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Zum Tod von Änne Hermes

Eine (willens)starke Frau

Freckenhorst

Änne Hermes ist im Alter von 98 Jahren am Pfingstmontag gestorben.

Joke Brocker

Änne Hermes ist jetzt 98-jährig verstorben. Foto: privat

Im gesegneten Alter von 98 Jahren ist am Pfingstmontag Änne Hermes verstorben. Viele Freckenhorster verbinden mit ihrem Namen die hauswirtschaftliche Berufsschule im Freckenhorster Schlosshof und vermutlich auch ihre ersten Kochversuche an der Hauptschule.

1922 auf einem Bauernhof in Schöppingen geboren, hatte Änne Maßmann zielstrebig und willensstark auf ihren Berufswunsch hingearbeitet. Sie wollte Landwirtschaftliche Berufsschullehrerin werden. Nach der vom Zweiten Weltkrieg geprägten Schulzeit absolvierte sie in Luxemburg die Höhere Ackerbauschule. Nach nach dem Fachabitur studierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Koblenz, absolvierte anschließend ein Referendariat in Trier und Vreden und machte im August 1947, ohne Aussicht auf eine Stelle, ihr Abschlussexamen.

Ihre Prüferin von der Landwirtschaftskammer in Münster vermittelte ihr zum 1. April 1948 eine Stelle in Freckenhorst. Unter größten Anstrengungen muss sie hier eine Baracke im Schlosshof zu einer hauswirtschaftlichen Berufsschule ausbauen, die sie schließlich auch leitet. Nicht nur junge Frauen suchten ihren Rat, auch viele Freckenhorster Hausfrauen ließen sich bei Backproblemen von ihr helfen. Sehr zum Verdruss eines ortsansässigen Bäcker übrigens, der sich beklagte: „De lange Jüfferske vom Schlosshof mäck mi dat ganze Geschäft kaputt.“

Nachdem Änne Maßmann 1953 den Freckenhorster Landwirt Bernhard Hermes geheiratet hatte, mit dem sie zwei Söhne bekam, gab sie ihren Beruf, in dem sie sehr glücklich war, schweren Herzens auf. Sie wurde auf dem Hof gebraucht. Änne Hermes, die auf einem Bauernhof aufgewachsen war, wurde Bäuerin und hatte einen großen Haushalt mit einer großen Familie zu bewältigen, zu der sich überdies männliche Landwirtschafts-Lehrlinge, Flüchtlinge und ausgebombte Menschen gesellten. „Schon ein Jahr nach der Hochzeit lässt sie ihren Haushalt als Ausbildungsstätte anerkennen und nimmt ab April 1953 die ersten weiblichen (hauswirtschaftlichen) Lehrlinge auf“, schreibt Margit Schulze Stentrup in Heft 24 der Freckenhorster Schriften des Heimatvereins in einem dieser „starken Frau“ gewidmeten Beitrag, der auf einer Autobiografie basiert, die Änne Hermes geschrieben hat.

Nach reiflicher Überlegung übernahm Änne Hermes, die dem örtlichen Heimatverein seit dessen Gründung angehörte, 1968 den hauswirtschaftlichen Unterricht in der Hauptschule und gab dafür die Lehrlingsausbildung auf. 1984 kündigte sie an der Hauptschule, um ihren schwer kranken Ehemann zu pflegen, der 1988 starb. Bis zuletzt lebte sie als Seniorbäuerin auf dem Hof im Hägerort und unterstütze die Familie ihres Sohnes Hubert und der Schwiegertochter Irmgard. Am heutigen Montag wird Änne Hermes beigesetzt.

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