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Landwirtschaft

Telgter Andreas Beckmann züchtet besondere Tomaten

Telgte

Diplom-Agraringenieur Andreas Beckmann sieht sich als sogenannter „Erhalter alter Tomatensorten“. Seit mehr als 20 Jahren züchtet der Telgter besondere Sorten. Darunter auch eine, die sonst normalerweise am Vesuv wächst.

Bernd Pohlkamp

Andreas Beckmann ist seit mehr als 20 Jahren Experte für alte Tomatensorten. Er hat 50 verschiedene Sorten in seinem Fundus. Foto: Bernd Pohlkamp

Gemüse aus dem eigenen Garten hat auch in Telgte einen hohen Stellenwert. Jetzt – nachdem die Eisheiligen vorbei sind – startet verstärkt die Freilandsaison. Wenn es das Thermometer zulässt, gehört dazu auch das Pflanzen von Tomaten.

Diplom-Agraringenieur Andreas Beckmann, Profi und ein sogenannter „Erhalter alter Tomatensorten“, hat in der Pandemie verstärkt einen Trend zum Gemüseanbau im eigenen Garten oder auf dem Balkon festgestellt. Seit 21 Jahren versorgt er die Verbraucher mit seinen Biotomaten- und Biokräuterpflanzen.

„Erhaltern alter Tomatensorten“

Seit 2008 bereitet er diese auf dem Weg in die Hobbygemüsegärten in seinen Gewächshäusern in der Bauerschaft Vechtrup vor. Alte Tomatensorten anzubauen, das erfreue sich – so die Erfahrung von Andreas Beckmann – immer größerer Beliebtheit. Der Telgter studierte Landwirtschaft und hat sich nicht nur mit nachhaltiger Tierzucht beschäftigt, sondern auch mit dem Gemüseanbau. Auf einem Pflanzen-Raritätenmarkt im Grugapark in Essen kam er zum ersten Mal mit alten Tomatensorten in Berührung. Als er dort vom Erhaltungszentrum der Landwirtschaftskammer NRW Samentüten mit alten Sorten erhielt, war der Grundstein für seine Karriere als „Erhalter alter Tomatensorten“ gelegt.

Andreas Beckmann arbeitet dabei eng mit der Landwirtschaftskammer NRW in Münster und dem Bioland-Verband zusammen. Daraus ergibt sich in jedem Jahr auch neu die Zusammensetzung der alten Tomatensorten und unterschiedlicher Sonderformen in seinem Gewächshaus.

Gemüsevielfalt in Deutschland erhalten

Rund 100 Stunden investiert Andreas Beckmann inzwischen wöchentlich in den Folienhäusern, um alte schmackhafte Sorten zu retten und so letztlich einen Teil dazu beizutragen, die Gemüsevielfalt in Deutschland zu erhalten. Sein Ziel ist es, das kulturelle Erbe der Sortenvielfalt vor dem Aussterben zu bewahren.

Andreas Beckmann

Andreas Beckmann sieht sich daher auch gleichsam als Sammler alter Tomatensorten: „50 verschiedene Arten befinden sich in meinem Fundus.“ Es handelt sich um sogenannte Erbstücke: „Weil die Sorten teils über Jahrhunderte von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden, tragen sie diesen Namen“, sagt der Experte.

Andreas Beckmann

Der Telgter hat die unterschiedlichen Pflanzen in verschiedene Kategorien aufgeteilt: Wild-, Cocktail-, Busch-, Fleisch- und normale Tomaten. „Fleischtomaten zeichnen sich durch eine große Frucht aus. Die Wildtomatenarten sind ursprünglich und unempfindlich für die sogenannte Krautfäule – und daher gut für das Freiland geeignet. Buschtomaten werden nicht ausgegeizt und wachsen wie sie wollen – buschig und überhängend. Es reicht für die Buschtomate bereits ein Fünf-Liter-Kübel. Fleischtomaten gedeihen besser mit einem Regenschutz“, weiß der Experte aus seiner langjährigen Zucht- und Anbaupraxis.

Andreas Beckmann hat die Erfahrung gemacht, dass Tomatenpflanzen mit kleinen Früchten ohne Regenschutz gut gedeihen. Je größer jedoch die Frucht sei, umso wichtiger sei es, sie vor Regen zu schützen.

