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Kinderhilfe Nepal besorgt wegen steigender Corona-Zahlen

„Es bleibt nur hoffen und beten“

Warendorf/Nepal

„Es gibt kaum verlässliche Informationen“, bestätigt Heike Kunze, 1. Vorsitzende der Kinderhilfe Nepal, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Berichte, die uns erreichen, sind jedoch verheerend. Einige Eltern unserer Patenkinder sind an Corona erkrankt.“

Joachim Edler

Wie schon das verheerende Erdbeben, bei dem 9000 Menschen in Nepal ums Leben gekommen waren und Millionen ihre Lebensgrundlage verloren hatten, trifft auch die Corona-Epidemie die Ärmsten der Armen besonders hart. Foto: Lucht

Kliniken in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, stehen vor dem Kollaps. Überfüllte Krankenhäuser, der Sauerstoff wird knapp. Täglich neue Covid-Infektionen. „Die Situation ist brenzlig. Damit haben wir nicht gerechnet.“ Die Warendorferin Monika Lucht, die sich unermüdlich für die Kinderhilfe Nepal einsetzt: „Es ist zu befürchten, dass durch Hunger geschwächte Menschen schneller dem Virus zum Opfer fallen. Außerdem droht die Corona-Welle von Indien nach Nepal überzuschwappen.“

Wie schon das verheerende Erdbeben, bei dem 9000 Menschen in Nepal ums Leben gekommen waren und Millionen ihre Lebensgrundlage verloren hatten, trifft auch die Corona-Epidemie die Ärmsten der Armen besonders hart.

Corona-Welle droht von Indien nach Nepal zu schwappen

Große Sorgen macht sich Monika Lucht, die selbst ein Patenkind in Nepal unterstützt. Sie steht in engem Kontakt mit Heike Kunze, 1. Vorsitzende der Kinderhilfe Nepal und zuständig für Außenkontakte, Sponsoren – und Kinderkontakte. „Die Nachrichtenlage ist defus. Es gibt kaum verlässliche Informationen“, bestätigt Heike Kunze im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Berichte, die uns erreichen, sind jedoch verheerend. Einige Eltern unserer Patenkinder sind an Corona erkrankt. Es gibt keine schnelle medizinische Hilfe. Wir können nur hoffen und beten, dass die Pandemie nicht solche Auswirkungen annimmt wie in Indien.“

Angesichts rasch steigender Corona-Fallzahlen habe Nepal (Land mit 30 Millionen Einwohnern) erneut alle Flugverbindungen für rund zwei Wochen gestrichen. Der Tourismus liegt am Boden, die Menschen haben kein Einkommen und Unterstützung vom Land gibt es nicht. Kinder leben von der Hand in den Mund. Viele Familien aus Kathmandu seien bereits beim ersten Lockdown, der bis zum 6. Dezember ging, aus der Enge der Großstadt und aufs Land geflohen – um der Pandemie zu entkommen und um Essen zu haben. Die Felder werden bewirtschaftet und geerntet. Fast täglich telefoniert Heike Kunze mit den Kontaktpersonen der Kinderhilfe in Nepal. Die einzig erfolgversprechende Lösung im Kampf gegen Corona ist aus ihrer Sicht das umfassende Impfen.

Flucht aus der Großstand aufs Land

Was ihr ein wenig Hoffnung gibt: „Die Menschen dort sind versiert im Aushalten von schlimmen Krisen. Und sie sind sehr diszipliniert im Umgang mit Regeln, so dass ich hoffe, dass die Corona-Fallzahlen in zwei bis drei Wochen wieder fallen werden.“

Besonders hart trifft der erneute Lockdown die Kinder: Soziale Kontakte, Schule, all das fand und findet in Corona-Zeiten nicht statt. „Wer hat schon ein Laptop? Online-Unterricht bleibt nur Privilegierten vorbehalten. Und das sind vielleicht 20 Prozent in Kathmandu. Die Ärmsten der Armen haben kein Tablet und der Staat hilft nicht. “

Mehr Online-Unterricht – nein, das wünscht sich Heike Kunze in Corona-Zeiten nicht. „Das wäre das falsche Signal. Ich wünsche mir, dass die Menschen die Krise überleben, genug zu essen haben und unsere Sponsoren bei der Stange blieben.“

Online-Unterricht nur was für Privilegierte

Zwei Jahre konnten Heike Kunze und Monika Lucht aufgrund der Corona-Pandemie jetzt schon nicht mehr nach Nepal fliegen. Aufgrund der guten Kontakte vor Ort, wissen sie aber, dass die Hilfe aus Deutschland, auch aus Warendorf, trotz covidbedingter Ausgangssperren im Himalaya-Staat ankommt und richtig verteilt wird. „Da gibt es ein ganz enges Vertrauensverhältnis.“

Durch Reiseverbote und Quarantänemaßnahmen ist auch die Arbeit vieler Hilfsorganisationen derzeit kaum möglich. Dabei wird ihre Hilfe nun gebraucht wie nie zuvor. „Viele Menschen in Nepal leben von der Hand in den Mund. Gehen sie nicht zur Arbeit, verdienen sie auch kein Geld – und können sich keine Nahrung kaufen“, skizziert Monika Lucht ein Bild vom Corona-Alltag in dem Land. Dennoch versuche die Nepalhilfe über Ansprechpartner vor Ort zu helfen und Hilfspakete zu verteilen. „Reis, Linsen, Tee und andere Lebensmittel werden an Familien in Not verteilt. Allerdings sind Übergabe und Transport eine Herausforderung. Aufgrund des Lockdown darf sich niemand aus dem engsten Umkreis seines Wohnortes entfernen.“

Monika Lucht und Heike Kunze bedanken sich an dieser Stelle bei der Warendorfer Kinderhilfsorganisation Aktion Kleiner Prinz, die aktuell 17 300 Euro für die Kinderhilfe Nepal zur Verfügung stellte. Von dem Geld werden Lebensmittel des täglichen Bedarfs wie Öl, Salz und Reis gekauft. Die Aktion Kleiner Prinz fördert Projekte und Einrichtungen in Nepal, darunter eine Schule in Lukla.

IBAN DE24 7705 0000 0578 2114 01 (Stichwort Monika Lucht Nepalhilfe)

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