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Britta Sporket sieht großes Potenzial bei Wohnen im Alter

Senioren suchen Anschluss

Telgte/Warendorf

Ein großes Problem sieht Warendorfs Seniorenbeauftragte Britta Sporket in der zurzeit mangelnden gesellschaftlichen Teilhabe. Wie ist es aktuell um die Seniorenarbeit in Warendorf bestellt?

Joachim Edler

Britta Sporket ist Warendorfs Seniorenbeauftragte. Sie würde sich freuen, wenn Senioren ihre Ideen, Vorstellungen und Wünsche aufschreiben oder sie direkt ansprechen. Foto: Joachim Edler

Nicht nur mitschwimmen, sondern aktiv mitgestalten, das wollen viele Senioren in Warendorf. Doch in Corona-Zeiten ist das schwierig. Ein großes Problem sieht Warendorfs Seniorenbeauftragte Britta Sporket in der zurzeit mangelnden gesellschaftlichen Teilhabe. Wie ist es aktuell um die Seniorenarbeit in Warendorf bestellt?

„Prinzipiell sehr gut“, sagt die 40-jährige Diplom-Pädagogin im Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn Corona nicht wäre, hätten wir in Warendorf und den Ortsteilen sehr vielfältige und aktive Seniorenvertretungen. Vor allem, was die Nachbarschaftshilfe angeht. Diese Hilfe besteht im Kleinen sicherlich ganz selbstverständlich untereinander, dennoch seien gerade wegen des demografischen Wandels vor allem in ländlichen Gegenden neue Ideen der Betreuung und Begleitung gefragt.

Aktuell sei es jedoch schwierig zu sagen, was läuft gut und was nicht so gut. Eine Vernetzung sei nach Corona dennoch ausbaufähig, weil ihrer Meinung nach ein Umdenken bei der Auswahl der Angebote stattfinden muss. Denn durch das breite Altersspektrum bieten sich nun eine Vielzahl von neuen Ideen an: interessante Vorträge zu organisieren, gemeinsam Sport zu machen, oder sich auch aktuellen Themen wie der Digitalisierung und dem Umgang damit sowie neuen Wohnformen im Alter zu widmen.

Britta Sporket kann sich vorstellen, einen Seniorentreff, einen Ort der Begegnung, wieder neu ins Leben zu rufen. „Dazu braucht es jedoch eine breite Beteiligung – damit es kein Reinfall wird. Mal ebenso einen Ort zu bestimmen, an dem man sich trifft, damit ist es nicht getan.“

Was Britta Sporket, die seit Oktober eine halbe Stelle in der kommunalen Seniorenarbeit in der Stadtverwaltung bekleidet, auffällt: Viele älter Menschen fürchten sich davor, ein Pflegefall zu werden. Hier bestehe enormer Beratungs- und Unterstützungsbedarf. Schließlich gebe es für viele Maßnahmen in den eigenen vier Wänden auch Zuschüsse. Hier steht sie beratend zur Seite.

Die Digitalisierung und der Umgang damit sei ein weiteres wichtiges Thema. In der Corona-Zeit habe sie viele ältere Bürger an die Hand genommen, die Luca-App erklärt oder den „Schlüsselanhänger mit QR-Code“, wenn kein Handy vorhanden ist. „Wir haben zwei Online-Seminare angeboten, bei denen viele tolle Ideen aufkamen: ein Gehtreff zum Beispiel. Das Smartphone gibt den Weg vor. Oder eine Pflanzen-Erkennungs-App.“ Medienkompetenz im Alter ist ein großes Thema.

Das fängt schon damit an, dass sich Menschen, die nicht mehr aus dem Haus können, ihr Essen übers Internet bringen lassen können. Über Veranstaltungen kann man sich informieren, Reisen vorbereiten und vor allem Kontakte halten. Letzteres wiederum hilft, Vereinsamung zu vermeiden.

Selbstverständlich war für Britta Sporket, dass die Stadt alle über 80-Jährigen angeschrieben und abgefragt hat, wie sie zum Impfzentrum nach Ennigerloh kommen. Unbürokratisch sei mit dem DRK ein Fahrdienst eingerichtet worden. Auch das fällt in ihre Arbeit und fand in der Kommunalpolitik Beifall.

Ein wichtiges Instrument in der Seniorenarbeit ist der „Runde Tisch“, der sich aus Vertretern von knapp 50 Einrichtungen zusammensetzt, darunter Seniorenvertretungen, Vereine und Pflegedienste, die ein offenes Ohr für die Belange und Nöte der Senioren haben und Aufgaben und Ziele markieren, wie die Seniorenarbeit in Warendorf verbessert werden kann. Der Runde Tisch ist mit der Stadtverwaltung eng vernetzt. Aus ihm gehen auch Arbeitsgruppen hervor, die Themen wie Digitalisierung. Mobilität und Wohnen im Alter anpacken. Hier arbeiten die mit, die direkt am Geschehen sind und daher wissen, welche Bedürfnisse Senioren haben.

Einen persönlichen Austausch, ein Kaffeetrinken mit Senioren, das wünscht sich Britta Sporket, das sei aber aufgrund der Corona-Situation derzeit noch nicht möglich. „Vieles ist im persönlichen Austausch besser auf den Weg zu bringen.

Bereits am Telefon merke ich, dass ältere Menschen oftmals einen großen Redebedarf haben.“ Und so ist sie oft auch „Kummerkasten“, hört zu und findet Lösungen.

Ein Selbstläufer sei im vergangenen Jahr die „Wichtelaktion“ zu Weihnachten gewesen. Ihr Aufruf, kleine Geschenke für ältere Menschen zu basteln, sei es ein gemaltes Bild oder ein selbst gedrehtes Video, sei sehr gut angenommen worden und werde wohl dieses Jahr wiederholt werden – ergänzt um eine Backaktion.

Aktuell überarbeitet sie den Seniorenwegweiser, der in Kürze sowohl als Flyer als auch im Internet erscheint. In einem ersten Teil des Seniorenwegweisers geht es um Unterstützungsangebote. Der zweite Teil umfasst dann alle Begegnungen, kulturelle und sportliche Veranstaltungen.

Da zurzeit aber kaum Veranstaltungen stattfinden, wird der zweite Teil wohl erst dann herauskommen, wenn sich der Alltag wieder normalisiert hat.

Ganz viel Potenzial sieht die Seniorenbeauftragte bei der Frage nach Wohnen im Alter. „Ich bekomme viele Anrufe von Senioren, die wieder zurück nach Warendorf ziehen möchten – in die Nähe ihrer Kinder.

Stark nachgefragt sind da barrierearme Wohnungen mit der Möglichkeit, Serviceleistungen dazu buchen zu können wie zum Beispiel Essen auf Rädern, Wäsche, Reinigung oder Pflegedienst.“

Britta Sporket würde sich freuen, wenn Senioren ihre Ideen, Vorstellungen und Wünsche aufschreiben oder sie direkt ansprechen. Entweder in der Stadtverwaltung telefonisch    0 25 81/ 54 15 06 oder per Email britta.sporket@warendorf.de

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