie Herzig

Denn die Bedeutung dieser Fische für das Ökosystem sei immens, betont sie. „Haie stehen an der Spitze der maritimen Nahrungskette. Durch das Aussterben der Haie, etwa durch menschliche Eingriffe, käme es zu einer Überpopulation anderer Arten und somit auch zum Aussterben ihrer Beute. Letztlich würde dieses bedeuten, dass Sauerstoff produzierendes Phytoplankton verschwinden würde und damit der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre um rund drei Viertel abnehmen würde, weiß die Telgterin.

Sophie Herzig

Dass Haie mittlerweile zu den bedrohteren Arten zählen, hat mit dem Menschen zu tun. „Gejagt werden Haie vor allem wegen ihrer Flossen, aus denen dann vor allem im asiatischen Raum Haiflossensuppe gekocht wird“, sagt die Gymnasiastin. Um das zu verhindern, steht sie mit Hai-Begeisterten in Deutschland und aller Welt in Kontakt. Im Rahmen einer europäischen Bürgerinitiative unter dem Titel „Stop Finning“ sammeln die Aktivisten Unterschriften, um das weitere Abschlachten der Haie zu verhindern.

Abschlachten der Haie verhindern

Sie hält daher über verschiedene Gruppen und Foren Kontakt zu anderen Gleichgesinnten, die sich ebenfalls für die Knorpelfische interessieren. Regelmäßige Online-Konferenzen gibt es, zudem viele Informationen. Aktuell sammelt die Gruppe Unterschriften, um das weitere Abschlachten der Haie zu unterbinden. Zusammen mit einer Freundin hat Sophie Herzig in Teilen Telgtes bereits Flyer mit den wesentlichen Informationen verteilt und hofft auf den einen oder anderen Unterstützer der Aktion.

„Shark School“ auf den Bahamas besuchen

Doch nicht nur damit beschäftigt sich die Telgterin, sondern mit sämtlichen Aspekten der Knorpeltiere. Zahlreiche wissenschaftliche Bücher hat sie im Regal stehen, zudem sammelt sie entsprechende Informationen aus dem Internet und steht auch in diesem Bereich in Kontakt mit Gleichgesinnten. Ein Vorbild ist für die Telgterin dabei Dr. Erich Ritter, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Der Wissenschaftler galt weltweit als „Fürsprecher der Haie“ und hat auf den Bahamas die sogenannte „Shark School“ gegründet. Das Ziel dieses Projektes war und ist es, unter fachkundiger Anleitung in dieser „Hai-Schule“ den Tieren nicht nur näher zu kommen, sondern sich auch näher mit ihnen zu beschäftigen. Denn nur durch das Verständnis für diese Tiere könne es letztlich gelingen, ihren Bestand langfristig zu sichern, ist Sophie Herzig überzeugt.

Sophie Herzig

Daher ist es ihr Traum, nach dem Abitur in rund zwei Jahren selbst auf die Bahamas zu fliegen und in der „Hai-Schule“ mit ihnen näher in Kontakt zu kommen. Einen Tauchkurs hat sie bereits begonnen, musste ihn aber wegen der Corona-Pandemie unterbrechen. Und danach, auch das steht weiter fest, will die 16-Jährige Meeresbiologie studieren und etwas von der Faszination dieser Tiere an andere weitergeben. Und sie will vor allem eines erreichen: „Ich will versuchen, den Menschen zu zeigen, dass Haie keineswegs gefährlich sind.“

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