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Schreibaktion im Schaufenster

„Flüchtige Worte“

Telgte

Sie waren alles andere als „flüchtig“, die Worte, die im Rahmen der szenischen Schreibaktion von Marion und Arnold Illhardt zusammengetragen wurden. Aus ganz Deutschland und natürlich auch aus Telgte trudelten Worte ein, die sich dann in einer Geschichte einfügten.

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Flüchtig und dennoch berührend waren viele Worte, die im Rahmen der Schreibaktion zusammengetragen wurden. Foto: privat

„Flüchtige Worte“, so war die szenische Schreibaktion von Marion und Arnold Illhardt, Mitglieder der Telgter Kulturnomaden, überschrieben, die am letzten Samstag im Schaufensterbereich der ehemaligen Rossmann-Filiale stattfand. Im Vorfeld hatten das Telgter Paar über die sozialen Medien dazu aufgerufen, ihnen einzelne Worte zuzusenden, die von den Personen mit dem Thema „Gesellschaft“ assoziiert wurden. Diese Begriffe notierte Marion Illhardt auf großen Papierbögen und positionierte sie sichtbar im Raum. Gleichzeitig und über Beamer an die Wand projiziert schrieb Arnold Illhardt dazu einen Text, in dem die „flüchtigen Worte“ schlussendlich ein literarisches Ganzes in Form einer Geschichte ergaben. Aus ganz Deutschland, aber auch aus Telgte selbst trudelten schon im Vorfeld Worte ein, so dass bis zur Beendigung der Aktion gut 91 Begriffe zur Verfügung standen. Die beiden Verantwortlichen waren überaus erfreut über die rege Beteiligung. „Erstaunlicherweise“, so Marion Illhardt, „waren nur ganz wenige Begriffe doppelt.“ Insgesamt entstand so ein breites Zustandsbild der aktuellen Gesellschaft von äußerst kritisch (Vereinzelung, Leere, Ignoranz, Spaltung, Einsamkeit, Abgrund, krank) über konstruktiv-positiv (Gemeinsam, Miteinander, Netzwerk, Potenzial, Struktur, Teilhabe, Schwarmintelligenz, Geborgenheit) bis hin zu kreativen und augenzwinkernden Begriffen (borstig, hauchdünn, bomforzionös, elektrisch, Progressionsvorbehalt).

Gesellschaftsdrama mit Happy End

Die aus all den Begriffen entstandene Geschichte ist eine Art Gesellschaftsdrama mit Happy End, meint Arnold Illhardt. „Viele Worte haben mich alten Gesellschaftszyniker sehr berührt und nachdenklich gemacht, ja sogar etwas umgestimmt. Somit waren die Worte schlussendlich nicht flüchtig, sondern für uns beide nachhaltig.“ Den Text betitelte Illhardt mit „Ein Abend im Büro für Gesellschaft“, eine visionäre Einrichtung, die er sich tatsächlich für seinen Ruhestand als Betätigungsfeld vorstellen könnte. Die Worttafeln kann man bis in die nächste Woche im ehemaligen Rossmann-Laden anschauen. Auch Ergänzungen sind noch möglich. Den Text findet man auf dem Autorenblog des Ehepaars unter:

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