1. www.azonline.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Telgte
  6. >
  7. Zweifel an den offiziellen Zahlen

  8. >

Initiativkreis aus Westbevern führt eigene Verkehrszählung durch

Zweifel an den offiziellen Zahlen

Westbevern

Der Westbeverner Initiativkreis hält das Verkehrsaufkommen in Westbevern weiterhin für deutlich zu hoch. Den offiziellen Zahlen trauen die Mitglieder nicht. Deshalb haben sie sich daran gemacht, selbst nachzuzählen. Die Ergebnisse seien alarmierend, so der Initiativkreis.

wn

Viertel vor neun am vergangenen Freitag: Lange muss man nicht warten, um solch ein Motiv an der Ecke Grevener Straße/Lengericher Straße in Westbevern zu bekommen. Foto: Ralf Aumüller

Im vergangenen Jahr hat der Initiativkreis aus Westbevern der Forderung nach einem „Stopp des Lkw-Verkehrs“ mit einer Unterschriftenaktion Nachdruck verliehen. 1200 Namenszüge wurden an die Politik übergeben. Die Resonanz war laut der Sprecher Dominik Fockenbrock und Wolfgang Matschke ernüchternd. „Es hat im Grunde nicht viel bewegt. Insbesondere Straßen NRW hält die Belastung für nicht zu hoch“, sagt Matschke. So sei in einer Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung Telgte eine Stellungnahme des Straßenbau-Landesbetriebs zu lesen, dass „die vorhandenen Verkehrsbelastungen von rund 6000 Kfz in 24 Stunden und davon rund 500 Lkw“ tragbar seien.

Jörg Ammann

„Wer sich einmal etwas länger im Ortskern aufhält, wird die Zahlen schnell in Zweifel ziehen“, erklärt Jörg Ammann, Anwohner und Unternehmer. Daher hat sich der Initiativkreis Anfang des Jahres entschlossen, selbst nachzuzählen. Und die Erkenntnisse seien alarmierend, heißt es in einer Mitteilung. Durch die Installation eines automatischen Zählsystems werde der Verkehr im Ortskern permanent und seit mehreren Monaten erfasst. Danach liege die durchschnittliche Belastung an Werktagen über 10 000 Fahrzeugen, darunter 1300 Lkw. Das sei nahezu doppelt so viel Verkehr, wie ihn Straßen.NRW mit seinen aktuellen Zahlen angibt.

Dominik Fockenbrock

„Wir hatten mit viel Verkehr gerechnet, dass es aber an Wochentagen pro Minute zwei Lkw sind, hat selbst uns geschockt“, so Fockenbrock. „Und hinzukommt, dass aufgrund von Corona vermutlich noch weniger Kraftfahrzeuge durchs Dorf fahren als in normalen Zeiten.“

Dauerbelastung durch den Schwerlastverkehr auch nachts gegeben

Nicht zu vergessen sei, dass zu den Lkw noch über 9000 Autos pro Tag kommen. Selbst an Sonntagen würden die Zahlen, die der Landesbetrieb angibt, überschritten. Zudem sei eine Dauerbelastung durch den Schwerlastverkehr auch nachts gegeben. Oft komme es durch die für den Schwerlastverkehr nicht ausgelegte Straßensituation zu brenzligen Lkw-Begegnungen, heißt es in der Mitteilung weiter. „Die Gesamtbelastung ist einfach zu hoch. Der ständige Verkehrsstrom ist das eine, die Lärm- und Abgasbelastung das andere. Und auch für Radfahrer und Fußgänger ist die Situation alles andere als sicher“, so Matschke. „Da müssen Alternativen geschaffen werden. Wir hoffen, dass die verantwortlichen Stellen nun endlich bereit sind zu handeln. Wir stehen für die Diskussion gerne bereit.“ Auch das Thema Klimaneutralität der Stadt Telgte bis 2040 müsse in die Überlegungen einfließen.

Diverse Aktionen geplant

In Zukunft will der Initiativkreis verstärkt den Kontakt zu Politik und Behörden suchen. Darüber hinaus sind diverse Aktionen geplant. Um der Initiative mehr Sichtbarkeit zu geben und Transparenz für die Forderungen und Aktionen zu schaffen, haben die Initiatoren eine Webseite erstellt. Unter zukunft-westbevern.jetzt seien die genannten Zahlen nachzulesen und darüber hinaus etliche Beiträge und Aktivitäten dokumentiert.

„Wir freuen uns, wenn wir die Mitbürger und Mitbürgerinnen mitnehmen und hier Transparenz schaffen“, sagt Dominik Fockenbrock. „Im Endeffekt möchten wir doch alle in einem lebenswerten Ort leben, und da gehört ein Ortskern, der für die Menschen gemacht ist und nicht für den Kfz-Verkehr, unserer Ansicht nach dazu.“

Startseite