Mit Trockenheit klarkommen

Für den Telgter bei seiner Auswahl ganz wichtig sind die Artenvielfalt, die Echtheit der Sorte, die Geschmacksvielfalt, die meist dünnere Haut und dass die alten Sorten robust und resistent sind. „Das ist gerade in unserer Region entscheidend.“

Derzeit testet er in seinen Gewächshäusern eine alte italienische Tomatensorte, die normalerweise am Vesuv wächst und dort offensichtlich mit der Trockenheit gut klarkommt. „Mich interessiert nun, ob diese alte Tomatensorte auch bei uns ohne viel Wasser auskommt und damit eine Alternative zu anderen Sorten darstellen könnte“, sagt er.

Den Vorteil älterer Tomatenpflanzen sieht Andreas Beckmann eindeutig in ihrer besonderen, ursprünglichen Geschmacksrichtung sowie in den vielen unterschiedlichen Formen und Farben. Bei der Farbauswahl habe er festgestellt, dass rote Tomaten eindeutig bevorzugt würden, obwohl doch gerade die verschiedenen Farben und Formen der Pflanzen nicht nur optisch im Tomatenbeet wirken könnten, sondern auch geschmacklich ein breites Spektrum widerspiegeln würden.

Andreas Beckmann

„Meine alten Tomatensorten“, so Andreas Beckmann, „sind alle samenfest.“ Das bedeutet, dass aus den Samen einer Pflanze neue Exemplare gezogen werden können. Bei modernen Sorten (sogenannten F1-Hybridsorten) sei das nicht möglich.

Andreas Beckmann

Der Öko-Gärtner nennt einen weiteren Vorteil alter Tomatenarten: „Viele von ihnen sind robust gegenüber einer Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen. Weil Tomaten Flachwurzler sind, benötigen sie keine so tiefen Kübel. Bei einer Stabtomate reiche ein Topfvolumen von zehn Litern aus. Für größere Tomaten sollte das Topfvolumen bis zu 25 Liter umfassen. Wichtig sei zudem die Zusammensetzung der Schichten: Blähton oder Schafwolle würden einen Wasserstau verhindern. Blumenerde müsse mit Kultursubstrat, etwa Hornspänen, gemischt werden. Wichtig sei reichliches Düngen und ein der Witterung angepasstes Wässern.

Gerade Letzteres ist für den Experten ein wichtiges Thema. Denn viele Hobbygärtner würden den Tomaten zu viel von dem kühlen Nass geben. Fingerspitzengefühl sei gefragt: „An heißen Sommertagen mit Wind sollte man zweimal täglich wässern. Herrschen kühlere Temperaturen reicht einmal wöchentliches Wässern aus“, so der Fachmann. Einen Tipp hat er in diesem Zusammenhang noch: „Nehmen sie ihren Finger und nehmen damit eine Bodenprobe. Nur so entwickelt man ein Gefühl für die Wasserzufuhr.“ Denn zu viel gießen schade dem Wachstum.

Oberen Bodenbereich mulchen

Zudem empfiehlt der Telgter, den oberen Erdbodenbereich zu mulchen. „So bleibt der Boden locker, kühlt nicht so schnell aus, und die Feuchtigkeit bleibt erhalten.“

Um Tomatenblätter vor Braunfäule zu bewahren, müssten die Pflanzen geschützt und sonnig stehen, so dass die Blätter nach einem Regenguss schnell abtrocknen könnten. Sinnvoll sei es, ein Dach über den Pflanzen aufzustellen, das von allen Seiten eine gute Belüftung zulasse. Zudem sollten die Hobbygärtner prüfen, ob der Kübel bereits ein Loch enthalte, sonst sollten sie eine Drainagemöglichkeit installieren. Zudem empfiehlt der Experte, als unterste Schicht im Kübel oder den anderen Pflanzgefäßen Kies, Blähton oder Schafwolle zu nehmen und darüber ein Gartenvlies zu legen, dieses an der Innenwand des Kübels hochzuziehen und die überstehenden Enden abzuschneiden.

Tomaten- und Kräuterprofi

Andreas Beckmann hat in einem Gewächshaus selbst einige alte Tomatenarten gepflanzt. Schließlich möchte er auch ernten und den Verbrauchern auf Märkten die vielen köstlichen und optisch unterschiedlichen Tomatensorten auch zeigen.

„Das ist für mich jedes Jahr der Höhepunkt zwischen Ostern und Sommeranfang, wenn ich neben meinen Pflanzen und Kräutern auch das Endergebnis präsentieren kann“, freut sich der Tomaten- und Kräuterprofi auf die Resonanz.

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